Ironman: Chemnitzer quält sich mit Magenproblemen ins Ziel

Triathlet Robin Schneider hat auf Hawaii den ersehnten Podestplatz in seiner Altersklasse klar verpasst. Die Enttäuschung sitzt tief, wobei ihm die gesundheitlichen Schwierigkeiten rätselhaft erscheinen.

Während seine Landsleute Jan Frodeno und Anne Haug ausgelassen ihren doppelten Triumph beim bekanntesten Ausdauerwettbewerb der Welt feierten, war er am Boden zerstört. Tränen flossen. "Ich bin riesig enttäuscht, weil ich mein Ziel deutlich verfehlt habe. Dieses Rennen wird mich noch eine Weile beschäftigen", sagte Robin Schneider im Telefonat mit der "Freien Presse". Statt der ersehnten Podestplatzierung in seiner Altersklasse 30 bis 34 stand für den Chemnitzer Triathleten beim Ironman auf Hawaii am Ende nur Rang 111 zu Buche.

Dabei war es so gut losgegangen: Beim Schwimmen über 3,86 Kilometer konnte sich Schneider im Vorderfeld behaupten. "Ich war auf Kurs, habe mich ganz gut gefühlt. Der Wechsel aufs Rad ging zügig vonstatten", berichtete der 30-Jährige. Aber dann brach das Unheil über ihn herein. "Auf der Radstrecke habe ich blöderweise die Verpflegung nicht drin behalten. Schon im vergangenen Jahr bei meinem ersten Start auf Hawaii hatte ich Magenprobleme", so Schneider. Er musste sich übergeben und mehrfach auf die Toilette. "Gefühlt habe ich sämtliche Dixi-Klos an der Strecke von innen gesehen", sagte der gebürtige Geraer.

Wenn Essen und Getränke wieder herauskommen, fehlt dem Körper die Energie. "Ich wollte auf dem Rad in Gruppen mitfahren, weil man so schneller unterwegs ist. Doch an den Anstiegen konnte ich das Tempo der anderen nicht mitgehen", berichtete Schneider. So fuhr er den Großteil der 180,2 Kilometer langen Radstrecke allein. Seine sportlichen Felle waren längst davongeschwommen. "Aufgeben kam nicht infrage. Das Rennen war aber gelaufen. Beim Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke hatte ich schon Tränen in den Augen", sagte der Triathlet, der beruflich für einen großen gastronomischen Dienst- leister tätig ist.

Noch einmal keimte auf Hawaii kurz Hoffnung für ihn auf, als er sich auf der abschließenden Marathonstrecke (42,195 Kilometer) wieder besser fühlte. "Auf den ersten 15 Kilometern konnte ich viele Plätze gutmachen und zwischenzeitlich bis auf Rang zwölf meiner Altersklasse nach vorn laufen", so Schneider. Doch dann meldete sich erneut der Magen. Wieder musste er Dixi-Klos aufsuchen, "vor denen ich mich zum Teil anstellen musste, weil auch andere Athleten Probleme hatten". An durchgängiges Laufen war nicht mehr zu denken. "Ich konnte oftmals nur noch gehen. Die Endzeit hatte keine Bedeutung mehr für mich - ich wollte nur noch das Ziel erreichen", schilderte der Sportler von der SG Adelsberg das qualvolle Geschehen.

Nach zehn Stunden und siebeneinhalb Minuten beendete er seinen zweiten Ironman auf Hawaii. Zum Vergleich: Im Vorjahr war er trotz Krämpfen nach neun Stunden und zehn Minuten im Ziel, was immerhin zu Platz 16 in seiner damaligen Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen reichte. Jetzt grübelt Schneider, warum er auf Hawaii zum zweiten Mal gesundheitliche Schwierigkeiten hatte. "Für mich ist das rätselhaft. Ich muss die Gründe herausfinden. Habe ich beim Schwimmen zu viel Salzwasser geschluckt, oder war es das isotonische Getränk?", denkt er laut nach. Hilfe bei der Ursachenforschung bietet ihm sein Triathlon-Kumpel Alexander Kunze vom STV Limbach-Oberfrohna an, der bereits viermal auf Hawaii dabei war. 2018 waren die beiden gemeinsam an den Start gegangen. "Wenn Robin wieder in Chemnitz ist, werden wir uns zusammensetzen und seinen Wettkampf in Ruhe analysieren - mit einer Auswertung seiner Ernährung während des Rennens", sagte Kunze. Er selbst will einen fünften Start auf Hawaii nicht ausschließen. "Auch ich habe dort noch eine Rechnung offen", erinnert Kunze an seinen Wettkampf 2018, als er wegen eines Reifenschadens eine gute Platzierung verpasste.

Bis Robin Schneider nach Chemnitz zurückkehrt, vergehen noch anderthalb Wochen. Mit mitgereisten Freunden und seiner Lebensgefährtin Sarah bleibt er auf Hawaii. "Trotz der Enttäuschung beim Ironman versuche ich, die Zeit zu genießen. Weiter Trübsal zu blasen, wäre Quatsch. Schließlich ist das unser Jahresurlaub", sagte Schneider. Er kann sich vorstellen, einen weiteren Anlauf beim Hawaii-Triathlon zu nehmen. "Ich will mit diesem Wettbewerb gern noch meinen Frieden schließen", bemerkte der 30-Jährige.

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