Steher-Meisterschaften in Chemnitz: Routiniers wie Neulinge von knatternden Motoren begeistert

Chemnitz ist am Wochenende Austragungsort der Deutschen Meisterschaften im Steherrennen. Die Lokalmatadoren sind dabei nicht chancenlos.

Die Schrittmacher Holger Ehnert (l.) und Frank Schaarschmidt (r.) sowie Martin Bauer sind voller Vorfreude auf die Heimmeisterschaft.

Für Sie berichtet: Martina Martin

Bereits am Mittwoch reist Robert Retschke in seiner Heimatstadt Chemnitz an. Der Renner will die verbleibenden Tage bis zum Meisterschaftsstart am Freitag so intensiv wie möglich zum gemeinsamen Training mit seinem Schrittmacher Holger Ehnert nutzen. Denn das Duo, das seit 2012 erfolgreich im Stehersport unterwegs ist, möchte wieder zu gern um die Medaillen mitkämpfen. Schon mehrfach gelangen bei nationalen Titelkämpfen Podestplätze, auch bei vielen anderen Rennen Spitzenränge.

"Robert wohnt in Aachen und bestreitet für sein Team ständig Straßenrennen. So hat er eine gute Form aufgebaut. Da wir uns sonst nur bei den Wettkämpfen sehen, wollen wir die Zeit jetzt noch für spezielle Dinge nutzen", berichtet Holger Ehnert. Es geht vor allem um Feinheiten, um Details. Denn bei den Einsätzen soll auch die Harmonie zwischen beiden optimal sein. "Zu Hause sind wir heiß", bringt es der 56-Jährige, der einst selbst zahlreiche Meriten (u. a. 3x DDR-Vizemeister, nationaler Titelträger auf der Bahn) sammelte, auf den Punkt. Doch der Routinier warnt zugleich vor zu hohen Erwartungen und einer Überwertung des Heimvorteils. Zu den 15 weiteren Gespannen gehören mit Franz Schiewer (Cottbus) und Gerhard Gessler immerhin die aktuellen Europameister sowie weitere international erfahrene Duos.

Die kontinentalen Titelkämpfe 2108, die Anfang September in Erfurt stattfinden, haben auch die Chemnitzer im Visier. Bisher tappen sie hinsichtlich einer Startmöglichkeit jedoch im Dunkeln. Auch aus diesem Grund besitzen die Auftritte auf dem ehrwürdigen Zementoval eine zusätzliche Bedeutung für die Lokalmatadore. Dabei haben sie auch noch eine Rechnung offen. Nachdem sie schon dreimal im EM-Aufgebot (2012: leider vor Ort Absage wegen Starkregens, 2013: 4. Platz, 2014: 5.) standen, fand die Heim-EM vorigen Oktober in Berlin ohne die Sachsen statt. Sie gehörten bis zuletzt zum Kader, doch als es dann nur noch drei statt wie erhofft vier (der Titelträger war nicht mehr automatisch gesetzt) Startplätze gab, kam kurz vorher das unverständliche Aus. Denn aufgrund der Vorleistungen war nicht nachvollziehbar, warum die Chemnitzer durch den Rost fielen.

EM-Ambitionen hegt Martin Bauer (noch) nicht. Der Venusberger sieht sich im Stehersport erst einmal als Neuling. 2016 wagte er seine ersten Versuche, die vor allem in Heidenau sehr vielversprechend verliefen. Bisher schaffte er nur sporadische Einsätze, da für ihn nach wie vor Straßenrennen, auch in der Bundesliga, für sein Team (Schnelle Stelle Ur-Krostitzer) Vorrang besitzen. Im April konnte er unter anderen das internationale Eliterennen auf dem Sachsenring gewinnen. "Doch ich finde es schön, dass ich mit bei den Stehern mal etwas Neues ausprobieren kann. Es ist technisch anspruchsvoll, aber sehr reizvoll", meint der 23-Jährige, der an der TU Maschinenbau studiert. Für ihn und seinen Schrittmacher Sven Lohse wäre beim Meisterschaftsdebüt, das sich zu Hause einfach anbot, schon der Einzug ins Finale der besten acht Teams ein Riesenerfolg.

Animiert, es einmal hinter den Motoren zu versuchen, wurde Andreas Bauer übrigens von Andreas Stöß, der vom ausrichtenden RSV Chemnitz als Sportlicher Leiter der Meisterschaften fungiert. Vom 59-Jährigen, der früher selbst aktiv war und 2009 gemeinsam mit Holger Ehnert die Idee zur Wiederbelebung der Steherveranstaltungen hatte, erhielt er auch das für die Disziplin speziell angefertigte Rad. "Ich versuche stets, Fahrer zu gewinnen, damit die Steherszene auch künftig bei uns weitergeführt wird", begründet Andreas Stöß. So freut es ihn zudem besonders, dass neben den zwei genannten mit Christian Kux, Ingo Berbig und Torsten Schönberger gleich fünf Fahrer aus der Region gemeldet haben. Er selbst ist von dieser Sportart dabei seit Kindesbeinen fasziniert. "Mein Vater hat mich als Jungen mitgenommen. Damals fuhren noch die großen Maschinen, bei denen Feuer aus dem Auspuff kam. Diese Bilder haben sich eingeprägt", gerät er ins Schwärmen. Auch deshalb machte er sich stark, dass erneut mit dem Demonstrationslauf der alten Meister hinter historischen Maschinen ein Hauch Nostalgie weht.

Weltmeister fahren im Rahmenprogramm mit Talenten

Prominente Sprint-Asse werden im Rahmenprogramm der Meisterschaften am Sonnabend mit Nachwuchsfahrern des RSV Chemnitz verschiedene Handicaprennen austragen.

Die Weltmeister Maximilian Levy, Pauline Grabosch vom Chemnitzer Erdgasteam und Miriam Welte aus Kaiserslautern sowie Robert Förstemann aus Gera haben sich für diese Wettkämpfe angesagt. "Mit diesen Rennen wollen wir auch die Aktion ,staystrongkristina' für die schwer verunglückte Ausnahmesprinterin Kristina Vogel unterstützen", berichtet Organisationschef Andreas Stöß. Zwischen dem RSV und dem Erdgasteam besteht eine Kooperationsvereinbarung.

Zeitplan: Freitag: ab 18 Uhr Vorläufe; Sonnabend: ab 14 Uhr: Finalläufe und Rahmenprogramm.

Tickets: Der Verkauf beginnt jeweils eine Stunde vorher. (fp)

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