Nach Turbulenzen im Verein: Chemcats bereiten Ligastart vor

Trotz des angekündigten Rückzugs des Hauptsponsors laufen bei den Basketballerinnen die Planungen für die Saison in der zweithöchsten Spielklasse. Dort sei der langjährige Bundesligist alles andere als Favorit, sagt der Trainer.

So viele Turbulenzen hat der Frauen-Basketballverein Chemcats wohl selten in so kurzer Zeit erlebt. Im Frühjahr gab der langjährige Bundesligist den freiwilligen Rückzug der ersten Mannschaft aus der bundesweit höchsten in die zweithöchste Spielklasse bekannt. Im Sommer stellte sich schließlich die Vereinsleitung neu auf: Nach etwa einem Jahrzehnt schied Präsident Andreas Wagner aus - nicht ganz freiwillig, wie er "Freie Presse" damals sagte. Das wiederum bewog den jahrelangen Hauptsponsor der Chemcats, das Unternehmen Chemieanlagenbau Chemnitz, sein Engagement für den Verein infrage zu stellen. Seine Firma habe mehr als eine halbe Million Euro in den Verein gesteckt, sagte Geschäftsführer Jörg Engelmann im Juli. Er sprach von einem Komplott gegen Wagner und kündigte einen Rückzug an. Scheitert damit der vorgesehene Neuaufbau der Mannschaft in der Zweiten Liga?

Nein, sagt Gastronom Marco Weidlich, der aus der regulären Vorstandswahl im Juli als neuer Präsident hervorgegangen ist. "Der Spielbetrieb steht nicht auf der Kippe. Wir treten in der Zweiten Liga an", stellt er klar. Zwar gehe man nach wie vor vom Rückzug des CAC aus. "Von den anderen Sponsoren begleiten uns aber 90 Prozent weiter", sagt Weidlich. Mit dem langjährigen Präsidenten Wagner habe man sich ausgesprochen. "Er unterstützt uns weiter", sagt der neue Vereinschef.

Wagner bestätigt das auf Anfrage. "Es gibt kein böses Blut. Man wollte einen Neustart ohne mich, und das ist in Ordnung", sagt der Ex-Vereinschef. Er werde auch ohne Funktion im Verein mit Rat zur Seite stehen: "Wenn ich kann, helfe ich."

Für Thomas Seltner ist das eine gute Nachricht. Der 36-Jährige ist seit 2006 im Verein tätig, hat zuletzt das Team betreut, das in der Weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (WNBL) antritt, und wurde nun zum Chefcoach der ersten Mannschaft befördert. Seit Anfang August bereitet er sich mit rund einem Dutzend Spielerinnen auf die neue Saison vor. Die meisten von ihnen seien Schülerinnen. Allein sieben Korbjägerinnen sind noch so jung, das sie noch das Spielrecht für die WNBL besitzen. In der höchsten Nachwuchsspielklasse sollen sie zukünftig auch parallel antreten, also zwei Partien pro Wochenende bestreiten.

Angeführt werde die Mannschaft von Lucile Peroche. Die 21-Jährige ist aktuell die einzige Profi-Spielerin bei den Chemcats und läuft dank einer Doppellizenz zusätzlich für Halle in der Bundesliga auf. "Wir wollen mit Halle intensiver zusammenarbeiten, vor allem im Jugendbereich", kündigt Seltner an. Er hofft zudem auf zwei Neuverpflichtungen auf den großen Positionen - womöglich Korbjägerinnen aus dem Ausland. "Das sollen aber Spielerinnen sein, die Vorbilder sind und uns wirklich helfen." Zudem sei man auf der Suche nach einem Co-Trainer, der ihn unterstütze.

In der Zweiten Liga treten die Chemcats in der Nordstaffel an und müssen bis Osnabrück und ins Rheinland reisen. Die Staffel schätzt Seltner als stark ein. Es gebe Mannschaften mit vielen deutschen Spielerinnen, die aber erfahrener als seine Damen seien, sagt der Coach. "Und dann gibt es Vereine, die sich mit ausländischen Spielerinnen vollpumpen." Den sofortigen Wiederaufstieg gibt er deswegen nicht als Saisonziel aus. "Es wird darum gehen, dass unsere jungen Spielerinnen erstmal Fuß fassen. Das wird eine große Herausforderung für sie."

Der Ligastart erfolgt Anfang Oktober mit einer Partie gegen Alba Berlin. Ende September steht zudem ein Pokalspiel in Osnabrück auf dem Programm.

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