Finanzkrise - Boxclub sieht Nachwuchsarbeit in Gefahr

Die Chemnitzer Wölfe haben ihren langjährigen Hauptsponsor verloren. Manager Olaf Leib macht sich jedoch nicht nur um den eigenen Verein Sorgen.

Äußerlich wirkt er ruhig, ab und zu huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht. Olaf Leib macht gute Miene zum Spiel, das seinem Verein, dem Boxclub Chemnitz (BCC), widerfahren ist. Die Wölfe, wie sich die Faustkämpfer nennen, haben gerade ihren Hauptsponsor verloren. "Nach 18 Jahren ist unsere Zusammen- arbeit mit der Sparkasse Chemnitz beendet", erklärt Leib. Als BCC sei man sehr dankbar für die lange Kooperation. "Dadurch konnten wir unseren Sportbetrieb stets sicher planen, haben damit vor allem die Nachwuchsarbeit und die Teil- nahme an der Bundesliga finanziert", fügt der 53-Jährige hinzu. Leib lässt durchblicken, dass die Sparkasse mit großem Abstand der wichtigste Förderer des BCC war. Über die Höhe der Zuwendungen sei Stillschweigen vereinbart worden.

"Wir haben dem Boxclub schon vor längerer Zeit signalisiert, dass wir 2019 die Förderung zugunsten anderer Vereine aussetzen möchten", sagt Sparkassensprecher Sven Mücklich. Mit dem Wort "aussetzen" wolle man zum Ausdruck bringen, dass der Ausstieg des Unter- nehmens bei den Wölfen nicht von Dauer sein muss. Das städtische Kreditinstitut habe sich im vergangenen Jahr in Höhe von zwei Millionen Euro mittels Spenden und Sponsoring im Geschäftsgebiet (Chemnitz und Umgebung) eingebracht. "Rund 58 Prozent des Engagements flossen in Sportvereine und -projekte", so Mücklich.

Der komplette Rückzug vom Boxclub wird tiefe Einschnitte im Sportbetrieb der Wölfe nach sich ziehen, befürchtet Olaf Leib. "Die Finanzierung der Nachwuchsarbeit und der Bundesliga ist in Gefahr", sagt Leib, der im Verein auch als Trainer aktiv ist. Wie die große Finanzlücke beim BCC geschlossen werden soll, weiß er nicht genau. "Wir haben noch andere Sponsoren, wenn auch längst nicht in der Größenordnung der Sparkasse. Jetzt müssen wir versuchen, weitere Förderer zu gewinnen", betont der 53-Jährige.

Ende vorigen Jahres hatte Leib in einem "Freie Presse"-Gespräch noch berichtet, dass die Boxsportvertreter in der Stadt "wie Aussätzige" behandelt würden. Es sei eine Abneigung der Kommune und von Sponsoren zu spüren. Grund für diese schwierige Situation der Wölfe waren die Ereignisse beim Stadtfest 2018. Nach dem gewaltsamen Tod eines Deutsch-Kubaners hatte sich Leib an einem Trauermarsch der rechtsextremen Hooligangruppe Kaotic beteiligt. Er sei fotografiert und anschließend in sozialen Medien hart attackiert worden. Leib bleibt auch jetzt noch bei seiner Darstellung vom Herbst: Er sei mit seiner Mutter und mit seiner Tochter in der Stadt unterwegs gewesen und habe sich dem Marsch spontan angeschlossen - einfach um zu trauern. "Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, wer diese Veranstaltung organisiert hat", beteuert Leib nach wie vor.

Inzwischen sei Ruhe eingekehrt, er werde nicht mehr angegriffen. "Einige wollten mich zu Fall bringen, was nicht gelungen ist", sagt der 53-Jährige. Das liege daran, dass er seinen Weg mit dem Boxclub konsequent weitergegangen sei. "Wir stehen für Integration. Mehr als 50 Prozent unserer Sportler haben einen Migrationshintergrund", unterstreicht Leib. Als Verein sei man für alle da, egal, ob sie von ihrer Gesinnung her links, in der Mitte oder rechts stehen. "Auch Rechte nehmen wir gern mit. Sie müssen sich aber an unsere Regeln halten. Wenn sie sich bei uns einbringen, können sie keinen anderweitigen Blödsinn anstellen", meint der BCC-Manager.

Auch wenn die Lage des Boxclubs besonders prekär erscheint: Leib macht sich nicht nur um seinen Verein Sorgen, wie er betont. Die Sportszene in Chemnitz nehme prinzipiell einen viel zu niedrigen Stellenwert ein. Seine Botschaft an die Kommunalpolitik: "Sich fast nur um Pflichtaufgaben zu kümmern, ist für eine Stadt nicht aus- reichend." Der Sport benötige dringend mehr Unterstützung. "Stattdessen wird nur noch über das Thema Kulturhauptstadt gesprochen. Das finde ich traurig. Da waren wir zu Zeiten, als Peter Seifert hier Oberbürgermeister war, wesentlich weiter", bemerkt Leib.


