Geschichten unter dem Korb

Für die Chemnitzer Basketballer ist Simone Hirschauer seit vielen Jahren als Physiotherapeutin tätig. Seit der Gründung des Vereins hat sie alles gesammelt, was es zu berichten gab. Auch ein Rekordhalter erinnert sich.

Wenn die Zweitligabasketballer der Niners an diesem Samstag zum letzten Spiel der Hauptrunde auflaufen, gibt es im Umfeld viele Gründe zum Feiern. Denn erstmals in ihrer Vereinsgeschichte schließen die Chemnitzer die Hauptrunde als Tabellenführer ab, in den kommende Woche startenden Entscheidungsspielen um den Aufstieg in die Bundesliga sind sie Favorit - erst recht, nachdem sie am vergangenen Wochenende auch beim Tabellenzweiten in Hamburg gewinnen konnten. Der Gegner der Niners in den Playoffs wird übrigens an diesem Samstag in Trier ermittelt, wo die Gastgeber auf die Karlsruhe Lions treffen. Der Verlierer spielt gegen Chemnitz.

Ein weiterer Feiergrund an diesem Samstag ist das 20-jährige Bestehen des Basketballvereins. Im März 1999 wurde der BV Chemnitz 99 aus der Taufe gehoben, seitdem haben Spieler, Verantwortliche und vor allem Fans allerhand erlebt. Was genau - das weiß kaum jemand besser als Simone Hirschauer. Sie ist seit vielen Jahren als Physiotherapeutin für das Männerteam tätig und hat zusätzlich alles gesammelt, was über die Niners berichtet wurde. "Ursprünglich habe ich an einer Chronik des Basketballsports geschrieben und den Jungs Erinnerungen mitgeben wollen", sagt sie. "Um das zu Ende zu bringen, fehlte mir aber die Zeit. Also habe ich wenigstens weiter alles gesammelt, was es zu meinem Verein gab."

Unzählige Ordner mit Bildern, Presseberichten und vielem mehr sind in den vergangenen 20 Jahren entstanden - ein kleiner Teil davon wird zum Spiel am Samstag im Foyer der Hartmannhalle zu sehen sein. "Wir haben eine kleine Ausstellung mit Infotafeln zu jeder einzelnen Saison der Niners vorbereitet", sagt Sven Böttger, Vizepräsident des Vereins. "Dabei haben wir uns in erster Linie auf das umfangreiche Archiv unserer Simone gestützt." Die Tafeln sollen nach dem Heimspiel eingelagert und bei weiteren Anlässen, wie zum Beispiel dem Vereinsfest, erneut gezeigt werden.

Neben der Ausstellung sind auch Gesprächsrunden mit ehemaligen Trainern und Spielern geplant. Zugesagt haben unter anderen Torsten Loibl, Felix Schreier, Robert Cardenas oder Andreas Endig. "Auch Thomas Hermsdorfer, erster Präsident des neu gegründeten Vereins, wird da sein", sagt Böttger, der die Gesprächsrunde selbst moderieren wird. Was genau die ehemaligen Chemnitzer Spieler dann erzählen werden, ist noch geheim. Simone Hirschauer hingegen kann schon jetzt aus einem Nähkästchen plaudern, das voller interessanter Erinnerungen ist. "Das geht damit los, dass wir 1991 mit Matt Linahan unseren ersten US-Amerikaner nach Chemnitz geholt haben. Das war der erste Profi überhaupt und damit etwas ganz Besonderes für alle Chemnitzer", erzählt Hirschauer. Auch an die Fahrten zu Auswärtsspielen erinnert sie sich gut. "Früher haben die Jungs sich im Bus noch über das Spiel unterhalten und sich auch mal die Meinung gegeigt. Heute wird meist über Handys oder Laptops kommuniziert." Generell aber seien die Basketballer der Chemnitzer immer "gute Jungs" gewesen, betont Hirschauer. "Bei uns wurde auch immer auf Umgangsformen geachtet."

Hirschauer selbst taugt auch für eine der vielen Geschichten rund um die Niners. Aus ihrem Alter macht sie ein Geheimnis, sie sagt nur, dass sie die 50 überschritten hat. Zu DDR-Zeiten war sie als Leichtathletin sehr erfolgreich, später wollte sie als Trainerin arbeiten. "Als das nicht geklappt hat, bin ich Physiotherapeutin geworden und so dem Sport treu geblieben", sagt sie. Und zur aktuellen Entwicklung ihres Herzensvereins sagt sie: "Was da gerade mit der Nachwuchsausbildung und der generellen Außendarstellung passiert, ist toll. Ich bin stolz, dazuzugehören und meinen Beitrag geleistet zu haben."

Das Spiel der Niners gegen Hanau am Samstag beginnt bereits 19.30 Uhr. Einlass in die Hartmannhalle ist ab 17 Uhr.


20 Jahre Niners

Im Jahr 1999 fusionierten die zwei Vereine BG und Lok Chemnitz zum BV Chemnitz 99. Später kooperierte der Verein mit der Technischen Universität, also wurde dem Vereinsnamen ein TU hinzugefügt. Zunächst wurde im Club auch Damenbasketball gespielt, später gliederte sich diese Sparte aus - heute als Chemcats aktiv. Aus der 99 im Vereinsnamen wurde schnell ein Spitzname, der mittlerweile auch zur offiziellen Bezeichnung wurde. Der Geschäftsbetrieb der Bundesligamannschaft ist in die Niners Chemnitz GmbH ausgegliedert.

