Neustart bei den Chemcats ohne den langjährigen Macher

Nach dem Rückzug aus der 1. Bundesliga will der Frauenbasketballverein auf den eigenen Nachwuchs setzen. Ein geeigneter Trainer wurde gefunden. Im Umfeld allerdings gibt es für den neuen Vorstand große Probleme zu lösen.

Der Chemnitzer Frauenbasketballverein Chemcats steht vor schwierigen Zeiten. Denn der Neuanfang, der mit dem Rückzug der ersten Mannschaft aus der 1. Bundesliga eingeleitet werden sollte, wird durch interne Streitigkeiten überschattet. Hauptgrund dafür ist die Wahl eines neuen Vorstandes, zu dem der langjährige Präsident Andreas Wagner nicht mehr gehört. Wagner galt zehn Jahre lang als Macher der vielen Erfolge des Clubs, der seit 2013 ununterbrochen in der 1. Basketball-Bundesliga spielte.

Über die Gründe seines Rückzuges gibt es unterschiedliche Auffassungen. Gastronom Marco Weidlich, neuer Vorstandschef des Vereins, spricht in einer offiziellen Erklärung davon, dass sich Andreas Wagner nicht mehr zur jüngsten Wahl gestellt hatte, was man im Verein bedauert habe. "Wir hätten gern mit ihm zusammengearbeitet, doch er wollte das nicht", sagte Weidlich der "Freien Presse". "Mit unserer Kandidatur für den Vorstand wollten wir einen kompletten Neuanfang für den Verein - gern auch mit der Unterstützung des alten Präsidenten. Warum das nicht klappt, wissen wir nicht. Wir erreichen Herrn Wagner aktuell leider nicht."

"Freie Presse" jedoch konnte mit dem langjährigen Sportfunktionär sprechen. Wagners Version klingt ein klein wenig anders: "Ich hatte meine Bereitschaft erklärt, ein weiteres Jahr den Präsidenten zu machen, um die neuen Vorstandsmitglieder einzuarbeiten", sagte er. "Als sich dann aber zur Mitgliederversammlung plötzlich und ohne vorherige Ankündigung drei Kandidaten zur Wahl stellten, musste ich ja nicht mehr antreten. Eine Kampfkandidatur wollte ich vermeiden." Für die drei Sitze im Vorstand kandidierten laut Wagner neben Marco Weidlich auch Olfa Kanoun und eine weitere Person. In der offiziellen Mitteilung der Chemcats, die jetzt an Mitglieder und Sponsoren verschickt wurde, ist allerdings nur von Weidlich und Kanoun als neuen Vorstandsmitgliedern die Rede.

Andreas Wagner unterdessen betonte im Gespräch mit "Freie Presse", dass er auch nach der Wahl weiter mithelfen wollte, den Neuanfang zu bewältigen. "Allerdings ist niemand auf mich zugekommen, auch wurde hinter meinem Rücken schlecht über mich geredet. Das ist keine Art und Weise. Also habe ich mich komplett zurückgezogen."

Was den ehemaligen Präsidenten zudem störte, war die Informationspolitik des neuen Vorstandes. "Es gehört sich doch, dass man die Sponsoren sofort über einen Wechsel in der Leitungsebene informiert. Das ist aber nicht geschehen", sagte Wagner und nannte dabei in erster Linie den langjährigen Hauptsponsor Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC). Dessen Geschäftsführer Jörg Engelmann zeigte sich verärgert über die Vorgehensweise des Vereins und kündigte an, sein Engagement zu beenden. "Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als eine halbe Million und sehr viel Herzblut in den Verein gesteckt", sagte Engelmann. "Was jetzt passiert, sehe ich als Komplott gegen Andreas Wagner. Da kommen einige neue Leute und denken, sie wüssten alles besser. Da machen wir nicht mehr mit."

Marco Weidlich reagierte überrascht auf diese Aussagen. Vom Rückzug des Hauptsponsors habe er nichts gewusst, sagte er. "Wir suchen derzeit den Kontakt zu allen Sponsoren, wollen uns vorstellen. Bei CAC haben wir leider noch keinen Termin bekommen", sagte der neue Präsident. Generell habe der Vorstand derzeit sehr viel Arbeit zu leisten, um die kommende Saison abzusichern. "Das ist ein Kraftakt", sagte Weidlich, der aber immerhin zwei Personalien verkünden konnte.

Zum einen wurde mit Thomas Seltner ein neuer Trainer für die Frauenmannschaft gefunden. Er war in den vergangenen Jahren als Nachwuchstrainer tätig, erst im Frühjahr führte er sein Team zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Nachwuchsbundesliga. Zum anderen wurde mit Aline Hirsch eine hauptamtliche Nachwuchstrainerin verpflichtet. Die ehemalige Nachwuchs-Nationalspielerin durchlief fast alle Nachwuchsteams in Chemnitz und kehrt nun zu ihrem Heimatverein zurück.

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