Skaterszene der Stadt im Aufwind

Die Sportart ist künftig Teil der Olympischen Spiele. Das wirkt sich auch in Chemnitz aus. Die hiesiegen Skater haben einen großen Wunsch.

Ein Rutsch-Stunt auf einem Geländer, ein Sprung, bei dem sich das Brett um die eigene Achse dreht: Tricks wie diese kann man täglich im Konkordiapark beobachten. Spätestens in zwei Jahren wird man sie auch im TV zu sehen bekommen - nicht nur auf Spartensendern.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 wird es erstmals Wettbewerbe im Skateboarden geben. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, Skateboard aufzunehmen, war in der Szene nicht unumstritten. Der Sport gehöre auf die Straße und nicht ins olympische Programm, war von Gegnern zu hören. Sie befürchteten die totale Kommerzialisierung des Sports.

Mittlerweile habe sich die Aufregung gelegt, sagt Pierre Graupner. "Es ist nicht mehr so umstritten wie vor zwei Jahren." Graupner ist einer der aktivsten Gestalter der hiesiegen Skaterboardszene. Er organisiert jedes Jahr den "Bring da truckaz"-Wettbewerb. Der fand ursprünglich in Dresden statt, seit vier Jahren wird er aber im Konkordiapark in Chemnitz ausgetragen. Zum einen finde man hier eine noch bessere Anlage als in der Landeshauptstadt vor, so Graupner. Zum anderen habe man in der Nähe Tschechiens bleiben wollen, weil von dort viele Sportler anreisten. Der Wettbewerb soll 2019 ausgebaut werden, kündigt Graupner an. Er hat 2017 zudem den Chemnitzer Verein Snoska mit ins Leben gerufen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Skateboarden noch mehr in die Öffentlichkeit zu tragen. "Es gibt einen Boom. Wir sind keine Randsportart mehr."

Dass die Skaterszene wächst, davon geht auch Christian Schirmer aus. Der 31-Jährige fährt selbst regelmäßig und ist derzeit zudem in der Skaterhalle in der Schönherrfabrik tätig. Gut 100 junge Leute gingen in der Stadt dem Sport nach, schätzt er. Die meisten betrieben den Sport als reine Freizeitangelegenheit, den Blick auf einen möglichen Start bei den Olympischen Spielen richte wohl niemand. "Groß rauszukommen, ist sehr schwer", sagt Schirmer.

Phillip Gerisch weiß das nur zu gut. Der 24-Jährige ist einer der besten Skateboarder in Sachsen und hat kürzlich zum wiederholten Mal den "Bring da Truckaz"-Wettbewerb gewonnen. Gerisch lebt in Leipzig und trainiert dort am Olympiastützpunkt. Drei Tage pro Woche gehe er einem normalem Job nach, die anderen beiden Tage sei er auf Wettkämpfen weltweit unterwegs. Die Spiele in Tokio 2020 haben aber keine Priorität für ihn. "Ich nehme es, wie es kommt. In erster Linie habe ich aber Spaß am Skateboarden." Dass skaten nun olympisch ist, dem kann Gerisch auch etwas Positives abgewinnen: Für den Sport stünden nun mehr Gelder zur Verfügung.

Das könnte auch der Chemnitzer Szene helfen. Die Skaterhalle in der Schönherrfabrik sei in die Jahre gekommen, sagt Schirmer. "Sie ist vom Aufbau her auch eher für BMX-Fahrer als für Skater geeignet." Die hiesigen Sportler hofften deshalb auf einen Neubau - am besten neben der Kletterhalle am Konkordiapark. Die Stadtverwaltung hat den Handlungsbedarf offenbar erkannt. Auf Nachfrage teilt sie mit, es gebe verschiedene Ideen, "zu denen aber noch ein Austausch zwischen mehreren Beteiligten notwendig ist".

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