Schach-Mädchen eifern ihrer Mutter nach

Mehr als 260 Teilnehmer sind am Samstag zu den Jugend Open in die Messe gekommen - darunter auch die Töchter der namhaftesten Chemnitzer Spielerin.

Samstagmorgen in der kleinen Halle der Chemnitzer Messe: Während die meisten Teilnehmer der 17. Jugend Open im Schach langsam an den Tischen Platz nehmen, geht es in einem Nebenraum noch wie in einer Gymnastikstunde zu. "Das bieten wir speziell den jüngsten Startern der Altersklasse U 8 an. Sie sollen vor ihren Partien gymnastische Übungen absolvieren oder Ball spielen, damit sie nicht mehr so auf- geregt und hibbelig sind", erklärte Turnierleiter Günter Sobeck. Der Wettbewerb verlangte den ins- gesamt 263 Denksportlern in den Altersklassen U 8 bis U 25 einiges ab. Sechs bis sieben Stunden lang galt es, die Konzentration hoch- zuhalten.

Beinahe noch nervenaufreibender war die Veranstaltung jedoch für die Eltern, die mit ihren Sprösslingen fieberten. Das traf auch auf Anne Czäczine zu, die ihren Töchtern Laura und Paula die Daumen drückte. Sie ist die namhafteste Chemnitzer Schachspielerin. Die 33-jährige Ärztin trägt den Titel Internationale Meisterin, was nach Großmeister die weltweit zweithöchste Einstufung bedeutet. "Die Norm dafür hatte ich bei der Europameisterschaft 2004 in Dresden erfüllt", berichtete Anne Czäczine. Als damals blutjunger Spielerin war es ihr gelungen, mehrere Favoritinnen zu bezwingen und sechs von zwölf möglichen Punkten zu holen.

Einzelturniere bestreitet die Denksportlerin vom Chemnitzer Schach-Club (CSC) Aufbau inzwischen nicht mehr. "Dafür müsste man Urlaub nehmen. Wenn man Familie hat, ist das nicht machbar", sagte Czäczine. Aktiv ist sie aber nach wie vor in der Damenmannschaft des CSC Aufbau, die sportlich gesehen regelmäßig Fahrstuhl fährt: 2. Bundesliga oder Regionalliga - das ist bei den Chemnitzerinnen seit mehreren Jahren die Frage.

2010 hatten sie als erstes Frauenteam der Stadt den Sprung in die zweithöchste Spielklasse geschafft. "Seitdem sind wir immer wieder auf- und abgestiegen - für die Regionalliga zu stark und für die 2. Bundesliga zu schwach, könnte man fast sagen", so Anne Czäczine. 2018 habe man Liga zwei wieder verlassen müssen. "Es war aber ganz knapp. Wir haben die Relegation gegen Leipzig verloren", ergänzt die Internationale Meisterin. Nun wieder in der Regionalliga anzutreten, sei allerdings kein Problem. "Da müssen wir wenigstens nicht so weit reisen."

Sie habe nicht erzwungen, dass ihre Töchter auch Schach spielen. "Sie sind beide reingewachsen und konnten auch schon ein paar Turniere gewinnen", sagte die Mutter mit ein wenig Stolz. Druck werde nicht ausgeübt. Die Hauptsache sei, dass die Mädchen Spaß an der Sache haben. Dies betraf auch die Jugend Open am Samstag in der Messe, die bei Familie Czäczine schon in Runde eins ein Wechselbad der Gefühle auslösten. Zunächst kam Laura, die in der Altersklasse U 12 spielte, freudestrahlend auf ihre Mutter zugelaufen. "Ich habe gewonnen und will jetzt noch weitere gute Partien spielen", betonte sie. Tränen flossen hingegen bei Schwester Paula, die in der U 8 antrat. Die Kleine geriet während ihrer ersten Partie unter Zeitdruck, wurde hektisch und musste ihrer Gegnerin den Sieg überlassen. Am Ende des stark besetzten Turniers konnte sie sich jedoch über den Silberrang freuen, während Laura einen Podestplatz knapp verpasste.

Aus Sicht von Anne Czäczine kann es für Kinder nur von Vorteil sein, wenn sie sich in ihrer Freizeit dem königlichen Spiel widmen. "Vielen fällt es schwer, sich zu konzentrieren und eine halbe Stunde bei der Sache zu bleiben", so die 33-Jährige. Wer Schach spielt, hat diesbezüglich weniger Probleme, ist sie überzeugt. "Dadurch wird das Konzentrationsvermögen verbessert", ergänzte Czäczine. Sie hätte nichts dagegen, wenn ihre beiden Töchter dem Schachsport bis ins Erwachsenenalter hinein treu bleiben. Und was passiert, wenn sie ihre Mutter eines Tages besiegen? "Darüber würde ich mich freuen. Schon jetzt lasse ich sie ab und zu gewinnen", berichtete Anne Czäczine.

Für Laura, Paula und die anderen Teilnehmer war der Wettbewerb am Samstag der Saisonauftakt. Turnierleiter Sobeck war mit der Resonanz zwar zufrieden, kann sich aber noch mehr Starter bei den Jugend Open vorstellen. "Einmal hatten wir 350 Teilnehmer hier, das ist der bisherige Rekord", sagte Sobeck, dessen Schach-Heimat die Universitätssportgemeinschaft ist. Das vom viel zu früh verstorbenen Hans-Joachim Schätz 2002 eingeführte Turnier gelte als einer der größten und bestorganisierten Nachwuchswettbewerbe in Deutschland. Diesem Ruf konnten die Organisatoren auch bei der 17. Auflage gerecht werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...