Eiskunstläuferin nach Welttournee nur kurz zu Hause

Sophie Estelle Muth zählte mehrere Monate lang zu den Mitwirkenden der US-amerikanischen Show "Disney on Ice". Was sie dabei erlebte, macht Appetit auf mehr.

Am heutigen Dienstag ist es genau ein Jahr her, als die E-Mail mit der überraschenden Nachricht eintraf: Sophie Estelle Muth hatte sich erfolgreich beworben, war für die US-amerikanische Show "Disney on Ice" angenommen worden. Die damals 18-jährige Eiskunstläuferin der USG Chemnitz hatte ihre sportliche Laufbahn gerade beendet, wollte sich auf eine Berufsausbildung bei der Stadtverwaltung konzentrieren. Pustekuchen. Das Angebot, mit einer Eisshow auf Welt- tournee zu gehen, war einfach zu verlockend.

Und so packte Sophie Estelle Muth im September 2018 ihre Koffer, um ins serbische Belgrad zu reisen. "Dort haben wir uns auf die Show vorbereitet", berichtet die gebürtige Chemnitzerin. Sie ist die Tochter des früheren Bundesliga- turners Andreas Muth. Ihre Mutter Janet war einst selbst Eiskunstläuferin und hatte Sophie Estelle auf die Idee gebracht, sich für "Disney on Ice" zu bewerben. "Ich bin froh, dass sie diese Chance bekommt, die Welt bereisen darf und Selbstständigkeit schnuppern kann", betonte Vater Andreas damals. Es komme nicht oft vor, dass für diese Show eine deutsche Sportlerin geholt werde.

Wie recht er doch hatte: Beim Vorbereitungscamp in Belgrad stellte die Chemnitzerin fest, dass sie sogar die einzige Deutsche unter den 40 Mitwirkenden ist. "Zudem war ich die Jüngste", fügt die jetzt 19-Jährige hinzu. Von September bis Februar stand zunächst eine Europatournee auf dem Programm. "Wir sind beispielsweise in Prag, Budapest sowie in französischen und englischen Städten aufgetreten", erzählt Sophie Estelle Muth.

Mit der Show werden Figuren und Handlungen aus Disney-Filmen aufs Eis gebracht. "Am Anfang war es ganz schön hart, alles neu zu lernen und sich die Schrittfolgen einzuprägen", sagt die Chemnitzerin. Sämtliche Anweisungen seien auf Englisch erteilt worden. "Vor unserer ersten Show in Innsbruck war ich sehr aufgeregt. Mit jedem weiteren Auftritt ist dann mehr Sicherheit eingezogen", erklärt die junge Sportlerin. Innerhalb des Ensembles sei sie in verschiedene Rollen geschlüpft - "immer in schönen, ausgefallenen Kostümen", ergänzt sie mit einem Leuchten in den Augen.

Nach der Tournee durch Europa standen von März bis Mai Auftritte in Nordafrika und in Nahost auf dem Plan. Daraus wurde jedoch nichts. "Aus Sicherheitsgründen wurde diese Tour abgesagt. Eine Ersatzvariante gab es nicht. Da war die Enttäuschung groß", sagt die Eiskunstläuferin rückblickend. Sie nutzte die dreimonatige Zwangspause, um in Chemnitz ein Praktikum zu absolvieren. "Ich war bei Versorger Eins, durfte dort in die Abläufe hineinschnuppern. Nebenher habe ich in der Eissporthalle trainiert, um fit zu bleiben", berichtet Sophie Estelle Muth. Ab Anfang Juni sei das Showprogramm von "Disney on Ice" planmäßig weitergegangen - Gänsehautmomente inklusive. "Wir waren sechs Wochen in Südafrika. Dort hatten wir in Pretoria die schönsten Auftritte", betont die 19-Jährige. In einer rappelvollen Halle hätten die Kinder mitgesungen. "Wir haben einen Riesenapplaus bekommen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann", sagt die Chemnitzerin. Doch sie spricht auch von traurigen Eindrücken: Sie sei in Südafrika oft mit Armut konfrontiert worden. "Vor allem in Kapstadt fielen uns die unzähligen Wellblechhütten auf, in denen Leute wohnen. Manche von ihnen rannten uns hinterher und baten um Geld." In Johannesburg sei es den Sportlern aus Gründen der Sicherheit untersagt worden, das Hotel in der Freizeit zu verlassen.

Insgesamt zieht Sophie Estelle Muth ein sehr positives Fazit ihres Showabenteuers, auch wenn es mit bis zu drei Auftritten pro Tag (jeweils zwei Stunden) mitunter sehr anstrengend war. "Ich denke, dass ich eine gute Figur abgegeben habe", stellt sie fest. Was ihr zudem gefiel: Das Ensemble mit Eisläufern aus aller Herren Länder ist zu einer großen Familie zusammengewachsen. So wird es wieder nichts mit der Berufsausbildung. "Ich hänge noch eine Saison bei ,Disney on Ice' ran, habe den Vertrag schon unterschrieben", berichtet die junge Dame. Ihr neuer beruflicher Plan hat nichts mehr mit der Stadtverwaltung zu tun: Sie will stattdessen das Abi nachholen und später "irgendwas mit Sport" studieren.

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