Sie pfeift auf schlechte Laune

Anna Lippmann hat vor einigen Jahren den Sprung in die Deutsche Hockey-Nationalmannschaft knapp verpasst. Und trotzdem hat die 17-Jährige jetzt ihr Länderspieldebüt gegeben.

Manch ein Sportler verzweifelt nach einer solchen Erfahrung: Vor einigen Jahren hatte Anna Lippmann die große Chance, für Deutschland bei Länderspielen aufzulaufen. Die junge Hockeyspielerin des Post SV aus Chemnitz war damals Kapitänin der Landesauswahl und wurde zu einem Sichtungslehrgang des Deutschen Hockeybundes (DHB) eingeladen. Nur um Haaresbreite verpasste sie den Sprung in die Auswahl. "Danach fiel sie in ein kleines Motivationsloch, aus dem sie sich aber schnell wieder heraus gekämpft hat", sagt Vater Stephan Lippmann, der beim Post SV selbst als Nachwuchstrainer tätig ist.

Seine Tochter blieb ihrer Lieblingssportart nicht nur treu, sie kämpfte sich auch Stück für Stück wieder nach vorn und feierte vor ein paar Tagen dann doch ihr Länderspieldebüt - als Schiedsrichterin. Anna Lippmann durfte in Köln die Spiele der Deutschen U-16-Auswahl gegen die USA und gegen Belgien leiten. "Das war eine tolle Erfahrung und hat auch Lust auf mehr gemacht, sagt die 17-Jährige, die am Chemnitzer Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium die 11. Klasse besucht. Seit einem Jahr gehört sie zum Jugendkader der DHB-Schiedsrichter, hat sich dort mit guten Leistungen für höhere Aufgaben empfohlen. "Dass es als Spielerin nicht geklappt hat, habe ich schon längt überwunden", sagt Anna Lippmann. "Ich spiele weiterhin für die Frauenmannschaft des Post SV, und das sehr gern. Daneben konzentriere ich mich aber auf mein Hobby als Schiedsrichterin. Vielleicht klappt es ja, dass ich dort mal große internationale Spiele erleben darf."

Seit vier Jahren ist die Offensivspielerin, die im Nachwuchsbereich mit ihrer Mannschaft die Ostdeutsche Meisterschaft gewinnen konnte und an Deutschen Meisterschaften teilnahm, bereits als Schiedsrichterin aktiv. "Ich pfeife dabei auch viele Spiele unseres Vereins, am vergangenen Wochenende zum Beispiel ein Turnier der Knabenmannschaften." Dass sie dabei, wie auch die Spieler und Zuschauer, komplett im Regen stand, stört die junge Frau absolut nicht. "Ich mache das sehr gern und will mich noch weiter nach oben arbeiten", sagt sie. Wenn alles gut läuft und Anna das entsprechende Alter erreicht hat, darf sie schon bald Spiele der Damen in der Oberliga pfeifen. "Mein Ziel ist aber ganz klar die Bundesliga. Dort pfeifen zu dürfen, wäre großartig", sagt sie.

Da mit der Spielleitung im Hockey selbst in der Bundesliga nicht wirklich viel Geld zu verdienen ist, hat Anna Lippmann auch abseits des Feldes schon konkrete Zukunftspläne. "Ich möchte nach dem Abitur ein duales Maschinenbaustudium beginnen - das ist unter anderem in Zwickau oder Mittweida möglich", sagt sie. "Sollte das klappen, könnte ich weiterhin in Chemnitz spielen." Und sie könnte weiter an ihrer internationalen Karriere arbeiten.

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