Niners-Kapitän Ziegenhagen: "Das Team ist stärker als vorige Saison"

Malte Ziegenhagen, Kapitän der Zweitligabasketballer Niners Chemnitz, spricht im Interview über seine Wahlheimat, Ziele und den Umzug in die Messe.

Chemnitz.

Er ist der Kapitän und die Identifikationsfigur der Niners Chemnitz: Malte Ziegenhagen. Nach dem knapp verpassten Aufstieg in die Basketball-Bundesliga bereitet sich der Zweitligist für einen neuen Anlauf vor. Sebastian Siebertz sprach mit dem 28-Jährigen über Angebote anderer Clubs, seine Nebenjobs, die Neuzugänge der Niners und Kritik von der eigenen Freundin.

Freie Presse: Vor knapp vier Monaten hat nur ein Sieg zum Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) gefehlt: Haben Sie die Enttäuschung, dass es nicht gereicht hat, verdaut?

Malte Ziegenhagen: Es ist schon hart gewesen, weil ich das zum zweiten Mal durchgemacht habe. Vor zweieinhalb Jahren war die Enttäuschung noch nicht ganz so groß, weil wir unerwartet kurz vor dem Aufstieg standen. Ich gebe das ungern zu, aber diesmal hatte ich in der Sommerpause lang daran zu knabbern. Wir waren so enthusiastisch, die Erwartungen der Fans und von uns selbst waren hoch. Es wäre auch einfach ein cooler Moment gewesen, gemeinsam diesen Erfolg zu feiern. Ich konnte es in der Sommerpause abhaken. Jetzt liegt der Fokus auf der neuen Saison.

Haben Sie einen Wechsel in die Bundesliga in Betracht gezogen?

Es gab Gespräche. Das will ich gar nicht verheimlichen. Ich habe aber dieses Gefühl, dass hier etwas begonnen wurde, das noch nicht fertig ist. Seitdem ich hier bin, hat sich so viel im Verein getan. Weil die Niners immer professioneller werden, bin ich ums0 motivierter, diesen Schritt hier zu gehen. Ich will nicht durch die Hintertür in die BBL. Es ist ein Traum, mit dem Verein in die erste Liga aufzusteigen. Ich identifiziere mich mit der Stadt und will etwas aufbauen. Der aktuelle Bundestrainer Henrik Rödl hat als Aktiver 15 Jahre bei Alba gespielt, ist eine absolute Vereinslegende. Das finde ich cool.

Auch ein Grund, warum Sie bei den Niners geblieben sind?

Wenn ich es nur auf Geld absehen würde, wäre ich schon längst weg.

Sie sind in Berlin geboren und aufgewachsen, haben in den USA studiert und in Bayreuth ein Jahr BBL gespielt. Inzwischen nennen Sie Chemnitz Ihre Heimat, wohnen auf dem Sonnenberg. Was macht die Stadt für Sie lebenswert?

Chemnitz ist eine Stadt der Möglichkeiten. Hier kannst du - anders als in anderen Großstädten - noch etwas bewegen, ohne superreich oder extrem bekannt zu sein. Als Berliner fehlt mir nur ein wenig die Diversität und der Großstadtflair. Chemnitz steckt so ein wenig im Dornröschenschlaf, im Schatten von Leipzig und Dresden. Aber es gibt hier wunderschöne Altbauten, tolle Ecken. Das hat Charme und können nicht viele Städte vorweisen. Auch die sportliche Euphorie, die sich um die Niners aufgebaut hat, geht mir ans Herz. Als ich hier angefangen habe, liefen wir vor 1000 Zuschauern auf. Seitdem ist die Fangemeinde stetig angewachsen - und die Leute sind auch in der Saison gekommen, in der es nicht so gut lief. Unsere Fankultur ist der Wahnsinn.

Sie haben sicher auch viele Bekannte, die wenig mit Chemnitz zu tun haben. Im vergangenen Jahr stand die Stadt aufgrund der Ereignisse nach dem abgebrochenen Stadtfest deutschlandweit in den Schlagzeilen. Wie schwer war es seitdem, als Kapitän der Niners die Stadt zu repräsentieren?

