Niners-Neuzugang Harris: Mit bestem Kumpel auf dem Feld

Der US-Amerikaner ist vom Ligakonkurrenten Rostock nach Chemnitz gewechselt. Ein Grund dafür ist ein anderer Neuzugang der Sachsen.

Probleme, in seiner neuen Heimat in Gang zu kommen, hat Terrel Harris eher neben als auf dem Spielfeld. Wie so viele US-Amerikaner ist es der Neuzugang von Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz gewohnt, Autos mit Automatikschaltung zu fahren. Die Wagen, die sein neuer Arbeitgeber zur Verfügung stellt, besitzen aber ausschließlich eine manuelle Schaltung. "Damit habe ich so meine Schwierigkeiten", gesteht der 25-Jährige.

Sportlich fühlt sich Harris dagegen wohl. Seit rund zwei Wochen trainiert er mit dem Team, lernt dabei ein komplett neues System, wie er berichtet. Niners-Trainer Rodrigo Pastore ist dafür bekannt, von seinen Spielern viel Flexibilität einzufordern. Sie sollen nicht nur auf einer, sondern auf mehreren Positionen klarkommen. Harris schätzt seinen neuen Coach. "Er ist extrem klug", sagt er über den Argentinier. Der wiederum lobt seinen neuen Spieler: "Terrel weiß, wie man Spiele gewinnt. Sein Zug zum Korb ist beeindruckend."

Harris ist im Südosten Floridas aufgewachsen, in einer Familie, in der Sport großgeschrieben wurde. Er spielte mehrere Jahre Baseball, bevor er - nach einem erheblichen Wachstumsschub - zum Basketball wechselte. "Da war ich schon 13 Jahre alt, also ein Spätstarter." Nach dem Schulabschluss suchte er eine Option, seinem Sport weiter nachgehen zu können, und landete auf einer Militärschule. Dort sei allerdings mehr Militärausbildung und Drill als Training angesagt gewesen: "Nach drei Wochen bin ich wieder gegangen", berichtet er und lacht über diese Episode.

An einer Universität in Georgia studierte er stattdessen Gesundheitswissenschaften, ein Fach, das viele angehende Physiotherapeuten belegen. Der Basketballer weiß deswegen, wo sich welche Muskeln befinden und wie sie gesund bleiben. "Das ist schon hilfreich", meint er. Für die Niners hilfreicher sind allerdings seine fast 200 Spiele in der amerikanischen College-Liga und seine Europa-Erfahrungen. 2016 wagte er den Sprung nach Deutschland, spielte für den Drittligisten Iserlohn, bevor er zum dänischen Erstligisten Svendborg wechselte. Er kenne somit die europäische Art, Basketball zu spielen, schon sehr gut: "Hier ist Basketball taktischer, während es in den USA mehr auf die Athletik ankommt." Letzte Station vor seinem Wechsel nach Chemnitz war Rostock. Mit den Hansestädtern spielte Harris eine starke Saison, besiegte die Niners ausgerechnet bei deren Weihnachtsspiel in der Messe haushoch: "Das war unsere beste Saisonleistung", erinnert er sich. Die Rostocker zogen in die Playoffs ein, wo sie - genau wie später die Niners - an Hamburg scheiterten.

Dafür, dass er nun das Trikot der Sachsen trägt, ist auch ein anderer Neuzugang der Niners verantwortlich: Chris Carter, der 2016/17 eine starke Saison für die Chemnitzer absolvierte, zuletzt für den Erstligisten Vechta auflief und nun zu alter Wirkungsstätte zurückkehrte. Carter und er seien nur 15 Minuten entfernt voneinander aufgewachsen und kennen sich seit 13 Jahren, berichtet Harris. "Er ist wie ein großer Bruder für mich." Die Aussicht, mit Carter gemeinsam auf dem Feld zu stehen, habe ihn gereizt, sagt der 25-Jährige. Und so ein großer Bruder hilft nun auch bei kleinen Dingen: "Chris fährt mich zum Training, bringt mir aber auch das Autofahren mit Schaltung bei. Nachts traue ich mich bereits, selbst zu fahren", berichtet der Korbjäger.


Zehn Testspiele in 30 Tagen

Durchschnittlich alle drei Tage treten die Chemnitzer Zweitligabasketballer in den kommenden Wochen zu Testspielen an. Los geht es am heutigen Samstag mit einer Partie beim Drittligisten Dresden Titans. Es folgen neun weitere Spiele. Fünfmal treffen die Niners dabei auf tschechische Mannschaften, darunter Decin und Prag. Eine echte Bewährungsprobe steht am 7. September mit dem Spiel gegen Erstliga-Aufsteiger Hamburg auf dem Programm.

Ob die Fans die Basketballer vor dem Saisonstart am 21. September in Hagen zu Gesicht bekommen, ist noch offen. Zwar sind am 11., 13. und 15. September drei Testpartien (gegen Pardubice, Usti nad Labem und Nürnberg) in Chemnitz vorgesehen, von denen zwei öffentlich sein sollen. Ob das klappt, hänge aber vom Baufortschritt in der Hartmannhalle ab, sagt Niners-Sprecher Matthias Pattloch. In der Halle wird derzeit ein neuer Boden verlegt. (lumm)

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