Katzen schnuppern an erstem Saisonsieg

In der 2. Basketball- Bundesliga haben die Chemcats gegen Osnabrück 52:55 verloren. Eine Spielerin analysierte danach nicht nur die Partie, sondern gab auch eine wichtige Entscheidung für ihre Zukunft bekannt.

Den Gesichtern in der Schloßteichhalle war mehrfach die Verzweiflung anzusehen, egal, ob auf den Besucherrängen oder auf der Auswechselbank. "Das ist doch zum blöd werden", entfuhr es einem Zuschauer bereits während des zweiten Viertels. Wieder einmal hatte sich das Spielgerät nach einem Wurf der Chemcats nicht dazu durchringen können, in den Korb einzutauchen. In der Basketball-Zweitligapartie gegen die Panthers Academy Osnabrück wurden die Nerven auf Gastgeberseite am Samstagnachmittag arg strapaziert.

Beide Mannschaften kämpften leidenschaftlich um den Sieg, überboten sich jedoch im Auslassen guter Möglichkeiten. Am Ende des Fehlerfestivals waren die Katzen 52:55 (20:32) unterlegen und somit nur knapp am ersten Saisonsieg vorbeigeschrammt. Trainer Thomas Seltner hielt sich mit Kritik an seinem extrem jungen Team jedoch bewusst zurück. "Defensiv haben wir heute vieles besser gemacht. Doch in der Offensive hat die Mannschaft zu viel liegenlassen. Es fehlte die Geradlinigkeit", schätzte Seltner sachlich-nüchtern ein.

Und manchmal auch die Unterstützung von Glücksgöttin Fortuna. Besonders für eine deutsche Nachwuchs-Nationalspielerin in Reihen der Chemcats war der Korb am Samstagnachmittag wie vernagelt: Anabel Neuber-Valdez versuchte es immer wieder, konnte letztlich aber nur zwei Punkte auf ihr Konto bringen. "Man ist frei durch und dann geht er wieder nicht rein. Das ist ärgerlich und einfach auch Pech", sagte die 18-Jährige, die eine halbe Stunde nach dem Spiel schon wieder lächeln konnte.

Mit ihren Teamgefährtinnen war sie gegen Osnabrück die meiste Zeit einem Rückstand hinterhergelaufen. "Das ist energieraubend", erklärte die Sportschülerin. Doch Aufgeben ist ein Fremdwort für die jungen Chemnitzerinnen. "Wir haben uns super herangekämpft. Zum Sieg fehlten nur Kleinigkeiten", meinte Anabel Neuber-Valdez, deren Mutter aus der Dominikanischen Republik stammt. Der Vater ist Deutscher. "Von ihm habe ich die Lockerheit geerbt, von meiner Mutter das Temperament - ich bin ein Sturkopf", bemerkte die 18-Jährige und lachte.

Tatsächlich hatte es so ausgesehen, als könnten die Chemcats das Spiel nach dem Zwölf-Punkte-Halbzeitrückstand drehen. Zweimal, beim 43:44 und 49:50, waren sie dem Gegner bis auf einen Zähler auf den Pelz gerückt. Doch gerade in solch verheißungsvollen Momenten häuften sich die Ballverluste und sorgten für kollektives Haare- raufen. "Wir sind oftmals zu hektisch. Daran merkt man, dass uns die Erfahrung fehlt", sagte Neuber-Valdez, die in diesem Jahr mit der deutschen Auswahl an der U-18-Europameisterschaft im bosnischen Sarajevo teilgenommen hat. Dort sprang immerhin Rang sechs heraus.

Die talentierte Sportlerin ist sich im Klaren darüber, dass ihr die (Basketball-)Welt offensteht. Durch die ehemalige Chemcats-Trainerin Amanda Davidson bekam sie Kontakt zu Colleges in den USA, die zum Teil schon Interesse an der Chemnitzerin bekundeten. Anabel Neuber-Valdez war hin- und hergerissen, hat inzwischen aber eine Entscheidung getroffen, wie sie am Samstag verriet. "Früher war es mein Traum, in die USA zu gehen. Doch ich werde hierbleiben und auch kommende Saison für die Chemcats spielen", sagte die 18-Jährige. Sie sei nicht der Typ, der lange ohne Familie und Freunde auskommt. "Neben dem Basketball will ich eventuell in Mittweida Sportmanagement studieren", so die Korbjägerin, die im Frühjahr am Chemnitzer Sportgymnasium zunächst ihr Abitur machen wird.

Mit den Chemcats steht sie erst einmal vor schweren Aufgaben. "Wir bekommen es jetzt mit drei dicken Brocken zu tun", sagte Trainer Seltner hinsichtlich der Partien bei Eintracht Braunschweig, zu Hause gegen die Bergischen Löwen und in Grünberg.

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