Mit dem Ami auf dem Amt: Der Niners-Profi und die Bürokratie

Erst seit einer Woche ist Josh Fortune in Chemnitz. Der Neuzugang der Niners soll die Lücke schließen, die bei den Basketballern durch viele Verletzungen entstanden ist. Bis sich der US-Amerikaner aber auf seinen Sport konzentrieren kann, muss er zahlreiche Behördengänge erledigen.

Ein Jetlag kann erstaunlich lang anhalten - könnte man zumindest meinen, wenn man Josh Fortune an diesem grauen Donnerstagmorgen in der Chemnitzer Innenstadt sieht. Seine 1,96 Meter Körpergröße hat er in einen Jogginganzug mit dicker Jacke darüber gepackt, über der Mütze sorgt eine Kapuze dafür, dass die Welt so weit wie möglich draußen bleibt. Die Begeisterung über den frühen Termin steht dem US-Amerikaner ins Gesicht geschrieben: Es stehen Behördengänge an.

Erst am Mittwoch vergangener Woche ist Fortune in Deutschland gelandet. Der Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz hat mit seiner kurzfristigen Verpflichtung auf die verletzungsbedingten Ausfälle der Spieler Matt Vest, Lukas Wank und Ivan Elliott reagiert. Von Jetlag, also der Müdigkeit durch den Zeitzonenwechsel nach seiner Reise aus den USA nach Europa, war bei Fortune bereits am Samstag aber nichts zu spüren. Nach nur ganz wenigen Trainingseinheiten mit einer für ihn noch völlig unbekannten Mannschaft zeigte er beim 73:68-Sieg des Tabellenführers in Hanau eine starke Leistung und steuerte selbst zwölf Punkte zum elften Sieg der Niners im elften Spiel bei.

An diesem grauen Donnerstagmorgen jedoch scheint der Jetlag mit voller Härte zuzuschlagen. Josh Fortune spricht kaum ein Wort, lässt sich von Vereinssprecher Matthias Pattloch mit einer gewissen Gleichgültigkeit erklären, was als Nächstes zu tun ist. Es geht hinauf in die dritte Etage des Chemnitzer Bürgeramtes. Denn der Basketballer aus den USA braucht einen Aufenthaltstitel und eine Arbeitserlaubnis. Beides muss offiziell und mit persönlicher Anwesenheit beantragt werden. Also ab ins Büro von Evelyn Biegelsky. Die Sachbearbeiterin fackelt nicht lange und kommt gleich zur Sache: "Am Samstag habe ich Herztropfen gebraucht", sagt sie. "Wir haben alle vor dem Liveticker mitgezittert. Gott sei Dank haben Sie ein gutes Spiel gemacht." Josh Fortune versteht kein Wort. Er ist müde. "Sie ist ein großer Fan", übersetzt Matthias Pattloch ins Englische. Fortune lächelt höflich. Dass er bereits am Samstag für die Niners auflaufen konnte, lag an einer vorläufigen Arbeitsgenehmigung, die in aller Schnelle beantragt worden war.

Von seiner neuen Heimat hat der Ami bislang nicht viel gesehen. "Den großen Kopf von Karl Marx, die Innenstadt - mehr nicht", sagt er. "Ansonsten viele Büroräume und Arztpraxen." Denn bis ein Spieler endgültig als Profi für die Niners auflaufen darf, muss einiges geklärt werden. "Neben dem Medizincheck ist das vor allem Bürokratie", sagt Matthias Pattloch, der den Gang zur Ausländerbehörde mit neuen Spielern nach eigener Schätzung schon 50-mal erledigt hat. "Ich habe das mal gezählt. Josh leistet etwa 40Unterschriften, bis alles geklärt ist." Eine dieser Unterschriften steht unter dem Vertrag mit den Niners. Bis zum 15. Mai läuft das Arbeitspapier, so lange gilt auch der Aufenthaltstitel für den Amerikaner, der bereits in Ungarn und Israel gespielt hat. Schon länger hatte ihn Niners-Trainer Rodrigo Pastore auf dem Zettel, jetzt hat es mit der Verpflichtung des vielseitigen Spielers geklappt.

"Es hat Spaß gemacht, mit der Truppe zu spielen, auch wenn es natürlich nicht ganz einfach war", sagt Fortune über seinen ersten Einsatz im Chemnitzer Trikot. "Wir wollen nun auch das Spiel in Ehingen erfolgreich bestreiten, danach freue ich mich schon sehr auf mein erstes Spiel in der Hartmannhalle. Meine Mitspieler haben mir schon sehr oft vorgeschwärmt, was dort für eine Wahnsinnsstimmung herrscht."

Eine, die seit 2010 eine Dauerkarte für die "Hartmann-Hölle" hat, ist Sachbearbeiterin Evelyn Biegelsky. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, wünscht sie dem Neuzugang noch alles Gute. "Wenn ein neuer Spieler der Niners in unsere Behörde kommt, wissen die Kollegen schon, dass er nur zu mir geschickt wird", sagt sie. "Manche Spieler haben mich sogar schon in der Halle erkannt, weil wir immer in der ersten Reihe sitzen."

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