Niners nach klarem Erfolg selbstkritisch

Der Basketball-Zweitligist hat das erste Spitzenduell der Saison gegen die Tigers Tübingen deutlich gewonnen. Dennoch sprachen die Spieler von Reserven, die nicht nur die Mannschaft betreffen.

Nach der Partie und der anschließenden Runde entlang der Zuschauerränge waren die Chemnitzer Basketballer am Boden. Andernfalls hätten sie wohl auch Ärger mit dem Trainerteam und der medizinischen Abteilung bekommen - eine ordentliche Nachbereitung mit Dehnübungen und Massagen muss sein. So lag Robin Lodders in der Messehalle auf einer dünnen Matte und ließ sich durchkneten. Mit seinen Mannschaftsgefährten der Niners hatte er gerade das erste Spitzenspiel der Zweitligasaison gegen die Tigers Tübingen aus Baden-Württemberg gewonnen. Und das souveräner als erwartet: Die Chemnitzer Korbjäger setzten sich vor knapp 3000 Zuschauern mit 85:72 durch. Der Sieg geriet nie in Gefahr, wodurch der Blutdruck der Fans am Freitagabend geschont werden konnte.

Von Vereinsseite war das Duell mit den Tübingern als Reifeprüfung bezeichnet worden. Danach wisse das Team, wo es in dieser Zweiten Liga steht. So ganz klar war das den Niners-Profis allerdings noch nicht. Große Töne wurden schon gar nicht gespuckt. "Ich denke, wir können zufrieden sein, wenn wir uns unter den ersten vier Mannschaften halten. Die Liga wird immer ausgeglichener, auch die Teams aus dem unteren Tabellendrittel darf man nicht unterschätzen", sagte Robin Lodders, während der Physiotherapeut immer fester zupackte. Als Beispiel für seine These nannte der 2,05-Meter-Mann das Spiel gegen Aufsteiger Schwenningen, "das wir zum Schluss gerade noch herumreißen konnten", so Lodders.

Auch Jonas Richter scheint dem Basketball-Frieden noch nicht ganz zu trauen. "Wir haben gegen Tübingen einen guten Job gemacht", sagte das Chemnitzer Eigengewächs zunächst. Doch dann redete Richter auch über Dinge, die seiner Ansicht nach noch nicht so recht passen. Er sprach von "Kommunikationsfehlern in der Blockverteidigung" und zu vielen Offensivrebounds, die man dem Gegner gestattet habe. Nach der bisher einzigen Niederlage in Trier sei jedem Spieler klar gewesen, dass die Mannschaft ein Zeichen setzen muss. Wie hat man die Kurve gekriegt? "Wir spielen jetzt physischer, mit mehr Intensität", erklärte Richter, der mit der Zwischenbilanz zufrieden ist. Denn: "Fünf Siege aus sechs Spielen sind eine richtig gute Sache."

Einen besonderen Abend in der Messe hatte der Kapitän hinter sich. Malte Ziegenhagen übertraf in seiner 111. Partie für Chemnitz die 1500-Punkte-Marke. Dies bedeute ihm viel, betonte der gebürtige Berliner. "Denn es zeigt die Kontinuität, die ich hier aufgebaut habe", bemerkte Ziegenhagen. Die Mannschaft sieht er als Tabellendritten gut platziert. Den Erfolg am Freitagabend wollte der Kapitän freilich nicht zu hoch hängen. "Tübingen war nicht so stark wie erwartet", meinte Ziegenhagen.

"Viel Luft nach oben" sieht der 28-Jährige hinsichtlich der Stimmung auf den Rängen in der Messe als neuer Spielstätte. "Die Hartmannhalle ist einfach unschlagbar", stellte Ziegenhagen fest. Es liege an den Fans, in der Messe für ein ähnliches Fluidum wie zuvor in der "Hartmannhölle" zu sorgen. "Sie müssen richtig Gas geben. Die Zuschauer haben noch Reserven - wie wir als Mannschaft auch", erklärte der Niners-Kapitän.

Letzteres sieht Cheftrainer Rodrigo Pastore ganz ähnlich. "Ich bin mit dem Auftritt meines Teams in den ersten 25 Minuten sehr zufrieden. Später schlichen sich einige Unkonzentriertheiten ein", analysierte der Argentinier. In den wichtigen Phasen seien seine Schützlinge wieder zur Stelle gewesen. "Der Sieg gegen einen starken Kontrahenten ist wichtig, aber ebenso die Erkenntnis, dass wir uns noch weiter verbessern können und müssen", fügte Pastore hinzu.

Tickets Ihr nächstes Punktspiel bestreiten die Niners am kommenden Samstag bei den Kirchheim Knights. Vor eigenem Publikum ist die Mannschaft am 31. Oktober wieder gefragt. Dann geht es ab 19.30 Uhr in der Messe gegen die Academics Heidelberg. Karten für die Heimpartien der Chemnitzer Korbjäger gibt es in den Shops der "Freien Presse".

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