Landesligist setzt im Kampf um Klassenerhalt auf Marokkaner

Der BSC Rapid, der nach dem Chemnitzer FC erfolgreichste Fußballverein der Stadt, steht vor einer schwierigen Saison. Besonders schwer wiegt der Abgang eines Spielers.

Wer sich auf der Internetseite von Fußball-Landesligist BSC Rapid die aktuelle Mannschaft anzeigen lässt, sieht vor allem eins: viele Lücken. Das liegt nicht daran, dass die Seite nicht aktuell gehalten ist. Diese Lücken gibt es bei den Kapplern tatsächlich. "Wir haben einen sehr großen Umbruch hinter uns", sagt Trainer Thomas Schreyer.

Fast ein halbes Dutzend Leistungsträger hat den Verein verlassen, darunter mit dem Tschechen Jiri Jedinak ein erfahrener Akteur, der den Chemnitzern Ruhe im Spiel gegeben hat. Er beendet seine Karriere. Ebenfalls aufhören wird Jedinaks Landsmann David Duran. Er war an Hodenkrebs erkrankt; der BSC Rapid und mehrere andere Vereine hatten deswegen im vergangenen Jahr eine große Spendenaktion für ihn gestartet. "David geht es besser, aber er kann wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr spielen", berichtet Schreyer.

Größter Rückschlag ist jedoch der Abgang von Florian Mielke. Der Stürmer war in den zurückliegenden Spielzeiten die Lebensversicherung des BSC Rapid. In der vergangenen Saison erzielte er 30 Treffer - mehr als die Hälfte aller Tore von Rapid. Der Offensivspieler hatte damit maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt. Nachdem er kurzzeitig sogar beim Regionalligisten Chemnitzer FC im Gespräch war, läuft Mielke nun für dessen Kontrahenten VfB Auerbach auf. "Wir werden ihn schwer vermissen. Uns fehlt ein eiskalter Vollstrecker", sagt Schreyer, der den BSC Rapid seit elf Jahren trainiert. Es komme nun darauf an, die Verantwortung auf mehr Schultern zu verteilen. Gelingt das, sei man variabler als zuletzt und nicht mehr so ausrechenbar.

Bei der Planung des Kaders für die neue Saison hat der BSC Rapid laut Schreyer keine großen Sprünge machen können. "Viele Teams rüsten auf. Das können wir uns nicht leisten", sagt der Coach. Als Beispiel nennt er den FC Lößnitz, der einen nahezu Regionalliga-tauglichen Kader und Etat habe. Der BSC Rapid nehme im Vergleich sehr wenig Geld in die Hand, betont der Coach. Kommen Spieler neu dazu, werde an den abgebenden Verein die übliche Ausbildungsvergütung bezahlt. Akteure mit längerer Anfahrt bekämen einen Zuschuss zu den Fahrtkosten. Und für einen Sieg erhalte jeder Spieler eine Prämie in Höhe von 40 bis 50 Euro, erklärt Schreyer. "Das ist im Vergleich aber eher eine Mini-Prämie."

Die Neuzugänge sind deswegen keine namhaften Fußball-Größen der Region wie einst der Tscheche Jedinak. Drei Spieler kommen vom Landesklasse-Team aus Gelenau, einer von Stadtrivale Fortuna Chemnitz. Zudem setzt der Verein auch auf zwei Migranten. Einer von ihnen, Jamal Hamoud, war zuletzt beim BSC Freiberg aktiv, hat dort in der Landesliga und der Landesklasse gespielt. Der Marokkaner, der aus der Hauptstadt Rabat stammt, war zuletzt ein Leistungsträger in Freiberg. Er zieht aus beruflichen Gründen nach Chemnitz. "Charakterlich und fußballerisch sind alle Neuzugänge top", sagt Schreyer.

Als "sehr schwierig" bezeichnet auch Kapitän Markus Vettermann die aktuelle Lage der Mannschaft. "Der Kader ist eher klein und die neuen Spieler sind unerfahren." Es werde eine Weile brauchen, bis sich das Team eingespielt hat, sagt der 33-Jährige, der mindestens für die ersten beiden Saisonpartien ausfallen wird. Die Zielsetzung könne deswegen nur Klassenerhalt lauten. "Wir sollten uns allerdings auch nicht dahinter verstecken, dass wir Leistungsträger verloren haben. Grundsätzlich haben wir immer noch eine gute Mannschaft", sagt Vettermann.

Vor der ersten Begegnung in Markkleeberg am Sonntag macht dem Trainer noch etwas anderes Mut. "Wir sind krisenerprobt", sagt Schreyer. Seit dem Aufstieg in Sachsens höchste Spielklasse vor drei Jahren stand der BSC Rapid immer mal wieder auf einem Abstiegsrang. So auch vergangene Saison. Bis zur Winterpause hatten die Kappler nur zehn Punkte gesammelt. Am Ende hatten sie 33 Zähler auf dem Konto - und den Klassenerhalt geschafft.

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