Niners-Neuzugang: Ich werde oft nach meiner Körpergröße gefragt

Der gebürtige Thüringer Georg Voigtmann ist mit 2,13 Meter der zweitgrößte Spieler aller Zeiten des Chemnitzer Vereins. Mit seinen Mannschaftsgefährten hat er sich zuletzt längst nicht nur über Basketball unterhalten.

Er ist wirklich nicht zu übersehen. "Ich werde oft nach meiner Körpergröße gefragt", berichtet Georg Voigtmann. Der Neuzugang von Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz misst 2,13 Meter und ist nach Marin Bota (2,14 Meter) der zweitgrößte Spieler der Vereinsgeschichte. Seine jetzige Körpergröße hatte er früh kommen sehen. "Ich war immer der Längste - in meinen Schulklassen und auch beim Handball, den ich bis zu meinem 15. Lebensjahr gespielt habe", erzählt der im thüringischen Eisenach geborene Hüne.

Mit 15 sei er schon 1,95 Meter groß gewesen. "Ein Arzt hat zu jener Zeit vorausgesagt, dass ich als Erwachsener 2,09 Meter erreichen werde. Es sind noch vier Zentimeter mehr geworden", so Voigtmann. Probleme, die passende Kleidung zu bekommen, habe er nicht. "Heutzutage kann man alles im Internet bestellen", sagt der 23-Jährige. Und bezüglich der Betten sei die Hauptsache, dass sie am Fußende nicht durch ein Brett begrenzt sind.

Dass er als einstiger Handballer beim ThSV Eisenach relativ spät zum Basketball wechselte, bereue er nicht. "Handball ist ein sehr schöner Sport, der inzwischen aber ziemlich ruppig geworden ist", stellt Voigt- mann fest, wenn er Spiele im Fernsehen oder live in der Halle in Eisenach verfolgt. Auf den Basketball-Geschmack war er während eines Sommer-Feriencamps von Science City Jena gekommen. Voigt- mann schloss sich dem Verein an, bei dem sein zwei Jahre älterer Bruder Johannes bereits aktiv war. Der ist inzwischen Nationalspieler und steht beim spanischen Spitzenverein Baskonia Vitoria unter Vertrag. "Ich bin stolz auf meinen Bruder, er ist mein Vorbild", unterstreicht Georg Voigtmann.

Er selbst spielte zuletzt in Paderborn und will nun in Chemnitz den nächsten Karriereschritt gehen. Bei der Frage nach seinen Ein- drücken von Verein und Team gerät der 2,13-Meter-Mann ins Schwärmen: "Hier geht es sehr professionell zu, und zu unserer Mannschaft gehören nur gute Jungs. Es macht Spaß, zum Training zu gehen." Die Saisonvorbereitung musste Voigt- mann für knapp zwei Wochen unterbrechen. "Es war nur eine leichte Sprunggelenksverletzung, die mittlerweile ausgestanden ist", gibt er Entwarnung.

Trotz seiner erst 23 Lenze hat er schon 117 Einsätze in der Pro-A-Liga auf dem Buckel. In der Vorsaison ließ er im Paderborner Trikot vor allem mit einer Statistik aufhorchen: Voigtmann verwandelte nahezu 40 Prozent seiner Drei-Punkt-Würfe. "Eine derartige Treffsicherheit aus der Distanz ist bei Akteuren dieser Größe sehr selten", weiß Niners-Cheftrainer Rodrigo Pastore. Doch Voigtmann ist sich auch über seine Schwächen im Klaren. "Ich muss agiler werden, meine Beweglichkeit verbessern - zum Beispiel, was Richtungswechsel auf dem Feld betrifft", schätzt er selbstkritisch ein. Er sei optimistisch, das unter Coach Pastore hinzukriegen. "Von jedem Trainer lernt man was Neues", fügt Voigtmann hinzu. Vielleicht kann er bereits am heutigen Abend erste Fortschritte unter Beweis stellen, wenn er ab 19 Uhr in der Richard-Hartmann-Halle mit den Niners zum öffent- lichen Testspiel gegen Usti nad Labem antritt.

Ziel in der neuen Saison sind die Playoffs. Weiter möchte sich der Neuzugang noch nicht aus dem Fenster lehnen. "In meiner Laufbahn will ich aber auf jeden Fall noch in der Ersten Liga spielen", ergänzt Voigtmann, der sich mit seinen Mannschaftskameraden in letzter Zeit längst nicht nur über Basketball unterhalten hat. Die Demonstrationen und teils rechtsextremen Ausschreitungen in der Stadt "geben zu denken und lassen einen nicht kalt", sagt der 23-Jährige.

Er sieht darin aber nicht nur ein Chemnitzer Problem. "Hass gibt es überall, auf der ganzen Welt. Es hilft, darüber viel miteinander zu reden", betont Voigtmann. Das habe man auch innerhalb des Niners-Teams getan. "Uns deutschen Spielern war wichtig, den US-Amerikanern die Angst zu nehmen. Wir haben ihnen erklärt, dass die Ereignisse in Chemnitz für alle etwas Neues sind, aber nicht zum Alltagsprogramm gehören", berichtet Voigtmann.

Eintrittskarten für das Testspiel der Niners am heutigen Samstagabend sowie Tickets für die Heimpartien in der Pro-A-Liga sind in den Shops der "Freien Presse" erhältlich. Für den Saisonauftakt am 22. September um 18 Uhr in der Chemnitz-Arena gegen Heidelberg sind bereits gut 2000 Karten abgesetzt worden.


Überraschender Sieg gegen Erstliga-Club

Auch nach ihrem siebenten Vor- bereitungsspiel sind die Chemnitzer Basketballer als Sieger vom Parkett gegangen. Dabei sorgten die Niners am Donnerstagabend für eine Über- raschung, denn sie konnten sich bei Erstliga-Aufsteiger Crailsheim Merlins in Baden-Württemberg mit 66:62 durchsetzen. Zur Halbzeit hatten die Pastore-Schützlinge noch 26:27 zurückgelegen.

Drei Niners-Korbjäger konnten in Crailsheim zweistellig punkten: die US-Amerikaner Ivan Elliott (15) und Kavin Gilder-Tilbury (12) sowie Malte Ziegenhagen (12). Der aus Nürnberg zurückgekehrte Routinier Virgil Matthews war mit sechs Assists bester Vorlagengeber, während Georg Voigtmann mit sieben gefangenen Abprallern zum stärksten Rebounder avancierte. (ms)

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