In der weiten Welt des Fußballs

Seit zehn Monaten reist Patrick Köller durch Asien und Australien - und verbringt eine Menge Zeit in Stadien. Dabei sind es nicht die Leistungen der Kicker, die den Chemnitzer zu den Spielen locken.

Schon als kleiner Junge ging Patrick Köller zu den Spielen des Chem- nitzer FC. Sein Vater hatte ihn als Kind mitgenommen. Erst nur zu den Heimspielen, später fuhr Köller auch auswärts. Doch irgendwann reichte ihm das nicht mehr. "Ich wollte auch mal gucken, was in anderen Ländern so los ist", lautet seine simple Begründung für das, was der Chemnitzer seit September vergangenen Jahres treibt: Er bereist asiatische Länder - und geht dort zum Fußball.

Natürlich ist er nicht ausschließlich und auch nicht jeden Tag im Stadion. Aber mindestens ein Spiel hat der 25-Jährige in jedem der bisher 21 Länder gesehen, von denen sich inzwischen Stempel in seinem Reisepass finden. Dabei ist es weniger das fußballerische Können der Kicker in Kambodscha, Malaysia, Macao oder Bangladesch, das ihn in die Stadien zieht. Stattdessen interessiert sich der Zerspanungsmechaniker, der für seine Reise ein Jahr unbezahlten Urlaub nahm, für die Fankultur anderer Länder. Er will sehen, wie laut, bunt und frenetisch die Kurven in Fernost sind. Japan habe ihm besonders viel Spaß gemacht, wegen der großen, gut organisierten Fanszenen im Land. Pausenlos unterstützen die japanischen Fans ihre Mannschaften, wobei die Gesänge weniger brachial als in Europa, sondern eher melodisch wirken - fast, als höre man nicht einer Gruppe Fußballfans, sondern einem professionellen Chor beim Singen zu.

Außerdem schwärmt Köller vom indonesischen Derby zwischen Persija Jakarta und Persib Bandung. "Es waren 20.000 Leute im Stadion, die so laut wie 100.000 waren. Die Mitmachquote lag bei mindestens 95 Prozent", erinnert er sich. Als Europäer war Köller der heimliche Star im Stadion, ständig kamen einheimische Fans und wollten Erinnerungsfotos mit ihm schießen. "Das hat irgendwann fast schon genervt. Auch wenn ich sagen muss, dass alle sehr freundlich waren." Von einem friedlichen Fußballfest konnte dennoch keine Rede sein. In den letzten Jahren seien im Umfeld dieses Spiels sogar Menschen ums Leben gekommen, weshalb Gästefans im Stadion verboten waren. Einige Wenige hätten sich trotzdem irgendwie ins Stadion und sogar in den gegnerischen Fanblock gemogelt. "Die wurden dann die Ränge heruntergeprügelt und mussten stark blutend von der Laufbahn getragen werden", berichtet der Chemnitzer.

Dass Köller aufgrund der Zeit- verschiebung während seiner Reise kaum Spiele der Fußball-WM schauen kann, bedauert er nicht. "Ich informiere mich über die Ergebnisse, aber das war es auch. Bei der WM wird der Sport doch nur noch als Event verkauft, das gibt mir nix", sagt er. Statt für Hochglanz-Arenen erwärme sich sein Herz für "verlodderte Gammelstadien", wie er sie beispielsweise in Myanmar oder Vietnam vorfand. Wackelige Sitzschalen, verrostete Flutlichtmasten, moosbewachsene Stehplatzstufen oder schimmlige Tribünenwände - "das findet man in Deutschland doch nicht einmal mehr in der Dritten Liga."

Fast jede Woche entdeckt Köller ein neues Land, selten schläft er drei Mal hintereinander im selben Bett. "Bei all den Eindrücken bin ich froh, wenn ich im Stadion auch mal runterfahren und alles verarbeiten kann. Da kann mir dann auch ein langweiliges 0:0 gerade recht kommen." Es sei ein bisschen wie eine Sucht, die ihn immer wieder in neue Stadien ziehe. Vor kurzem hat er sich von Asien verabschiedet und zieht nun in Australien übers Land und durch die Stadien. Nach einem Abstecher in Neuseeland wird er in Kürze nach Chile weiterreisen und süd- und mittelamerikanische Länder besuchen, bevor er wieder deutschen Boden betritt - natürlich nicht, ohne in jedem der noch vor ihm liegenden Länder den rollenden Ball gesehen zu haben. "Ohne Fußball würde ich deutlich weniger reisen", stellt der Weltenbummler fest.

Wenn der Abstieg des Chemnitzer FC für Patrick Köller also einen positiven Aspekt hat, dann diesen: In der kommenden Saison, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, stehen Auswärtsfahrten zu Zielen an, die er bisher noch nicht auf dem Zettel gehabt hat. Vielleicht, mit etwas Glück, ist dann auch ein "verloddertes Gammelstadion" darunter.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    mathausmike
    13.07.2018

    Werter Herr Schaller, danke für Ihren interessanten Artikel. Patrick Koller hat durch den Fußball viel erlebt und das Sehen von Fußball zu seinem Lebensinhalt erkoren. Bei allem Schönen,was er dabei auch erlebt,wünsche ich Ihm,dass er ein noch spannen-deres Leben bekommt,indem er hoffentlich,den lebendigen Gott erfährt!

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