Andreas Worenz bestritt von 2005

bis 2009 insgesamt 134 Begegnungen für die Sachsen - er hat damit die meisten Spiele für die Niners absolviert. Seine Führungsposition wird er aber höchstwahrscheinlich recht bald verlieren, denn Virgil Matthews braucht nur noch zwei Spiele, um gleichzuziehen. Und auch Jonas Richter ist trotz seiner erst 21 Jahre schon 130-mal in der Zweiten Liga für die Niners aufgelaufen.

Den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse hat der Verein 2002 geschafft. Punktbester Akteur seitdem ist der US-Amerikaner Jaivon Harris mit 1764 Zählern vor Virgil Matthews mit 1446 Punkten. Bester deutscher Punktesammler in der Historie ist der aktuelle Kapitän Malte Ziegenhagen mit 1293 Punkten. (pefr/ms)


"Die Fans in Chemnitz waren großartig"

Ein US-Amerikaner startete vor 15 Jahren seine Profikarriere bei den Niners und ist bis heute der beste Werfer in der Vereinsgeschichte

Drei Jahre lang hat Jaivon Harris in Chemnitz Basketball gespielt und dabei 1764 Punkte in 89 Spielen erzielt - bis heute ist das Rekord. Thomas Reibetanz hat sich mit dem 36-Jährigen unterhalten und auch erfahren, warum der Ex-Profi zum Jubiläum seines ehemaligen Clubs nicht nach Chemnitz kommen kann.

Freie Presse: Am Samstag feiern die Niners ihr 20-jähriges Bestehen. Als noch immer bester Werfer der Vereinsgeschichte sind Sie doch sicher dabei, oder?

Jaivon Harris: Nein, leider nicht. Ich habe vom Verein eine Einladung bekommen und wäre auch sehr gern dabei gewesen. Aber wir haben mit unserem Verein an diesem Wochenende selbst ein Spiel, also klappt es nicht.

Sie trainieren einen Verein in Karlsruhe. Wie läuft es?

Es geht so. Wir spielen in der Regionalliga und sind dort aktuell Tabellendritter. In dieser Liga gibt es keine Playoffs, nur der Erstplatzierte steigt auf - und der ist leider schon zu weit weg. Generell fühle ich mich hier in Karlsruhe aber sehr wohl, es ist für mich zur Heimat geworden. Von 2012 bis 2014 habe ich ja noch bei der BG Karlsruhe gespielt, seitdem bin ich Trainer.

Von 2004 bis 2007 waren Sie bei den Niners in Chemnitz aktiv. Gibt es noch Verbindungen in die Stadt?

Nur sehr wenig. Mit Alexander Jahn, einem langjährigen Fan, habe ich ab und zu mal Whatsapp-Kontakt, ansonsten eher weniger. Seit meinem Wechsel aus Chemnitz war ich auch nicht mehr in der Stadt.

Aber Sie verfolgen die Niners noch? Immerhin müssen Sie doch im Auge behalten, ob Sie noch der beste Werfer sind?

Ja, ich verfolge alle höherklassigen Ligen in Deutschland und habe natürlich auch mitbekommen, dass die Niners trotz einiger Verletzungssorgen eine großartige Saison spielen und um den Aufstieg kämpfen. Allerdings hatte ich gedacht, dass mich Virgil Matthews als bester Werfer abgelöst hätte.

Ihm fehlen dazu noch mehr als 300 Punkte ...

Oh, das ist viel. Aber ganz ehrlich: Der Punkterekord ist mir nicht so wichtig. Von Chemnitz bleibt mir immer in Erinnerung, dass es meine erste Profistation war, wo ich sehr viel gelernt habe. Und ich erinnere mich immer wieder an die Fans. Die waren großartig. Die wollten uns immer kämpfen sehen - und das haben wir auch gemacht. Ich habe mir fest vorgenommen, zu einem Spiel der Playoffs mal nach Chemnitz zu kommen, um diese Fans noch einmal zu erleben.


Jaivon Harris

Der 36-Jährige stammt aus Alliance in Ohio. Zunächst spielte er bei den Ohio Bobcats College-Basketball. 2004 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei den Niners in Chemnitz, wo er bis 2007 spielte und in 89 Spielen 1764 Punkte erzielte - ein Schnitt von 19,8 Punkten pro Spiel.

2007 wechselte Harris zum BBC Bayreuth, wo er mit seinem Team 2010 Meister der 2. Bundesliga und zum besten Spieler der Liga gewählt wurde. In der 1. Bundesliga sanken seine Spielanteile, sodass er 2011 zum Nürnberger BC wechselte. Von dort ging er ein Jahr später nach Karlsruhe, wo er zunächst für die BG Karlsruhe in der Zweiten Liga spielte. Nach großen Verletzungsproblemen wechselte er ins Trainergeschäft, seit 2015 ist er Chefcoach von KIT SC Karlsruhe, heute Arvato College Wizards. (tre)

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