Nach Aus beim CPSV - Wo gibt es noch Spitzenvolleyball?

In den bundesweit höchsten vier Ligen ist nach langer Zeit keine Mannschaft aus Chemnitz mehr vertreten. Im Nachwuchs gab es zuletzt gute Entwicklungen - aber auch Querelen.

Einst war der Verein das Aushängeschild des Chemnitzer Volleyballs - im Nachwuchs- wie im Erwachsenenbereich. Davon ist beim Chemnitzer Polizeisportverein nicht mehr viel übrig. Nach internen Streitigkeiten löste sich im Sommer die Damenmannschaft auf, die lange Jahre in der 2. Bundesliga antrat und zuletzt in der dritthöchsten Spielklasse um Punkte kämpfte. Das Spielrecht für die Regionalliga ging an Lichtenstein über; dorthin wechselten auch viele Chemnitzer Spielerinnen.

Die Hoffnung der Vereinsführung, mit Hilfe der Nachwuchsabteilung schnell wieder ein konkurrenzfähiges Team für eine der obersten vier Ligen aufzubauen, hat sich mittlerweile auch zerschlagen. Auf der Internetseite des CPSV gibt es nicht einmal mehr einen Eintrag zu Frauen- oder Mädchenvolleyball. Der Grund: Zahlreiche Sportlerinnen der U-18- und der U-16-Mannschaft sowie einige Trainer haben den Verein verlassen - zum Großteil in Richtung des SV Chemnitz Har-thau. Auf der Internetseite der Volleyballabteilung des CPSV spricht man deswegen sogar von "feind- licher Übernahme des weiblichen Nachwuchses". Ein Vorwurf, den der Harthauer Vereinspräsident Andreas Töpfer strikt zurückweist: "Wir befehden niemanden und befinden uns nur im sportlichen Wettstreit."

Der Volleyball-Sektionsleiter des CPSV, Martin-Andreas Schumann, richtet den Blick nun nach vorn. Man sei dabei, die Talentearbeit langsam wiederaufzubauen. Aktuell trainierten mehr als 20 Spielerinnen in zwei nach Alter getrennten Gruppen im Verein. Für sie werde noch nach Übungsleitern gesucht. Große Ziele setze man sich bewusst nicht. "Es geht nicht mehr um den Leistungssport. Wir wollen etwas für die Breite anbieten", erklärt Schumann. Sollte sich der Aufbau eines schlagkräftigen Frauenteams anbieten, werde man die Chance nutzen. "Wir haben ja als großer Verein viele Möglichkeiten."

Mädchen und Frauen, die Volleyball auf Leistungssportniveau betreiben wollen, müssen sich also eine andere Adresse suchen. Im Erwachsenenbereich am ambitioniertesten ist aktuell die Frauen-mannschaft der SG Adelsberg, die die Tabelle der Landesliga anführt. Dass der Verein die Rolle des CPSV einnimmt und vielleicht sogar eine der drei Top-Ligen anpeilt, kann sich Präsident Wolfgang Fischer allerdings nicht vorstellen. Viele Spielerinnen haben Familie, berichtet er. Das passe nur schwer mit langen Auswärtsfahrten zusammen. Auf bezahlte Spielerinnen zu setzen, sei keine Option: "Wir betreiben Freizeitsport und wollen nicht, dass Geld fließt und andere Vereinsabteilungen leiden", sagt Fischer.

Nach dem Zusammenbruch der CPSV-Sektion haben die Adelsberger keine neuen Spielerinnen von dort gewonnen, ergänzt Abteilungsleiterin Katharina Raith. "Der Großteil ist ja nach Lichtenstein gewechselt." Der Niedergang des Volleyballs beim CPSV sei bitter für die Sportart in Chemnitz. Denn: "Es ist so schon schwierig, Nachwuchs zu gewinnen. Wenn dann noch eine höherklassige Mannschaft als Leuchtturm fehlt, wird es umso schwerer."

Eine der größten Volleyballabteilungen hat der SSV Chemnitz. Rund 300 Sportler trainieren in dem Verein, viele davon im Nachwuchs. "Bei den Mädchen sind wir wohl am größten in Chemnitz", sagt Trainer Axel Rennau, der von anhaltend hohem Interesse an der Sportart in Chemnitz spricht. Spaß am Sport, ohne den Leistungsgedanken zu vergessen, so umreißt Rennau das Konzept. Mit seinen Sportlern und Sportlerinnen hat der Trainer oft auch Heimspiele des CPSV besucht. "Da konnte man ihnen zeigen: So weit nach oben kann es gehen." Das ist nun vorbei. Es fehle ein Zugpferd für den Volleyball in der Stadt. "Das ist sehr schade", sagt Rennau.

Im Nachwuchs könnte sich der SV Harthau als Anlaufpunkt für stark leistungsorientierte Volleyballerinnen und Volleyballer entwickeln - spätestens seit dem Übertritt zahlreicher Talente und einiger Trainer vom CPSV nach Harthau. Zuletzt hat die weibliche U-18-Mannschaft bei den sächsischen Titelkämpfen Bronze gewonnen. Wächst hier ein Spitzenteam? Präsident Andreas Töpfer sieht gutes Potenzial bei jenen Jugendlichen, die kontinuierlich und leistungsorientiert im Verein trainieren. Er betont aber auch: "Wir können heute noch nicht abschätzen, welches sport- liche Leistungsniveau sich daraus einmal formen lässt."

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