Hobby-Basketballer spielen für verunglückten Ex-Chemnitzer

Sportler haben ein Streetball-Turnier wiederbelebt, das einst viel Anklang fand. Dabei sammelten sie auch Spenden für den schwer verletzten Ex- Niners-Spieler Noah Berge - der nun vor einem großen Schritt steht.

Die Spielfeldlinien werden erst kurz vor der ersten Partie mit Kreide auf den Betonboden des Basketballfelder im Konkordiapark gemalt. Statt einer professionellen Musikanlage spendet ein batteriebetriebenes Radio Musik. Und die Anmeldefrist wird einfach noch etwas verlängert, weil sich um 9 Uhr doch noch nicht so viele Teilnehmer wie erhofft eingefunden haben. Vieles ist improvisiert an diesem Samstagvormittag, an dem nach einem Jahrzehnt Auszeit ein einst beliebtes Streetballturnier eine Neuauflage erlebt. Das verwundert kaum: Denn zwischen der ersten Idee und ihrer Realisierung liegen gerade einmal drei Wochen.

Entwickelt hat die Idee Tobias Georgi. Der Chemnitzer spielt seit langem Basketball, aktuell für die SG Adelsberg. Die vergangenen anderthalb Jahre habe er mit Reisen und Arbeiten in Australien und Neuseeland verbracht, berichtet der 31-Jährige. Nach seiner Rückkehr vor wenigen Wochen habe er sich vorgenommen, etwas für die Hobby-Basketballer in der Stadt zu tun. "Die Streetball-Landschaft in Chemnitz ist etwas eingegangen", meint Georgi. Streetball ist eine Basketball-Variante, bei der in der Regel zwei Mannschaften mit je drei Akteuren auf einen Korb spielen. Bis vor einigen Jahren fanden regelmäßig mindestens zwei Turniere jährlich statt, darunter der Wettkampf Crunchtime Tournament. Den hatte einst der heutige Kraftklub-Sänger Felix Kummer mit ins Leben gerufen. Bis 2009 fand das Turnier fünfmal statt, zuweilen nahmen mehr als 25 Teams teil. Vor zehn Jahren war dann plötzlich Schluss. "Aber Retro ist ja angesagt. Warum sollte so ein Sportevent also nicht wiederkommen?", fragt Georgi.

Binnen weniger Tage stellte er den Wettkampf auf die Bühne, fand unter anderem in dem Niners-Spieler Malte Ziegenhagen und Felix Kummer Unterstützer. Letzterer stellte Kosmonaut-Tickets für 2020 als Preis für die Sieger zur Verfügung. Eine tolle Idee, meinte Marvin Abstoß, der mit Freunden ein Team für das Turnier stellte. "Solche Wettbewerbe kann man in Chemnitz immer gebrauchen", sagt er. Im Vordergrund stehe für ihn der Spaß, so der Chemnitzer.

Für Organisator Georgi diente das Turnier aber auch noch einem anderen Zweck. Er wolle alle eingenommenen Startgelder sowie Spenden Noah Berge zur Verfügung stellen, der von 2013 bis 2017 in der Nachwuchsabteilung der Niners spielte, kündigte er an. Berge wurde am 4. Oktober des vergangenen Jahres in Jena von einer Straßenbahn angefahren und schwer verletzt. An den Unfall hat er nach eigenen Angaben keine Erinnerungen.

Er habe während seiner Reise durch Neuseeland über Internet von dem Unfall erfahren, berichtet Tobias Georgi. Er und Berge seien früher bei Basketballspielen oder auf Partys in Kontakt gekommen. "Ich war geschockt, als ich davon gehört habe. Das ist das erste Mal, dass jemandem, den ich persönlich kenne, so etwas Schlimmes passiert. Ich habe dann gleich gespendet", sagt Georgi. Beim Turnier am Samstag kamen nochmal 200 Euro zusammen.

Noah Berge freut sich über die Anteilnahme in seiner früheren Heimat. "Das rührt mich wirklich sehr", sagt der 21-Jährige der "Freien Presse" und ergänzt: "Es ist krass, was das für Kreise gezogen hat." So hätten neben Weggefährten aus Leipzig, Chemnitz und Jena auch bekannte Personen wie die Musiker Trettmann und Samy Deluxe für ihn gespendet.

Berge wird aktuell noch in einem Krankenhaus in Hamburg behandelt. Seit Ende April atme er aber selbstständig, berichtet der Ex-Chemnitzer am Telefon. Mit Mund und Kinn könne er bestimmte Geräte wie einen Spezial-Rollstuhl oder ein Ipad bedienen. Und in wenigen Wochen steht der nächste große Schritt an: Voraussichtlich am 5. September werde er das Krankenhaus verlassen - nach elf Monaten Behandlung in verschiedenen Kliniken. Gemeinsam mit seiner Freundin werde er eine Wohnung in Leipzig beziehen, die derzeit noch für ihn vorbereitet wird. Ein Pflegeteam stehe ihm künftig rund um die Uhr zur Seite. "Auf der einen Seite blicke ich dem sehnsüchtig entgegen. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass mir die Decke auf den Kopf fallen wird", sagt er. Einen kleinen Ausflugsplan hat er auch schon gefasst. "Ich möchte gerne zu einem Spiel der Niners nach Chemnitz kommen", kündigt Berge an.

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