Nach Streit um Stadionsprecher: Hoffnung auf Ruhe beim CFC

Olaf Kadner durfte im Drittligaspiel gegen Jena wieder zum Mikrofon greifen - auf Wunsch der Gesellschafter und gegen den Willen des Insolvenzverwalters. Ein Nachspiel soll das wohl nicht haben, auch wenn es mehr als deutliche Worte gab.

Mit einer öffentlich geführten Debatte um den eigenen Stadionsprecher hat sich der Chemnitzer FC erneut selbst deutschlandweit in die Negativschlagzeilen befördert. Für weitere Unruhe soll das aber nicht sorgen, wie am Montag sowohl die Sprecherin der Gesellschafter, Romy Polster, als auch der neue Geschäftsführer Uwe Hildebrand betonten. "Wir haben von unserem Stadionsprecher ein klares Bekenntnis gegen rechtsradikales Gedankengut eingefordert", sagte Hildebrand. "Das hat er am Samstag im Stadion geliefert, damit ist das Thema durch. Er wird auch in Zukunft unser Stadionsprecher bleiben."

Die Person, um die es in den vergangenen Tagen erneut Trubel im krisengeschüttelten Verein gab, ist Olaf Kadner. Er hatte am 9. März dieses Jahres bei der öffentlichen Trauerminute für einen verstorbenen Neonazi im Stadion einen entsprechenden Text vorgelesen. In Aufarbeitung der Ereignisse wurden er sowie weitere Mitarbeiter des Vereins von ihren Aufgaben entbunden. Kadner hatte im Anschluss stets betont, dass ihm der Text als "mit den Behörden abgesprochen" vorgelegt worden sei. "Das Vertrauen des Stadionsprechers wurde missbraucht", sagte er damals.

Am vergangenen Freitag nun hob Uwe Hildebrand - zu diesem Zeitpunkt gerade erst eine reichliche Woche im Amt als neuer CFC-Geschäftsführer - die Entscheidung seines Vorgängers Thomas Sobotzik wieder auf und holte Kadner zurück. Damit entsprach Hildebrand auch dem Wunsch vieler CFC-Fans, die sich in den vergangenen Monaten immer wieder mit dem langjährigen Stadionsprecher solidarisiert hatten. Entsprechend freudig waren die Reaktionen der CFC-Anhänger - zumindest bis Freitagabend. Dann ließ Insolvenzverwalter Klaus Siemon via Pressemitteilung wissen, dass er sich bei der Rückholaktion Kadners von den Gesellschaftern übergangen fühle. Mehr noch. Siemon schrieb: "Das Zurück zum Kuschelkurs mit Rechtsradikalen wird dem CFC weder sportlich noch wirtschaftlich gut tun."

Für Olaf Kadner war das ein Schock. Zur Pressemitteilung des Kölner Rechtsanwalts sagte er vor dem Spiel am Samstag im Stadion: "Ich hatte mich eigentlich sehr auf das Spiel gefreut - bis aus 500 Kilometern Entfernung diese Nachricht kam. Ich möchte hier noch einmal ganz deutlich betonen, dass ich von rechtem Gedankengut so weit entfernt bin wie Handwerk Rabenstein von der Champions League." Sein Sprecherkollege Karsten Kolliski, der ebenfalls zurückgeholt wurde, ergänzte: "Wir distanzieren uns ganz deutlich von jeder Art Extremismus."

Für Romy Polster reichten diese öffentlichen Aussagen, um die Rückholaktion zu rechtfertigen. "Hinter dieser Entscheidung stehen wir als Gesellschafter geschlossen", sagte sie. "Dass Herr Siemon uns dafür öffentlich kritisiert hat, war sicher nicht gerade sehr glücklich. Aber er darf das und er ist ja bekannt für seine direkte Art." Polster glaubt nicht, dass es nun zu einem Machtkampf zwischen den Gesellschaftern und dem Insolvenzverwalter kommt. "Daran kann ja niemand ein Interesse haben", sagte sie. "Wir wollen jetzt Ruhe im Verein. Und das erreichen wir nur gemeinsam."


Kommentar: Wichtiger Gegenwind

Man stelle sich mal vor, der Insolvenzverwalter hätte sich am Freitag gegen die Gesellschafter durchgesetzt und die Rückkehr von Stadionsprecher Olaf Kadner untersagt - wenige Stunden, nachdem sie verkündet wurde und für Jubel bei den CFC-Fans gesorgt hatte. Im Stadion wäre das wichtige Spiel gegen Jena zur Nebensache geworden. So aber scheint es, als ob es nun auch mal Gegenwind aus der CFC GmbH für die Ideen des Rechtsanwalts gibt.

Das ist gut so. Denn die Arbeit der GmbH wird so für die Fans glaubwürdiger. Und man setzt Zeichen. Im konkreten Fall dafür, dass mit Kadner der Falsche öffentlichkeitswirksam betraft wurde. Die eigentlich Verantwortlichen für die Trauerminute haben es übrigens bis heute nicht geschafft, sich für den Eklat öffentlich zu entschuldigen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.9 Sterne bei 7 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 16
    3
    MuellerF
    24.09.2019

    Zitat: " Die eigentlich Verantwortlichen für die Trauerminute haben es übrigens bis heute nicht geschafft, sich für den Eklat öffentlich zu entschuldigen. "

    Skandalös & beschämend! Es wäre aber auch gut, mal ein (Zwischen-) Ergebnis der Ermittlungen in dieser Sache zu lesen. War der Trauer-Text, bzw. der Ablauf generell nun mit der Polizei abgesprochen oder nicht? Wer wusste wann was & hat warum wie entschieden? Gab es nun ein konkretes Bedrohungsszenario oder nur unbestimmte Ängste vor Ausschreitungen?
    Es ist doch nun genug Zeit ins Land gegangen.
    Solange diese Fragen nicht beantwortet & die Verantwortlichen belangt sind, wird der "Buhmann" weiter die Runde beim CFC machen.

  • 10
    2
    mathausmike
    24.09.2019

    Danke Herr Reibetanz für diesen Artikel und den Hintergrundinformationen.



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