Neuheit: CPSV lässt Kunstrasen ohne Plastikgranulat verlegen

Weil herkömmliche Kunstrasenplätze wegen hohen Mikroplastikaufkommens in der Diskussion stehen, hat sich der Verein für eine andere Technik entschieden - mit Folgen für Bauablauf und Kosten.

Rund 100 Sportler sind beim Chemnitzer Polizeisportverein in der Sektion Fußball aktiv, mehr als die Hälfte von ihnen Kinder. In den überwiegend trockenen Monaten können sie auf dem großen Naturrasenplatz im Gelände an der Forststraße trainieren. Ist der aufgrund von zu viel Regen oder Schnee nicht bespielbar, weichen sie bislang auf ein Schotter-Kleinfeld nebenan aus. "Der Platz ist uns im Herbst aber ständig abgesoffen, weil die Entwässerung nicht mehr funktioniert", sagte Vereinspräsident Volker Lange am Montag. Deswegen habe der Verein schon länger den Bau eines Kunstrasenfeldes ins Auge gefasst.

Die ersten Anträge für das Vorhaben seien bereits vor zwei Jahren gestellt worden, berichtete Lange. Dann habe man die Kosten neu kalkulieren müssen und das Planungsbüro gewechselt. "Und schließlich kam die Diskussion um Kunstrasen auf", so der Vereinsvorsitzende. Was er meint, ist eine Debatte, die von einer Studie des Fraunhofer-Instituts ausgelöst wurde. Den Forschern zufolge sind Fußballplätze - insbesondere Kunstrasenfelder - die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland. Problematisch sind dabei nicht die Halme, sondern das Kunststoffgranulat, mit dem die Plätze verfüllt werden und das leicht weggeweht wird. Jährlich gelangten so etwa 11.000 Tonnen der kleinen Teilchen in die Umwelt, siebenmal so viel wie durch die Kosmetikindustrie - mit Folgen für Mensch und Tier (siehe Info-Kasten).

Auch wenn die Studie in der Kritik steht und das Fraunhofer-Institut neue Zahlen angekündigt hat, ist durch die Veröffentlichung eine Diskussion bis hinauf in höchste Kreise der Europäischen Union entstanden. Die EU-Kommission prüft derzeit einen Vorschlag, wonach die Verwendung von Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen bereits ab 2021 verboten werden soll - Ausgang offen.

"Wir haben uns entschieden, die Diskussion aufzunehmen, und haben Planer und Hersteller dazugeholt", berichtet Volker Lange. Das Ergebnis ist ein Kunstrasenplatz, der nach Angaben von Pierre Köhler von der Herstellerfirma Polytan komplett ohne Granulatverfüllung auskommt. Das sei möglich, weil zwei unterschiedliche Fasertypen verwendet werden, die zudem viel dichter als bei herkömmlichem Kunstrasen angeordnet werden. Sand, der bei vielen Kunstrasenplätzen alternativ zur Verfüllung genutzt wird, werde nur zur Stabilisierung des Untergrundes verwendet. "Das machen wir in dieser Form das erste Mal in Sachsen", so Köhler.

Rund 500.000 Euro - und damit laut Lange mehr als ursprünglich kalkuliert - kostet das Vorhaben. Ein Großteil davon tragen die Stadt und die Sächsische Aufbaubank, der Verein steuert einen Eigenanteil von etwa 30.000 Euro bei. Der erste Spatenstich erfolgte am Montag; im November soll der Kleinfeldplatz (50 mal 30 Meter), der auch eine neue Flutlichtanlage und ein neues Ballfangnetz erhält, fertig sein.

Für Vereinspräsident Lange ist das Projekt indes nur der erste Schritt auf dem Weg zur Modernisierung des Vereinsgeländes. Denn geplant ist, auch die Leichtathletikanlagen - bestehend aus Hoch- und Weitsprung- sowie Kugelstoßflächen sowie Laufbahn - und den Naturrasenplatz zu erneuern. Die Kosten dafür belaufen sich laut Lange auf rund 1,9 Millionen Euro. Im kommenden Jahr wolle man die Planungen dafür abschließen und Fördermittel beantragen. "Vor 2021 wird es nicht losgehen", so Lange.


Kleine Kunststoffteilchen

Als Mikroplastik werden Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von unter fünf Millimetern bezeichnet. Die Teilchen verrotten auch nach Jahrhunderten nie vollständig. Sie gelangen stattdessen in die Umwelt und werden durch Tiere - beispielsweise Fische - versehentlich gefressen. Ganz kleine Teilchen nimmt auch der Mensch über die Atmung auf. Pro Jahr gelangen laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt - vier Kilogramm pro Kopf.

Die Teilchen entstehen häufig durch Abrieb, beispielsweise von Fahrbahnen, Autoreifen oder Schuhsohlen. Sie sind aber auch in einigen Kosmetikprodukten enthalten und werden als Füllstoff auf Kunstrasenplätzen verwendet. (lumm)

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