Niners wollen künftig nur noch in der Messe auflaufen

Die Hartmannhalle soll als Heimstätte des Basketball-Zweitligisten bereits in der nächsten Saison keine Rolle mehr spielen. Unterdessen gibt es in der Mannschaft erste Veränderungen.

Als im Jahr 2002 die Richard-Hartmann-Halle eröffnet wurde, schlugen die Herzen der Chemnitzer Basketballer höher. Die Zeit in der kleinen, engen Schloßteichhalle war vorbei. Sie konnten in den Neubau an der Fabrikstraße mit seinen mehr als 2500 Zuschauer fassenden Rängen umziehen, auch wenn an solche Besucherzahlen damals noch nicht im Traum zu denken war.

Jetzt, 17 Jahre später, ist die einst fast riesig wirkende Hartmannhalle zu klein geworden. Wie Niners-Sprecher Matthias Pattloch auf Anfrage mitteilte, will der Basketball-Zweitligist ab der kommenden Saison dauerhaft in der Messe auflaufen. "In der Hartmannhalle sind wir komplett an unsere Grenzen gestoßen", sagte Pattloch. Zuletzt seien Sitzplätze mitunter Wochen vorher ausverkauft gewesen. "Es ist schade, wenn man Interessenten kurzfristig keine Tickets mehr anbieten kann", betonte der Vereinssprecher. Für die Betreuung von Sponsoren stehe mittlerweile zu wenig Platz zur Verfügung. Auch gebe es in der technisch sehr gut ausgestatteten Chemnitz-Arena deutlich bessere Vermarktungsmöglichkeiten. Endgültig unter Dach und Fach ist der Umzug der Niners allerdings noch nicht, wie sowohl Pattloch als auch Messechef Ralf Schulze am Freitag übereinstimmend mitteilten. Es seien noch ein paar Details zu klären. Mit einer Entscheidung werde Ende dieses Monats gerechnet.

Leicht wird den Niners der Abschied von der "Hartmannhölle" freilich nicht fallen. "Wir haben diese Halle mit der tollen Atmos- phäre unheimlich lieb gewonnen, verlassen sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge", betonte Pattloch. Jetzt bestehe die Aufgabe darin, noch mehr Leute für den Basketballsport zu begeistern, damit ein ähnliches Fluidum "mit etwas Anlaufzeit" auch in der Messe entsteht.

Unterdessen bastelt der Zweit- ligist an seiner Mannschaft fürs kommende Spieljahr. Wie bereits berichtet, wurde mit dem 22-jährigen Luis Figge von Erstligist Braunschweig der erste Neuzugang verpflichtet. Der 1,97 Meter große Flügelspieler unterschrieb einen Vertrag für die kommende Saison plus Option auf ein weiteres Jahr. In seiner noch jungen Karriere erlitt Figge bereits mehrere Mittelfuß- brüche. Der aus Paderborn stammende Basketballer beruhigt die Gemüter allerdings. "Ich habe dann meine Ernährung sowie Trainingsinhalte umgestellt und bin jetzt seit anderthalb Jahren verletzungsfrei", erklärt der Youngster. Er sei überzeugt, seine Leidenszeit hinter sich zu haben.

Auch der erste Abgang steht inzwischen fest: Matt Scott wird definitiv nicht nach Chemnitz zurückkehren, teilten die Niners mit. Der 22-jährige US-Amerikaner war im vorigen Sommer von der Niagara-Universität in Lewiston/New York nach Sachsen gewechselt. In insgesamt 26 Pflichtspielen erzielte Scott durchschnittlich 6,0 Punkte für die Chemnitzer Korbjäger. "Matt ist ein super Typ und hat immer alles gegeben. Wir wollen das Team jedoch auf einigen Positionen umbauen und suchen deshalb nach anderen Spielertypen", begründete Cheftrainer Rodrigo Pastore die Trennung von Scott, den ein Meniskusriss im Frühjahr zu einer rund zweimonatigen Pause gezwungen hatte.


Kommentar: Herz gegen Hirn

Dramatisch formuliert, ist es ein Kampf zwischen Herz und Hirn: Das Niners-Herz schlägt seit fast 20 Jahren in der Hartmannhalle. Die Sportstätte wurde zum Wohnzimmer für die Basketballer und ihre Fans - nicht um sich gemütlich einzurichten, sondern um den Gegnern nahe am Spielfeld mit ohrenbetäubendem Lärm die Hölle heißzumachen. Die Bezeichnung "Hartmannhölle" kommt nicht von ungefähr. Doch nun will der Zweitligist seine Heimstätte wohl für immer verlassen und in die Messe umziehen. Das Hirn hat gegen das Herz gewonnen. Es ist ein logischer Sieg: Die Niners brauchen mehr Vermarktungsmöglichkeiten und mehr Platz zur Betreuung ihrer Sponsoren. Das leuchtet ein. Mit dem Umzug geht aber zunächst auch ein Teil des Heimvorteils verloren. Denn höllische Atmosphäre kommt in der großen, mehr als 5000 Besucher fassenden Arena nur auf, wenn die Ränge gut gefüllt sind. Und das wird nächste Saison nicht gegen alle Kontrahenten in Liga zwei der Fall sein.

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