Niners-Coach Rodrigo Pastore: Enttäuscht und dennoch stolz

Die Zweitligabasketballer aus Chemnitz haben gegen Rostock das zweite Spiel in dieser Saison verloren. Der Zeitpunkt dafür hätte nicht ungünstiger sein können.

Es war angerichtet. Die Messehalle war erstmals schon Tage vor dem großen Weihnachtsspiel der Niners ausverkauft. Mehr als 5300 Basketballfans fieberten einem großen Spektakel entgegen, als der souveräne Tabellenführer der 2. Bundesliga am Samstagabend die Seawolves aus Rostock empfing. Es gab einen bestens gelaunten Kapitän Malte Ziegenhagen, der mit breitem Grinsen und Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf in die Arena lief, es gab goldene Luftschlangen und buntes Konfetti aus dem Fanblock, es gab Anfeuerungsrufe von allen Rängen. Und es gab ein erstes Viertel, in dem die Chemnitzer ihren Gegner förmlich an die Wand spielten. Alles war angerichtet für den 14. Saisonsieg im 15. Spiel. Doch es kam anders.

Denn nach dem 25:13, das die Niners in den ersten zehn Spielminuten herausgeworfen hatten, klappte bei den Gastgebern gar nichts mehr. Ob die Rostocker ihre Nervosität aufgrund der mächtigen Kulisse abgelegt hatten, oder ob die Niners nach dem starken Start zu überschwänglich waren - nach dem Grund suchten hinterher alle. Doch so richtig fand keiner aus dem Lager der Chemnitzer nach der deutlichen 68:88-Niederlage gegen den Tabellensechsten erklärende Worte. Kapitän und Publikumsliebling Malte Ziegenhagen schnappte sich nach der Schlusssirene kurz das Mikrofon - allerdings nur, um sich zu entschuldigen und ein frohes Fest zu wünschen. Danach leerte sich die Arena schneller als Weihnachtsmann "Ho Ho Ho" sagen kann.

Dass es nach der Niederlage im letztjährigen X-Mas-Game gegen Karlsruhe auch in diesem Jahr gegen Rostock wieder nicht zu einem Sieg in der Messe gereicht hat, können die Niners sportlich verkraften. Bis zum nächsten Spiel am 5. Januar in Heidelberg bleiben sie Tabellenführer, das Team liegt klar auf Playoff-Kurs. Doch was macht die Niederlage in einem Spiel, auf das alle hingefiebert haben, mit den Köpfen der Spieler? "Nichts Gutes", sagt Niners-Trainer Rodrigo Pastore, der direkt nach dem Spiel auch nicht so recht wusste, wohin mit seinen Gefühlen. "Es tut mir leid für die Fans", sagte der Argentinier. "Und auch für die Spieler, denn wir alle müssen jetzt erst einmal versuchen, die Niederlage zu verarbeiten."

Mit Blick auf die komplette Hinrunde hatte der Coach auch eine Erklärung parat, warum es zur zweiten Saisonniederlage kam. "Es ist einfach zu schwer, mehrere Leistungsträger in einer bestens funktionierenden Mannschaft zu ersetzen", sagte Pastore. "Als Lukas Wank verletzt ausgefallen ist, haben wir das noch relativ geräuschlos hinbekommen. Als dann aber auch noch Matt Vest und Ivan Elliott hinzukamen, hat die Balance im Team gefehlt." Schon seit einigen Wochen sei das im Spiel seiner Mannschaft zu spüren gewesen, sagt Pastore. "Die Jungs sind in den ersten Spielen mit einem sehr großen Selbstbewusstsein aufgetreten - das ist in den letzten Spielen verloren gegangen. Wir müssen jetzt daran arbeiten, wieder diese mentale Stärke in die Köpfe der Spieler zu bekommen."

Dabei sei es auch nicht sofort hilfreich, wenn die verletzten Spieler zurückkehren, so wie zuletzt Wank und zum X-Mas-Game auch Elliott. "Sie müssen erst wieder eingebaut werden und zu ihrer alten Form zurückfinden", sagte Pastore. "Das geht nicht so schnell, wie wir es gern hätten." Trotz der großen Enttäuschung über die Pleite im X-Mas-Game konnte der Niners-Trainer aber noch ein positives Zwischenfazit ziehen. "Wir haben eine unglaublich gute Hinrunde gespielt. Uns hatte vor der Saison keiner auf dem Zettel, jetzt sind wir Erster."

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2Kommentare
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  • 0
    2
    Lesemuffel
    05.01.2019

    In Heidelberg auch verloren. Die 99er sacken ab.

  • 1
    3
    Lesemuffel
    24.12.2018

    Leider war es kein Weihnachtsgeschenk zum sogenannten Christmas Game, sondern ein enttäuschende Fehlwurffestival. Ob auf diese Art und Weise der Tabellenplatz behauptet werden kann, darf bezweifelt werden. Auch von einem Aufstieg sollte man Abstand nehmen. Finalrunde ja, aber mehr nicht. Dafür ist der Kader zu instabil.

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