Handballerinnen feiern ersten Punktgewinn seit September

In einem Krimi hat sich Drittligist HV Chemnitz 25:25 von der TSG Eddersheim getrennt. Die Vereinsführung begründete zudem die Entlassungen von Co- und Torwarttrainer.

Darauf mussten Spielerinnen und Fans lange warten. Am 23. September gewannen die Chemnitzer Drittliga-Handballerinnen gegen Birkenau. Danach setzte es nur noch Niederlagen. Bis zum gestrigen Sonntag. Da blieb zwar der erhoffte Sieg aus. Gegen die TSG Eddersheim aus Hessen reichte es in der Sachsenhalle aber immerhin zum ersten Punktgewinn seit zehn Wochen. Die Partie endete 25:25 (12:13). Ein Remis, das die HVC-Frauen ausführlich feierten. "Die Freude überwiegt, weil wir endlich gepunktet haben und das auch noch gegen einen deutlich besser platzierten Gegner", sagte Spielerin Catrin Grützmann.

Gegen den Tabellensiebten starteten die Chemnitzerinnen, derzeit Vorletzter der Dritten Liga, hektisch. Nach zwei Minuten stand es bereits 0:3. "Wir haben schlecht angefangen, waren irgendwie nicht bereit", meinte Grützmann. Danach kämpfte sich ihr Team heran, lief aber lange einem Rückstand hinterher. Erst nach der Halbzeitpause gelang den Gastgeberinnen der Ausgleich (14:14) - ein Startschuss. Plötzlich lief es im Angriff, nach 47 Spielminuten lagen die HVC-Frauen mit drei Toren in Führung. "Die Umstellung in der Abwehr hat uns geholfen. So haben wir Ruhe reinbekommen und dann auch noch unsere Angriffe besser durchgespielt", sagte Grützman. Eine Minute vor Schluss führte ihr Team mit 25:24, kassierte dann den Ausgleich und vergab mit der Schlusssirene die Chance auf den Siegtreffer. Monieren wollte das Trainer Robert Flämmich aber nicht. Auch bei ihm überwog die Freude. "Es fühlt sich gut an. Die Mannschaft hat das für den Kopf gebraucht. Sie musste sich endlich mal für gute Spiele belohnen", sagte er.

Flämmich konnte auf eine neue Spielerin zurückgreifen. Erst vergangene Woche hatte der HVC Marcela Splechtova verpflichtet. Sie kommt vom Zweitligisten BSV Sachsen Zwickau. Die Tschechin wohnt und arbeitet in Chemnitz. Während der Vorbereitung auf die Saison 2017/18 beim BSV Zwickau hatte sie einen Kreuzbandriss erlitten und den Anschluss verloren. Nun will sie Spielpraxis sammeln. Bei ihrem Debüt zeigte sie mit einigen Toren bereits, was sie kann. "Sie ist im Rückraum eine Waffe", meinte Flämmich.

Es war nicht die einzige Veränderung, die der Verein im Vorfeld der Partie vorgenommen hatte. Die HVC-Führung hatte sich überraschend von Co-Trainer Volker Friedrich und Torwarttrainer Rick Wurzbach getrennt. Beide waren erst im August zum Verein gestoßen. Für den HVC war das ein echtes Novum: Ex-Trainer Thomas Sandner hatte die Handballerinnen bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden im Sommer über 14 Jahre hinweg geführt; auf der Trainerbank galt das Prinzip Kontinuität. Vereinspräsident Mario Schmidt erläuterte der "Freien Presse" die Gründe für die Trennung. Beide Übungsleiter hätten keine schlechte Arbeit geleistet, betonte Schmidt. "Aber die Philosophien gingen auseinander." Es habe widersprüchliche Vorstellungen zum Umgang mit den Spielerinnen gegeben. "In der Dritten Liga immer nur Gas zu geben - das geht im Frauen-Bereich nicht. Wenn der Spaß abhanden kommt, läuft etwas schief", sagte der Vereinschef. Zuletzt habe das Team verkrampft gewirkt und deswegen haben man sich zur Trennung entschieden.

Die frei gewordenen Posten besetzt der Drittligist intern. Die Torhüterinnen werden künftig von Denise Klinger trainiert, die dafür schon ab und an zuständig war. Neben Chef-Trainer Flämmich, dem Schmidt ausdrücklich sein Vertrauen aussprach, nimmt nun Co-Trainerin Petra Starcek Platz. Die routinierte Kroatin, die 2008 mit dem Nationalteam ihres Heimatlandes an der Weltmeisterschaft teilgenommen hat, wird wegen einer schweren Knieverletzung wohl ihre Karriere beenden. "Sie bringt viel Erfahrung mit und wir haben nun ein Bindeglied zwischen Team und Trainern", erläutert der Vereinschef.

Die Mannschaft steht nun vor den Wochen der Wahrheit. Trotz des Punktgewinns belegen die Chemnitzerinnen einen Abstiegsrang. Sie treffen in den kommenden vier Partien nun aber auf Gegner, die ebenfalls im Tabellenkeller stecken.

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