Niners-Rekordspieler als Cheftrainer

Für die Chemnitzer Basketballer beginnt heute die Saison in Liga zwei. Ihr früherer Kapitän Andreas Worenz steht unterdessen vor seiner Premiere als Männer-Coach - und das an einem besonderen Tag.

An jenem April-Tag im Jahr 2009 blieb in der Hartmannhalle kaum ein Auge trocken. Die Emotionen schwappten über, als sich Andreas Worenz nach einem 85:78-Heimsieg der Chemnitzer Basketballer gegen Kaiserslautern vom Publikum verabschiedete. Gut vier Jahre hatte der Österreicher für die Niners gespielt und in dieser Zeit sein Herz verloren - an die Stadt, den Verein und insbesondere an eine junge Dame: Susann Nitzsche, ehemalige Volleyballerin des Polizeisportvereins. Die beiden wurden ein Paar und sind heute stolze Eltern der Söhne Jonas (8) und Niklas (2).

Die Familie lebt im österreichischen St. Pölten. "Chemnitz ist nach wie vor wie meine zweite Heimat. Wir fahren mindestens einmal pro Jahr dorthin", berichtet Worenz. Mit seinen 134 Einsätzen für die Niners ist er immer noch deren Rekord- spieler. Dass er 2009 nach Österreich zurückging, lag vor allem am Wehrdienst, den er sechs Monate lang im österreichischen Bundes-Heer leisten musste. Das Geschehen bei den Chemnitzer Basketballern habe er all die Jahre intensiv weiterverfolgt. "Ich identifiziere mich mit dem Verein", betont Worenz. So habe er sich die dramatischen Playoff-Halbfinalspiele gegen Gotha im vergangenen Frühjahr im Livestream angeschaut. "Ich kann nicht einschätzen, ob die Chemnitzer den Start in der Ersten Liga finanziell hinbekommen hätten. Der Verein hat es aber verdient, irgendwann in der höchsten Spielklasse anzutreten", sagt Worenz.

Heute Abend wird er den Niners für den Saisonstart in der Chemnitz-Arena gegen Nürnberg die Daumen drücken. Gleichzeitig dürfte bei ihm das Lampenfieber steigen, denn am morgigen Sonntag feiert Andreas Worenz seine Premiere als Cheftrainer im Männerbereich - und das an seinem 35. Geburtstag. Der Familienvater hat im Sommer das Ruder beim Basketball-Zweit- liga-Team von St. Pölten übernommen, wo er zuvor als Nachwuchstrainer aktiv war. "Ich bin aufgeregt, aber nicht nervös. Vielleicht kommt die Nervosität am Vorabend, schließlich ist diese Aufgabe Neuland für mich", sagt der noch 34-Jährige. Zunächst habe er ablehnen wollen, als ihn die Vereinsführung fragte, ob er den Cheftrainerposten übernehme. "Ich war skeptisch, weil mir die Nachwuchsarbeit sehr am Herzen liegt", erklärt der Ex-Chemnitzer. Doch der Reiz bestehe jetzt darin, talentierte Spieler aus den eigenen Reihen in die Zweitliga-Mannschaft einzubauen. "Die interne Lösung mit mir als Trainer ist wahrscheinlich besser, als jemanden von außerhalb zu holen, der sich vielleicht nicht mit dem Klub identifiziert", so Worenz.

Ähnlich wie die Niners wären auch die St. Pöltener im Frühjahr fast in Liga eins aufgestiegen, vergeigten aber analog zu den Chemnitzern im entscheidenden Playoff-Duell eine 2:0-Führung. "Mein Ziel ist es jetzt, mit der Mannschaft Meister der Zweiten Liga zu werden. Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern im Team", sagt der neue Chefcoach. Auf eine Feststellung legt er besonderen Wert: "Wir sind der einzige öster- reichische Zweitligist, der nur mit einheimischen Spielern und ohne Profis antritt." Ob St. Pölten im Falle des sportlichen Aufstiegs sein Startrecht in der höchsten Spielklasse wahrnehmen würde, stehe noch nicht fest. "Wir müssten unser Budget verdreifachen, um im Mittelfeld der Ersten Liga mitspielen zu können", rechnet Worenz vor.

Auch für ihn hätte der Sprung nach oben Konsequenzen. Schließlich verdient der frühere Niners- Kapitän sein Geld nicht als Trainer, sondern als Koordinator an der Sport-Eliteschule in St. Pölten. "Wir haben dort 340 Schüler, die 25 Sportarten betreiben", erklärt der gebürtige Innsbrucker. Er sei für das gesamte Trainingsumfeld verantwortlich. Dazu gehört die Koordinierung von Hallenzeiten und der physiotherapeutischen Betreuung der jungen Athleten bis hin zur Ernährungs- beratung.

Dass er trotz dieses zeitintensiven Jobs und seiner Rolle als zweifacher Familienvater noch die St. Pöltener Basketballer trainieren kann, "liegt auch an meiner Partnerin, die zum Glück sehr tolerant ist", lobt Worenz seine bessere Hälfte. Es sei ein Vorteil, dass seine Susi früher selbst Sportlerin war. Die gebürtige Brandenburgerin spielte in Chemnitz nicht nur Volleyball auf hohem Niveau, sondern bestritt auch eine Basketball-Saison mit den Chem-Cats in Liga zwei. Mittlerweile ist sie in ihrer österreichischen Wahlheimat als Lehrerin tätig.

Morgen wird sie mitfiebern, wenn die Korbjäger von St. Pölten gegen Mattersburg antreten. "Wir treffen gleich auf einen Mitfavoriten der Liga", sagt Andreas Worenz. Er hofft, dass ihm seine Schützlinge den 35. Ehrentag nicht verderben. Im Falle einer Heimniederlage könnte die Geburtstagsrunde des Trainers kleiner ausfallen.

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Unter sieben Trainern gespielt

In bisher 15 Jahren 2. Basketball-Bundesliga in Chemnitz gingen 118 Spieler auf Korbjagd für die Niners. Rekordakteur ist Andreas Worenz mit 134 Partien. Der 1,97-Meter-Mann ist der einzige Österreicher, der im Kader der Chemnitzer stand. Aus dem aktuellen Aufgebot folgen dem gebürtigen Innsbrucker Daniel Mixich (90 Einsätze) und Jonas Richter (78). Worenz gab sein Debüt in Bayreuth bei einer 69:70-Niederlage mit zwei erzielten Zählern. Verabschiedet wurde er nach einem Heimsieg gegen Kaiserslautern, zu dem er 13 Punkte beisteuerte. Worenz erlebte in Chemnitz mit Torsten Loibl, Mike Smith, Toni Radic, Mauricio Parra, Jens Künze, Bill Magarity und Anton Mirolybov sieben Trainer. Er markierte 802 Zähler und liegt damit in der ewigen Niners-Rangliste auf Platz acht. Erfolg- reichster Korbjäger ist Jaivon Harris (1764 Punkte). (jz)

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