Rettung einer Eisschnelllauf-Bahn

Die Anlage im Küchwald soll für annähernd neun Millionen Euro komplett erneuert werden. Das könnte sogar dazu führen, dass ein Welt- klasse-Athlet seine Karriere verlängert.

Zu den großen Chemnitzer Sport- anlagen, die in den kommenden Jahren in Schuss gebracht werden sollen, gehört die Eisschnelllaufbahn im Küchwald. Die im November 1973 eröffnete Sportstätte soll in einer Art und Weise umgestaltet werden, die selbst den Betreiber überrascht. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Bahn über die Sanierung hinaus auch ein Dach bekommt. Umso mehr freue ich mich über das Projekt", betont Sascha Brandt, Geschäftsführer der Eissport- und Freizeitgesellschaft. Brandt ist sich sicher: "Nach dem Umbau werden wir über die modernste Freiluftbahn Deutschlands verfügen."

Die Kostenschätzung für das Vorhaben liegt bei 8,7 Millionen Euro, sagt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Wie beim bevorstehenden Umbau des Hauptstadions im Sportforum werde das Projekt im Eissportzentrum am Küchwald ausschließlich mit kommunalem Geld gestemmt. "Wir hatten einen Fördermittelantrag hinsichtlich des Klimaschutzes gestellt, sind aber nicht zum Zug gekommen", berichtet Ludwig. Es wären zwar immer wieder neue Anträge möglich gewesen, doch in Anbetracht des maroden Zustands der 400-Meter-Bahn habe man nicht länger warten wollen. "Schließlich wollen wir den Bundesstützpunkt Eisschnelllauf erhalten. Bestärkt in unseren Plänen hat uns auch die Tatsache, dass jede Saison rund 80.000 Freizeitsportler zum öffentlichen Eislaufen in den Küchwald kommen", erklärt die Oberbürgermeisterin.

Die Schnelllaufbahn werde nicht nur saniert, sondern neu gebaut. Auch das Leitungssystem zum Gebäude, in dem die Kältetechnik untergebracht ist, wird komplett erneuert, so Ludwig. Als Krönung des Ganzen erhält die Bahn eine Überdachung. Wie diese konkret aussehen soll, stehe noch nicht fest. "Es gibt verschiedene technische Lösungen", sagt die OB. Der Bau soll 2019 starten. Über den Zeitplan müsse noch mit der Betreibergesellschaft und den Sportlern gesprochen werden. Man werde nichts überstürzen. "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit", gibt Ludwig als Motto aus.

Dass dieses Projekt zustande kommt, liegt auch an den sport- lichen Erfolgen eines Mannes: Nico Ihle von der Chemnitzer Skater- gemeinschaft ist zum absoluten Weltklasse-Eisschnellläufer gereift. Im Februar sorgte der 31-Jährige mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille für Furore. Ihle freut sich besonders, dass sich auf der maroden Sportstätte im Küchwald bald etwas tut. "Die Bahn hätte sonst in drei Jahren geschlossen werden müssen", sagt der gebürtige Karl-Marx-Städter. Aber kann er die in schätzungsweise vier bis fünf Jahren neu gebaute Anlage selbst noch als Leistungssportler nutzen? "Das ist eine spannende Frage", bemerkt Ihle.

Stand jetzt, werde er seine Laufbahn auf jeden Fall bis 2019 fortsetzen. "Denn dann findet in Deutschland die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft statt", erklärt Ihle. Wenn in jenem Jahr die Arbeiten an der Bahn im Küchwald beginnen würden, "wäre das für mich eine Motivation, weiterzumachen", verrät der Familienvater - und denkt an seine Nationalmannschaftskollegin Claudia Pechstein, die mit 45 Jahren noch zur Weltspitze gehört. "Da bin ich ja vergleichsweise ein junger Hüpfer", sagt der Chemnitzer. Mit der neuen, überdachten Bahn erhoffe er sich attraktivere Eisschnelllauf-Veranstaltungen in seiner Heimatstadt. "Ich würde gern mal wieder zu einem größeren Wettkampf im Küchwald antreten. Den letzten habe ich dort 2005 als Nachwuchsläufer bestritten", kann sich Ihle dunkel erinnern.

Die geplante Umgestaltung der Anlage ist aus seiner Sicht die optimale Variante. Dass die Bahn auch noch überdacht werden soll, bezeichnet Ihle als das i-Tüpfelchen. Es sei gut, dass der Charakter einer Freiluftbahn erhalten bleibt. Er genieße es, wenn er - zumeist von Mitte Dezember bis Mitte Januar - in Chemnitz trainiert. "Es ist etwas Besonderes, an der frischen Luft zu sein", sagt der 31-Jährige. Ansonsten spielt sich seine Sportart fast ausschließlich in Hallen ab. "Und die haben einen Eigengeruch", umschreibt Ihle den Begriff "Mief". Wie der Weltklasse-Athlet betont, werden neben den Aktiven des Bundesstützpunktes auch die Freizeitsportler in Chemnitz und Umgebung von der Modernisierung der Küchwald-Bahn profitieren. "Wenn die Anlage künftig von einem Dach geschützt ist, dürften auch bei schlechtem Wetter viele Hobbyläufer zu den öffentlichen Veranstaltungen kommen", unterstreicht der Vize-Weltmeister.


Höhepunkt: Frauen-WM 1983

In der Historie des Küchwald-Ovals gab es einen besonderen Höhepunkt: Im Februar 1983 fanden dort die Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften im Mehrkampf der Frauen statt. Läuferinnen aus 13 Nationen kämpften um die Medaillen. Beinahe unvorstellbar: An den beiden Wettkampftagen kamen insgesamt mehr als 4000 Zuschauer zur Bahn im Küchwald.

Überragende Athletin bei der WM in Karl-Marx-Stadt war die Dresdnerin Andrea Schöne. Sie gewann Gold, ihre Vereinskameradin Karin Enke holte Silber. Lokalmatadorin Gabi Schönbrunn landete auf dem undankbaren vierten Platz. (ms)

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