Turnerin vertritt Chemnitz bei Olympischen Jugendspielen

Lisa Zimmermann vom TuS Altendorf ist für das Großereignis mit mehr als 3500 Sportlern in Argentinien nominiert worden. Vor wenigen Monaten war daran nicht zu denken.

Morgens kurz nach 6 Uhr klingelt der Wecker. Für Lisa Zimmermann beginnt ein langer Tag. "Ab 7.25 Uhr habe ich zwei Stunden Schule, anschließend ist drei Stunden lang Training", erzählt die Turnerin vom TuS Altendorf. Nach dem Mittag- essen sitzt sie wieder auf der Schulbank im Sportgymnasium. "Und ab 15.30 Uhr trainiere ich noch mal drei Stunden", sagt die 15-Jährige. Damit beschreibt sie nicht etwa einen besonders anstrengenden Tag, der selten vorkommt - nein, so sieht der Alltag der jungen Dame aus.

Doch spätestens jetzt weiß Lisa Zimmermann, wofür sie das alles auf sich nimmt. Die Turnerin ist für die Olympischen Jugendspiele vom 6. bis 18. Oktober in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires mit insgesamt mehr als 3500 Teilnehmern qualifiziert. Kein weiterer Sportler aus Chemnitz hat den Sprung dorthin geschafft. "Für mich ist die Nominierung eine große Ehre", betont die 15-Jährige. Sie hoffe, dass sie sich einiges in Buenos Aires anschauen kann. "Meistens sieht man bei Wettkämpfen nur den Flughafen, das Hotel und die Wettkampfhalle", so die Wahl-Chemnitzerin. Begleitet wird sie von ihrer Trainerin Gabi Frehse. "Ich war schon bei den Olympischen Jugendspielen 2010 in Singapur. Damals habe ich eine Turnerin aus Karlsruhe betreut. Umso schöner ist es jetzt, mit einer eigenen Sportlerin dabei zu sein", freut sich Gabi Frehse.

Ihr Schützling Lisa Zimmermann ist eine waschechte Hessin und turnt erst seit dem vergangenen Jahr in Chemnitz. "Ich komme aus Roßdorf in der Nähe von Darmstadt und habe bis 2017 in Frankfurt trainiert", berichtet die Nachwuchssportlerin. Dann habe es dort eine Umstrukturierung gegeben. "Ich durfte nicht mehr bei meinem Trainer weitermachen, und es war nicht klar, wer das Training übernimmt", sagt die Turnerin. Sie wollte weg. "Ich habe mich umgeschaut und festgestellt, dass Chemnitz die beste Lösung ist", erklärt Lisa Zimmermann. Hier sei auch hinsichtlich der Schule alles sehr gut geregelt. Andererseits war es für sie nicht einfach, mit 14 von zu Hause wegzugehen. "Manchmal habe ich schon Heimweh", gesteht die Turnerin. Darüber hinweg helfen ihr die Vereinsgefährtinnen und Trainer, die sie herzlich in Empfang genommen haben, betont die 15-Jährige. Besonders schwärmt sie von Sophie Scheder, die 2016 in Rio de Janeiro Bronze bei Olympia gewann: "Sie ist bodenständig, mein großes Vorbild und hilft mir, wo sie kann."

In diesem Umfeld hat die junge Hessin eine Entwicklung genommen, die Trainerin Frehse als "sensationell" bezeichnet. "Lisa hat eine steile Karriere hingelegt. Die Nominierung für die olympischen Jugendspiele ist für sie ein Riesen- erfolg", sagt Frehse. Dabei denkt sie vor allem an einen Wettkampf Ende Juni in Baku/Aserbaidschan. Dort sei es darauf angekommen, einen Quotenplatz für Deutschland bezüglich der Jugendspiele in Buenos Aires zu erturnen. Aus Verletzungsgründen war Lisa Zimmermann die einzige deutsche Starterin und trug die ganze Last der Verantwortung. Sie hielt dem Nervendruck stand.

Es folgte die Jugend-EM im August im schottischen Glasgow, bei der sich ihre Kontrahentin Emelie Petz aus Stuttgart als beste Deutsche erwies. Damit wäre die Schwäbin nach Buenos Aires gereist, weil es pro Land nur einen Startplatz gibt. "Doch Emelie Petz ist verletzt, sodass Lisa als zweitbeste deutsche Turnerin bei der EM für die Olympischen Jugendspiele nominiert wurde", erläutert Gabi Frehse. Sie hofft auf eine große sportliche Zukunft ihres Schützlings. "Sie hat keine Chance, bereits 2020 bei Olympia in Tokio dabei zu sein. Doch 2024 in Paris kann Lisa eine gute Rolle spielen", sagt die erfolgreiche Trainerin.

