Sportensemble: Seilköniginnen im Weltmeisterschafts-Fieber

Fünf junge Chemnitzer Akrobatinnen reisen heute zur WM im Rope Skipping nach Braga in Portugal. Dabei sollte besonders ein Gepäckstück nicht verloren gehen.

Die Wetteraussichten für Braga verheißen Sonne satt mit Temperaturen von gut 30 Grad Celsius. Eine der größten Veranstaltungen in der nordportugiesischen Stadt wird sich aber trotz besten Sommerwetters in der Halle abspielen: die Weltmeisterschaften im akrobatischen Seilspringen, Rope Skipping genannt. "An dieser WM werden bestimmt 700 bis 800 Sportler teilnehmen", sagte Claudia Neuber vom Chem- nitzer Sportensemble am Samstag. Gemeinsam mit vier Vereinsgefährtinnen des TSV Einheit Süd hatte sie in der Turnhalle der Gebrüder-Grimm-Schule auf dem Kaßberg gerade das Abschlusstraining für die Welttitelkämpfe absolviert.

Das Quintett wird sich heute auf die Reise nach Braga begeben. Mit dabei sind noch Frizzi Seltmann, Felicitas Krupka, Lisa Küchler und Luisa Parentin. Die Chemnitzerinnen werden in zehn verschiedenen Einzel- und Mannschaftsdisziplinen an den Start gehen und sich zum Teil auch als Kampfrichter bei der WM betätigen. "Wir fliegen von Berlin nach Porto, wo wir mit dem Bus abgeholt werden", berichtete Frizzi Seltmann. Die 31-Jährige tritt den sportlichen Trip mit reichlich Vorschusslorbeeren an. Im Vorjahr hatte sie bei der WM in Paris für eine kleine Sensation gesorgt und in ihrer Altersklasse gleich drei Goldmedaillen gewonnen. An eine Wiederholung dieses Triumphes wagt sie kaum zu denken. "Ich will natürlich mein Bestes geben und so weit vorn wie möglich landen", betonte Frizzi Seltmann. Eine Prognose sei aber nicht möglich, da sie über die Konkurrenz sowohl quantitativ als auch qualitativ nicht viel wisse.

Den Start bei der WM, die von morgen bis zum 27. Juli dauert, müssen die Chemnitzer Seilköniginnen selbst finanzieren. "Pro Person sind das etwa 1200 Euro", so Seltmann. Um die Kosten ein wenig senken zu können, gingen die Skiperinnen vom Sportensemble diesmal einen ungewöhnlichen Weg - Crowd- funding hieß das Zauberwort. Dabei wird versucht, über soziale Netz- werke möglichst viele Leute zu finden, die ein Projekt unterstützen. Im Falle der WM-Teilnehmerinnen waren es 66 Personen, die eine Gesamtsumme von annähernd 2000 Euro beisteuerten. "Darunter befanden sich Eltern von Sportlerinnen, Freunde und auch ehemalige Aktive des Sportensembles", berichtete Frizzi Seltmann.

In Vorbereitung auf die WM hat das Quintett die Trainingsintensität erhöht. "Wir haben uns dreimal pro Woche anstatt wie sonst zweimal getroffen", sagte Claudia Neuber. In den sogenannten Speed- Disziplinen gehe es um Schnelligkeit - in einer vorgegebenen Zeit müssen so viele Sprünge wie möglich gezeigt werden. Hingegen werden in den Freestyle-Disziplinen selbst choreografierte Übungen zu Musik allein oder in der Gruppe gesprungen.

Nachdem die Chemnitzerinnen heute auf dem Flughafen in Porto gelandet sind, werden sie vor allem ein Gepäckstück sehnlichst auf dem Fließband erwarten: jenes mit ihren Seilen. Es sei undenkbar, sich die Sportgeräte auszuleihen, "weil die Seile allein schon von ihrer Länge her optimal auf die jeweilige Sportlerin oder das Team ausgerichtet sind", erklärt Claudia Neuber. Die Seile im Handgepäck zu ver- stauen, ist laut der 29-Jährigen zu riskant. Damit sei man zuletzt nicht mehr durch die Kontrollen gekommen.


Dynamik und akrobatisches Können gefragt

Als Rope Skipping bezeichnet man eine dynamische und akrobatische Form des Seilspringens, bei der ein zumeist aus Kunststoff gefertigtes Seil verwendet wird, durch das die Sportler möglichst schnell oder mit artistischen Einlagen hindurch springen. Dabei wird zwischen Einzelspringen sowie den beiden Mehrkampf- disziplinen Wheel und Double Dutch unterschieden.

Während beim Wheel mehrere Springer eine Kette bilden, indem sie jeweils einen Griff ihres Gliederseils an den linken und rechten Nachbarn weitergeben und dabei Tricks wie Drehungen oder Platzwechsel vollführen, schlagen beim Double Dutch zwei sich gegenüberstehende Sportler zwei Seile in Gegenrichtung. In der Mitte können währenddessen ein oder mehrere Springer verschiedene Tricks ausführen. Als bester Untergrund für die aus den USA stammende Sportart gilt ein gefederter Hallenboden.

Die morgen im portugiesischen Braga beginnenden Weltmeisterschaften der Rope Skipper mit Chemnitzer Beteiligung kann man im Livestream verfolgen unter www.worldjumprope.org (mith/ms)

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