Das vergangene Jahr war echt hart. Wenn du sagst, dass du aus Chemnitz kommst, wirst du gleich verurteilt. Viele haben ein Bild im Kopf, kommen aber nicht in die Stadt, um sich die Lage selbst anzuschauen. Das finde ich problematisch, weil dieses Image viele dazu bewegt, gar nicht erst nach Chemnitz zu kommen oder die Stadt zu verlassen, wenn man hier nicht verwurzelt ist. Aber das ist genau falsch: Wir müssen bleiben und die Probleme angehen. Für uns als Team war die Situation auch alles andere als einfach. Die Jungs kamen aus allen Teilen der Welt und haben mitbekommen, was los war. Ein Mitspieler hat zu mir gesagt: 'Ich traue mich nicht mehr, auf die Straße zu gehen.' Mit diesem Thema mussten wir im Team erst einmal fertigwerden. Klar: Die Jungs verdienen Geld, um hier Basketball zu spielen. Auf der anderen Seite repräsentieren sie mit dem Verein die Stadt und müssen sich auch wohlfühlen, damit sie ihre Leistung bringen können.

Sie engagieren sich für verschiedene soziale Projekte, haben unter anderem ein Sommercamp für Kinder ins Leben gerufen. Sie haben in Mittweida studiert, vergangenes Jahr Ihren Masterabschluss gemacht und im Anschluss gleich angefangen, bei einem Softwareentwickler zu arbeiten. Und das alles neben Ihrem Job als Profisportler.

Ich stoße langsam an meine Grenzen. Irgendwann ist die Zeit am Tag aufgebraucht. Ich bin in viele Sachen hereingerutscht. Bei Staffbase habe ich als Werksstudent angefangen und jetzt arbeite ich da in Teilzeit. Das Sommercamp mache ich, weil ich als Profisportler nahbar, ein Vorbild sein will und etwas bewegen möchte. Bisher hat alles super geklappt. Ich habe viel gelernt. Ich bin nicht der Typ, der zwischen den beiden Trainingseinheiten am Tag zu Hause rumsitzt. Ich habe nicht einmal einen Fernseher und mittags schlafen kann ich sowieso nicht.

Ihre Freundin Mary Ann Mihalyi ist auch Basketballerin. Gibt es auch Tage, an denen Ihr nicht über Euren Sport sprecht?

Nach den Spielen reden wir intensiv über meine Leistung. Ich kriege da oft genug Kritik zu hören. Manchmal rasten wir richtig aus. Danach kommen aber andere Themen auf den Tisch. Unser Leben dreht sich ohnehin schon genug um den Sport. Wenn du Zeit zu zweit hast, willst du nicht nur über Basketball reden. Auch jetzt im Urlaub haben wir selten über Basketball gesprochen. Ich habe auch gar nicht regelmäßig auf mein Handy geguckt und ziemlich spät erst mitbekommen, wenn wir neue Spieler verpflichtet haben.

Wie schätzen Sie die Neuen ein?

Wir haben ganz schöne Kaliber geholt. Leute mit Bundesligaerfahrung. Leute, die bereits aufgestiegen sind. Erfahrene Spieler, die mit der Erwartung hierhinkommen, in die erste Liga zurückzukehren. Nach den bisherigen Eindrücken ist das Team noch stärker als vorige Saison.

Ist der Aufstieg das logische Ziel?

Als Team werden wir erst einmal das Erreichen der Playoffs als Ziel ausgeben. Ich denke, das ist auch richtig, um den Druck nicht zu groß werden zu lassen. Auf der anderen Seite bleibt mein persönliches Ziel, mit den Niners erste Liga zu spielen -und das möglichst bald.

Sie haben in den vergangenen Jahren einige Male in der Messe gespielt. Nun steht der komplette Umzug von der Hartmannhalle in die Messe an. Wird sich der Umzug auf das Sportliche auswirken?

Das ist ganz schwer zu beurteilen. Wir trainieren seit zwei Wochen dort, können uns daran gewöhnen. In der Messe ist ein Spiel ein echtes Event, es geht halt nicht mehr in die Schulhalle. Vom Kopf her ist das ein anderes Gefühl für uns Spieler. Ich kann aber nur Gutes über die Hartmannhalle sagen. Wir haben so viele geile Spiele dort absolviert. Ich weiß, dass die Verantwortlichen in der Messe im Vergleich zu den bisherigen Partien einiges ändern wollen. Ich bin mal gespannt, wie es wird. Es wäre toll, wenn sie so eine Kesselstimmung wie in der Hartmannhalle ermöglichen können.

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