Niners-Neuzugang Elliot: Aus dem Oberhaus in Liga zwei

Der US-Amerikaner hat sich nach Jahren in der Basketball-Bundesliga dem Chemnitzer Zweit- ligisten angeschlossen. Während er sich im Verein sehr wohlfühlt, haben die Ereignisse in der Stadt seine Stimmung getrübt.

Der US-Amerikaner Ivan Elliot gilt mit seinen langjährigen Erstliga-Erfahrungen als Königstransfer der Chemnitzer Niners. Elliot hat kein Problem damit, eine tragende Rolle im Team zu übernehmen, schränkt allerdings ein:"Ich bin nicht der laute Anpeitscher."

Für Sie berichtet: Benjamin Lummer

An dieses Spiel kann er sich noch genau erinnern. Es war der 23. April 2011, der letzte Spieltag der Zweiten Basketball-Bundesliga. Evan Elliot und seine Würzburger Mannschaft empfingen die Niners Chemnitz. Der Sieger der Partie würde in die Bundesliga aufsteigen. Der Favorit aus Bayern wurde seiner Rolle gerecht - auch dank Elliot. Der US-Amerikaner steuerte neun Punkte und vier Rebounds zum Sieg seiner Mannschaft bei, die damit den Gang in die höchste Spielklasse perfekt machte - zum Leidwesen der Sachsen. "In der Halle herrschte Meisterschaftsstimmung. Das war eines der schönsten Spiele meiner Karriere." Er erinnere sich auch noch gut an die Chemnitzer Fans, die ihr Team trotz Niederlage gefeiert und den Gegner fair behandelt hätten.

Gut sieben Jahre später trainiert Elliot in der Chemnitzer Hartmannhalle. Der 31-Jährige gilt als der Königstransfer der Niners in diesem Sommer. Geschäftsführer Steffen Herhold bemüht sich zwar den Druck auf den Neuzugang nicht allzu groß werden zu lassen. "Er ist nicht der Messias", sagt Herhold. Dennoch gilt: So viel Erstliga-Erfahrung wie Elliot hat kein anderer Spieler im Team der Chemnitzer.

In San Francisco aufgewachsen, wechselte der 2,03 Meter große Basketballer 2008 nach Europa. Nach einer Station in Lettland schloss er sich dem Mitteldeutschen BC an. Später war er für zwei Jahre in Italien aktiv, es zog ihn aber wieder zurück nach Deutschland in die Bundesliga. "In Deutschland ist alles etwas strenger. Aber das macht Deutschland eben aus. Das sieht man auch im Basketball: Vereine sind sehr professionell aufgestellt." Mittlerweile zählt seine persönliche Statistik 324 Profi-Einsätze in Europa, die meisten davon in der höchsten deutschen Spielklasse. Zuletzt war er dort für Bremerhaven aktiv und erlebte eine Saison, die er - trotz Klassenerhalt - als eine seiner bislang schlechtesten bezeichnet. "Wir Spieler haben uns gut verstanden, aber irgendwie die Leistung nicht aufs Spielfeld gebracht."

Nun sucht Elliot eine Liga tiefer sein Glück. Ein Rückschritt sei das nicht, da er in Chemnitz ein hohes sportliches Niveau vorgefunden habe, sagt Elliot. Sein Trainer Rodrigo Pastore schreibt ihm "eine tragende Rolle" in der Mannschaft zu. Die nimmt der 31-Jährige an - mit Abstrichen. "Ich helfe und erkläre meinen Mitspielern gerne etwas. Aber ich bin nicht der laute Anpeitscher."

Nach Sachsen ist der US-Amerikaner nicht alleine gereist. Elliot ist seit Februar mit einer Deutsch- Amerikanerin verheiratet, die aus Baden-Württemberg stammt. Das Paar hat zwei kleine Töchter und einen Hund. "Meine Familie kommt immer mit, wenn ich den Verein wechsle. Aber so lernt sie viel von der Welt kennen." Die Kinder wachsen zweisprachig auf - eine Fähigkeit, die auch Elliot gerne hätte. Er versteht deutsch - allerdings vorrangig die schwäbische Variante, wie er lachend anmerkt. "Mit Sächsisch habe ich so meine Probleme."

Den Start bei seinem neuen Verein sieht er gelungen. Die Niners haben alle vier Vorbereitungsspiele gewonnen. "Wir sind auf einem guten Weg, wissen aber noch nicht so genau, wo wir stehen." Auch menschlich habe er sich gut ein- gelebt. Die guten Erfahrungen mit seiner neuen vorübergehenden Heimat wurden allerdings durch die Ereignisse der vergangenen Tage in den Schatten gestellt. Das Tötungsdelikt am Rande des Stadtfestes und die anschließenden Demonstrationen mit teilweise ausländerfeind- lichem Hintergrund haben bei Elliot und seinen Mitspielern für Verunsicherung gesorgt. Man habe das Thema teamintern diskutiert. "Ich persönlich bin einfach traurig, dass ein Mensch gestorben ist. Das geriet leider in den Hintergrund."

Er habe für mehrere Vereine in den alten und neuen Bundesländern gespielt, berichtet der US-Amerikaner. Vorkommnisse wie zuletzt in Chemnitz habe er dabei noch nicht erlebt. "Das war schon schockierend. Ich habe mir Sorgen um meine Familie gemacht." Rassismus gebe es auch in den USA, betont Elliot zugleich. Seine Kinder wachsen mit zwei Nationalitäten auf. Er könne deswegen noch weniger verstehen, wenn Menschen etwas gegen Ausländer haben, sagt der Basketballer.

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