Kommentar: Im Stich gelassen

Der Rückzug seines Hauptsponsors ist für den Boxclub Chemnitz schmerzhafter als ein Leberhaken. Keine Frage: Die Wölfe haben der Sparkasse eine Menge zu verdanken und zeigen sich auch dankbar dafür. Ohne das fast zwei Jahrzehnte währende Engagement des Unternehmens hätte sich der Verein längst aus der Bundesliga verabschieden müssen. Nachwuchsförderung wäre nur in begrenztem Maße möglich gewesen. Doch jetzt wird der Boxclub im Stich gelassen. Die Sparkasse hätte ihre Förderung für 2019 zunächst um ein Drittel oder die Hälfte zurückfahren können. Das wäre für den Verein einigermaßen erträglich gewesen. Durch den kompletten Rückzug droht jetzt jedoch all das einzustürzen, was mit maßgeblicher Hilfe der Sparkasse aufgebaut wurde.

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5Kommentare
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  • 3
    2
    j35r99
    19.02.2019

    Man kann es drehen und wenden wie man will. Schuld an dem ganzen Dilemma ist die Null-Zins-Politik der EZB. Wenn kein Gewinn erzielt wird, kann man nicht als Sponsor tätig bleiben.

  • 5
    3
    cn3boj00
    19.02.2019

    @Blackadder, richtig, dehalb habe ich geschrieben Sport ist Teil der Kultur. Und in beiden Fällen gibt es kommerzialisierte Bereiche, die sich weitgehend selber tragen sollten (Profi-Fußball zu subventionieren ist genau so unsinnig wie ein Fischer-Konzert), und Bereiche die nicht ohne Unterstützung der öffentlichen Hand funktionieren.
    Und Förderung des Nachwuchssports ist wie die Musikschule. Ich denke aber, die Wölfe profitieren dabei in gleichem Maße wie andere Vereine, zum Beispiel durch kommunale Trainerstellen. Deshalb sollte der Boxclub nicht anders betrachtet werden als andere Vereine. Der Sparkasse Vorwürfe zu machen, dass sie jetzt das Geld anderen gibt bringt doch nichts.
    Unterm Strich bleibt aber der Verdacht (ohne dass ich das z.B. durch Zählen von Beschlussvorlagen nachgeprüft hätte) dass das Thema "Kultur" (ohne Sport) bei den Räten viel höher steht als eben "Sport" (als Teil der Kultur).

  • 3
    12
    Interessierte
    19.02.2019

    Da sind auch viele Ausländer mit dabei , da kann es doch an sich gar keine Nachwuchssorgen geben ...
    Das ist gleichzustellen mit den Karatekursen , wo es schon gleich nach der Wende einen auf der A-Bebel-Straße gab ...
    Diese Kurse sind gleichzustellen mit den Selbstverteidigungskursen , die es nun auch schon oder erst - seit nach der Wende gibt , besonders für Frauen …
    Und für Kinder gibt es ja´ auch schon ähnliche Kurse bzgl. Mobbing
    Da kann man überall sein Geld verdienen , weil es keine andere Arbeit mehr gibt …

  • 8
    4
    Blackadder
    19.02.2019

    @cn3bij00: Sicher prinzipiell richtig, aber ich halte es für einen Fehler hier, wie es so oft geschieht, Sport gegen Kultur auszuspielen. Eine Stadt von der Größe von Chemnitz muss beides bieten können.

  • 7
    2
    cn3boj00
    19.02.2019

    Viele Vereine wären froh gewesen die Sparkasse als Sponsor haben zu dürfen. Sie machen ihre Nachwuchsarbeit zu großen Teilen ohne jedes Sponsoring.
    Dass die Kommune den Sport stiefmütterlich behandelt ist aber eine Tatsache (auch wenn das Rathaus angesichts von vielen Tausend Euro für den Sport dementieren wird). Von der einstigen "Sportstadt" will man nun zur "Kulturstadt" mutieren. Dabei wird vergessen, dass Sport auch ein Teil unserer Kultur ist ("Körperkultur"). Die Stadträte kennen nur Fußball. Dass Chemnitz auch beispielsweise mit Radsport, Leichtathletik oder Eissport einen internationalen Ruf hat und Sport vor allem für Kinder eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt sein sollte hat sich - zumindest wenn man schaut wie viele Initiativen für den Sport bisher von den Räten ausgingen - auch nicht so herumgesprochen.
    2016 klopften sich die Stadträte selber auf die Schultern wegen der großen Summen für Sportstätteninvestitionen, aber umgesetzt ist bis jetzt nur wenig, und mancher Verein zittert immer noch ob das versprochene kommt oder doch wieder dem Rotstift zum Opfer fällt.
    Man darf aber auch nicht immer nur auf die Kommune oder die Politik schauen. Sponsoring ist eine unternehmerische Aufgbe, und da tun sich ortsansässige Unternehmen irgendwie sehr schwer. Sonst könnte es nicht sein, dass in Chemnitz zwar viele Talente groß gemacht werden, dann aber Chemnitz verlassen.

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