Erstes Heimspiel nach dem Eklat: Wird beim CFC wieder gejubelt?

Bei Mannschaft kehrt Lockerheit zurück - Eine Frau ist neue Stadionsprecherin - Verein fordert mehr Polizei

Nach der Trauerminute für einen verstorbenen Neonazi und den Ereignissen danach will man beim Chemnitzer FC wieder sportlich für Schlagzeilen sorgen. Doch wie soll das gelingen? "Freie Presse" beantwortet vor dem Spiel am Samstag, 13.30 Uhr, gegen Budissa Bautzen die wichtigsten Fragen.

Wie hat die Mannschaft die Ereignisse und die zwei Niederlagen in Folge verkraftet?

Laut CFC-Trainer David Bergner geht es mit der Gemütslage seiner Spieler bergauf. "Nicht zuletzt das schöne Wetter sorgt dafür, dass die Jungs wieder lockerer sind. Sie wirken fokussiert, gemeinsam haben wir die Fehler der letzten Spiele ausgewertet", sagt der Coach, dem bis auf Torhüter Florian Sowade und Liridon Vocaj der komplette Kader zur Verfügung steht. "Ich bin optimistisch, dass wir gegen Bautzen wieder einmal jubeln können."

Wer ist beim Heimspiel gegen Bautzen Stadionsprecher? Der Verein hatte sich vom langjährigen Sprecher Olaf Kadner nach der Trauerzeremonie getrennt.

"Wir haben eine erfahrene Radiomoderatorin für uns gewinnen können, worüber wir uns sehr freuen", sagt CFC-Sprecher Steffen Wunderlich. Einen Namen wollte er noch nicht nennen. Unterdessen hat sich der ehemalige Stadionsprecher Olaf Kadner mit einer Stellungnahme erstmals nach der Trennung geäußert. Er sei davon ausgegangen, dass der von ihm verlesene Text vom Spieltagsverantwortlichen mit bestem Gewissen vorbereitet gewesen sei. "Das Vertrauen des Stadionsprechers wurde missbraucht", schreibt Kadner.

Gibt es Ersatz für die Fanbeauftragte, die auch gehen musste?

Wie CFC-Sprecher Wunderlich mitteilt, arbeite der Verein an einer Lösung. "Wir führen intensive Gespräche. Es gibt aber noch nichts zu vermelden", sagt er auf Anfrage.

Welche Firma wird den Sicherheitsdienst übernehmen? Nach den Ereignissen beim letzten Heimspiel wurde der bis dato zuständigen Firma gekündigt.

"Wir konnten eine renommierte Sicherheitsfirma für uns gewinnen, die auf Fußballspiele spezialisiert ist. Diese ist unter anderem auch für den HSV und beim 1. FC Nürnberg für die Sicherheit zuständig", sagt Steffen Wunderlich. Einen neuen Veranstaltungsleiter gibt es nach dem Rücktritt von Thomas Uhlig ebenfalls. "Namen werden wir vorher nicht benennen, da es zuletzt zu Anfeindungen der Personen kam, die wir öffentlich benannt haben", sagt Steffen Wunderlich.

Wurde mehr Polizei zur Absicherung des Spieltages angefordert?

Nach Vereinsangaben wurde mehr polizeiliche Unterstützung angefordert. Die Polizeidirektion Chemnitz bestätigte auf Anfrage, dass Insolvenzverwalter Klaus Siemon um mehr Einsatzkräfte gebeten hat. Aus taktischen Gründen gibt es aber keine Angaben dazu, ob und wie dieser Bitte nachgekommen wird, so Pressesprecher Andrzej Rydzik.

Werden Banner und Fahnen gründlicher untersucht?

"Dies obliegt der Einschätzung des Veranstaltungsleiters. Alle sollten sich bewusst sein, dass der Chemnitzer FC derzeit im besonderen Fokus steht. Wir hoffen, dass sich alle Fans bewusst sind, worum es am Samstag geht", sagt Wunderlich

Sind vonseiten des Vereins offizielle Reaktionen, etwa Durchsagen im Stadion oder ein Artikel im Stadionheft geplant?

"Ja, wir haben diverse Aktionen für den Spieltag geplant", sagt Wunderlich. Unter anderem soll es im Stadionheft ein spezielles Vorwort von Sportchef Thomas Sobotzik geben.


Kommentar: Der erste Schritt fehlt

Die Presseabteilung des CFC hüllt sich in Schweigen, was genau beim nächsten Heimspiel passieren soll, um den Verein aus den Negativschlagzeilen zu bekommen. Man kann nur hoffen, dass es der Club in diesem viel beachteten Spiel gemeinsam mit den Fans schafft, ein anderes Gesicht des Vereins und der Stadt zu präsentieren. Und das nicht nur für die Chemnitzer, die unter der Aktion des letzten Spieltags leiden, weil ihre Stadt wieder in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Zu wünschen wäre auch Spielern und Trainern, die bislang sehr gute Arbeit abgeliefert haben, dass es endlich wieder um das Sportliche geht. Ein erster Schritt wäre eine Entschuldigung des Vereins für die Trauerminute am 9. März. Die gab es bis heute nicht.

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