Jetzt steigt aber erst einmal die Vorfreude auf Buenos Aires. Abflug ist am 1. Oktober. "Ich wünsche mir, dass ich ins Sprungfinale komme", sagt Lisa Zimmermann. Der Sprung sei ihre beste Disziplin, "obwohl ich an allen Geräten gern turne". Ihre Nervosität bei Wettkämpfen halte sich in Grenzen. "Ich sage mir vor den Übungen immer: Mach es wie im Training", so die 15-Jährige.


Olympiastützpunkt: Herausragende Talente fehlen zurzeit

Der Leiter des Olympiastützpunktes Chemnitz-Dresden, Thomas Weise, freut sich für Turnerin Lisa Zimmermann. "Die Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen ist für sie ein Riesenerlebnis", sagt Weise. Dass außer ihr kein weiterer Nachwuchssportler aus Chemnitz den Sprung nach Buenos Aires geschafft hat, liege auch in den schwierigen Teilnahmebedingungen begründet. "In vielen Disziplinen darf nur ein Athlet pro Land starten. Zudem werden die Wettkämpfe nur in bestimmten Altersklassen ausgetragen", erklärt Weise. Dennoch hätte er sich gefreut, wenn der eine oder andere Nachwuchsathlet mehr das Ticket nach Argentinien gelöst hätte.

Man müsse feststellen, dass dem Chemnitzer Nachwuchssport herausragende Talente wie zuletzt Dreispringer Max Heß zurzeit fehlen. "Im Turnen weiblich gelingt es immer wieder, sehr gute Athletinnen auszubilden. In anderen Sportarten, vor allem im Eiskunst- und Eisschnelllauf, sieht es nicht so gut aus", stellt der Olympia- stützpunkt-Leiter fest. (ms)

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1Kommentare
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  • 2
    2
    cn3boj00
    25.09.2018

    Der Herr Weise hat von seinem Stützpunkt wohl keine Ahnung! Beim Eisschnelllauf z.B. hat Chemnitz mit Emelie Vogelsang in der AK15 ein herausragendes Talent. Die Nachwuchssportlerin des Jahres 2017 aus Limbach-Oberfrohna hat das dritte Mal in Folge die deutsche Meisterschaft mit Siegen auf allen Einzelstrecken und im Mehrkampf gewonnen. Bei dem als Europameisterschaft gewerteten (eine offizielle Nachwuchs-EM gibt es leider nicht) Viking Race in Heerenveen war sie 2017 Vizeeuropameisterin und zweimal vierte, inmitten der Phalanx des holländischen Nachwuchses. Während in Deutschland in jeder AK vielleicht 30 Sportler bzw. Sportlerinnen trainieren sind es in Holland 1000.
    Herr Weise sollte sich lieber mal Gedanken machen wie die Rahmenbedingungen hier verbessert werden können! Die Eisschnelllaufbahn ist seit Jahren marode, eine Überdachung fehlt. Das ist seit fast 10 Jahren immer wieder Thema. Im Haushalt 2017/18 war nun die Sanierung fest eingeplant. Doch das Geld wurde von der Stadt anderweitig verwendet, nichts ist passiert. Ich habe Herrn Weise nicht einmal auf der Schnelllaufbahn gesehen oder zu der Situation etwas sagen hören.
    Die finanzielle Ausstattung der Vereine ist schlecht, der Sächsische Eissportverband ist vermutlich pleite. Nach dem Tod des Eisschnelllaufverantwortlichen Herrn Kühn herrscht Chaos. Einen Nachfolger gibt es nicht. Keiner weiß wer das sagen hat, wie Gelder verteilt werden. Man möge nur mal die webseite des SEV anschauen. Zum Eisschnelllauf gibt es 0 Informationen, er existiert quasi nicht.
    Gleichzeitig gibt es keinerlei Unterstützung. Nicht nur Materialien (Kufen, Schuhe, Inline Skates, Shorttrack-Ausrüstung, Bekleidung, Rennanzüge, Rennräder, zusammen ca. 5000 Euro, vieles muss jährlich erneuert werden), sondern auch ärztliche Betreuung und Physiotherapie muss privat aufgebracht werden.
    Nicht zuletzt wurden jahrelang gute Talente, die mit 12, 13, 14 deutsche Meister waren, danach durch den Trainer verschlissen oder vergrault.
    Ich weiß nicht wie das in anderen Sportarten ist. Aber Turnen ist Vorzeigesportart, da saniert man die Halle auch wirklich und redet nicht bloß davon. Darüber sollte sich Herr Weise mal Gedanken machen.

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