Radrennbahn: Rathaus sagt Saison-Höhepunkte ab

Einem Gutachten zufolge ist die Bahn nach kleineren Reparaturen nutzbar - Steherrennen sind aber ausgeschlossen. Mut machen könnte den Stehern das neue Handlungskonzept für das Sportforum.

Es waren zwei Briefe, die Bernd Lohse von der Stadt Chemnitz zugeschickt bekommen hat. In dem einen seien der Vorstandsvorsitzende des Radsportvereins (RSV) Chemnitz und seine Mitstreiter für die guten Radsport-Wettkämpfe gelobt worden, die sie in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben. In dem zweiten sei dem Verein mitgeteilt worden, dass nach derzeitigem Stand keine Steherrennen auf der Radrennbahn im Sportforum durchgeführt werden können. "Das ist hart. Das war ein Schlag ins Kontur", sagt Lohse.

Zwar habe man den Zustand der Anlage und die Probleme gekannt. "Dass aber so abrupt eine Absage an Steherrennen kommt, haben wir nicht erwartet." Grundlage für den Brief der Stadt an Lohse ist ein Gutachten, das die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hatte und dessen Ergebnisse jetzt vorliegen. Demnach ist "die Fahrbahn der Radrennbahn bis auf kleinere Schäden, die repariert werden müssen, nutzbar", teilte die Pressestelle der Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Das Sportamt werde den Bahnkopf und die Lauffläche ausbessern, anschließend werde die Bahn gereinigt, heißt es in der Antwort: "Somit steht die Bahn für den Unterrichts- und Trainingsbetrieb sowie kleinere Veranstaltungen ab 7. April wieder zur Verfügung."

Allerdings, schränkt die Stadtverwaltung ein, ist die Bahn nicht für alle Sportarten nutzbar: "Jedoch ist die Betonkonstruktion des Bahnkopfes sehr geschädigt, deshalb sind laut Gutachter Steherrennen nicht zulässig."

RSV streicht zwei Rennen

"Das tut unseren Sportlern weh", sagt Lohse. Sein Verein hatte den Sport, bei dem Radrennfahrer hinter einem Motorrad im Windschatten fahren, 2009 wiederbelebt. Seitdem fanden jedes Jahr Rennen statt. Damit ist erst einmal Schluss. "Wir müssen nun schweren Herzens die beiden Rennen, die wir für dieses Jahr geplant hatten, absagen." Am 15. Juni sollte es ein Qualifikationsrennen für die Steher-EM geben, am 13. September sollte erneut der "Große Preis des Industrievereins Sachsen" ausgetragen werden. Man hoffe jetzt auf das kommende Jahr oder 2016, sagt Lohse.

Dass diese Hoffnung nicht unbegründet ist, ließ gestern Sportamtsleiter Thomas Meyer bei der Präsentation des Handlungskonzeptes für das Sportforum durchblicken. Die rund 800.000 teure Sanierung des Bahnkopfes ist eine Priorität des Konzeptes und soll so schnell wie möglich durchgeführt werden. "Der Idealfall wäre, wenn wir das nächstes Jahr schaffen", so Meyer. Bis dahin müssen die Steher laut Lohse nach Leipzig oder Heidenau ausweichen, wenn sie trainieren wollen.

Zugleich machte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig gestern aber deutlich, dass die Radrennbahn eine Trainingsstätte sein soll und nur für kleinere Wettbewerbe geeignet sei. Größeren Wettkämpfen, wie sie kürzlich der LAC Chemnitz geplant hatte und dann absagen musste, schiebt auch das Gutachten dauerhaft einen Riegel vor. Demnach sollten künftig nur noch die sanierten Zuschauertraversen genutzt werden. Die anderen Zuschauerplätze und die Zugänge seien in sehr schlechtem Zustand und deshalb genauso dauerhaft zu sperren wie die Treppenzugänge zu den alten Zuschauertraversen: "Derzeit sind Zuschauerzahlen bei Veranstaltungen auf maximal 1000 im sanierten Tribünenbereich begrenzt. Die Sanierung weiterer Zuschauerbereiche ist mittelfristig nicht geplant", teilte das Rathaus mit.

Radrennhalle nicht vor 2020

Beim Chemnitzer Polizeisportverein freut man sich indes, dass die Radsportler des Vereins ab April wieder auf der Bahn trainieren können. "Das ist vor allem für die Kinder toll", sagt Trainer Andreas Hirschligau. Derzeit weiche man noch auf die Straße oder Strecken im Sportforum aus. Perspektivisch seien die Reparaturen aber nicht ausreichend, so Hirschligau. Der Verein setze sich stattdessen für eine das ganze Jahr nutzbare Rennbahn ein, also eine überdachte Anlage. Das, so Ludwig gestern, sei aber, wenn überhaupt, erst nach 2020 realisierbar.

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1Kommentare
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    Interessierte
    27.03.2014

    Das ist sooo eine Unverschämtheit , das alles derart vergammeln zu lassen , ich frage mich wirklich , was neben oder nach der Innenstadtbebaung zumindest ab 2005 hier gemacht wurde > außer der Wall ...
    ( was für das viele Geld gemacht wurde )

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