Vom Biathlon-Champion zum Basketballprofi

Luis Figge betrieb früher Wintersport, bevor er sich auf die Korbjagd spezialisierte. Seine Karriere führte ihn in die Bundesliga - wo ihn gleich mehrere Brüche zurückwarfen.

Zustimmung hat er für diesen Plan in der Familie nicht gerade erfahren. Da lebten doch so viele Nazis, habe es geheißen, als er seinen Wechsel nach Chemnitz bekanntgegeben habe, erzählt Niners-Neuzugang Luis Figge. "Ich habe dann gesagt: Wenn 25 Prozent AfD wählen, sind 75 Prozent immer noch dagegen." Und nach rund einem Monat in der drittgrößten sächsischen Stadt ist er durchaus angetan. "Ich hatte schlimmere Vorstellungen. Ich fühle mich wohl hier. Die Menschen sind supernett und offen", sagt er.

Für den 22-Jährigen ist es das erste Engagement in Sachsen. Wobei ihm gerade das Erzgebirge alles andere als unbekannt ist. Das liegt auch an seinem sehr ungewöhnlichen sportlichen Werdegang. Figge stammt aus Ostwestfalen. Sein Vater sei Basketball-Fan, seine Mutter liebe Langlauf. "Und mein Opa mag Biathlon. Er hat mich mit dort hingenommen." Also trainierte der junge Luis Figge bei den Uni-Baskets Paderborn Basketball und beim Skiklub im eine Stunde entfernten Winterberg Biathlon. Und das so gut, dass er 2010 - beim Abschlussrennen in Oberwiesenthal - den deutschen Schülercup gewann und in den folgenden beiden Jahren die Deutsche Meisterschaft mit dem Nachwuchsteam der Paderborner Basketballer holte. Dann habe er sich für eine Sportart entscheiden müssen. "Biathlon war mir zu monoton und beim Basketball gefiel mir das Teamspiel." Dank des harten Biathlon-Trainings verfüge er bis heute über eine gute Grundlagenausdauer, fügt Figge an.

Im Basketball ging es schnell nach oben. Mit 18 Jahren hatte Figge bereits 56 Zweitligapartien für Paderborn bestritten. Schon damals, berichtet er, habe sich Niners-Coach Rodrigo Pastore für ihn interessiert. Figge zog allerdings den Wechsel zu Bundesligist Braunschweig vor. Bei den Niedersachsen kämpfte er sich in die Startformation, fiel dann aber aufgrund eines Bruches des rechten Fußes lange aus. Gerade genesen, ereilte ihn im linken Fuß die gleiche Verletzung. Und Monate später brach noch einmal der linke Mittelfuß. "Dort habe ich nun eine Titanschraube drin. Seit eineinhalb Jahren bin ich jetzt verletzungsfrei", sagt der 22-Jährige. Dazu beigetragen hat seiner Ansicht nach auch eine Ernährungsumstellung: Verzicht auf Kuhmilch, nur zwei richtige Mahlzeiten, kaum Zucker, weniger Fleisch. Vier Kilogramm Körpergewicht habe er so verloren. Rund 95 Kilogramm verteilen sich nun auf 1,97 Meter Körpergröße.

Weil ihm in Braunschweig der richtige Durchbruch nicht gelang, er stattdessen mehr beim Kooperationspartner Wolfenbüttel in der dritten Liga zum Einsatz kam, entschied sich Figge für einen Wechsel. Überzeugt von den Niners habe ihn ein Gespräch mit Chefcoach Rodrigo Pastore: "Er hat mein Spiel zerlegt und mir aufgezeigt, wo ich reinpasse." Das bedeute für ihn auch viele Umstellungen im Vergleich zum System in Braunschweig: "Dort hatten wir drei Stars, die dominierten, und als Flügelspieler stand man viel in der Ecke. Bei den Niners ist jeder involviert. Das Spiel ist selbstlos und schnell", analysiert der Neu-Chemnitzer, der sein Saisonziel offensiv formuliert: "Ich bin hierhergekommen, um aufzusteigen. Ich will wieder Bundesliga spielen."

Offensiver als viele andere Leistungssportler geht Figge auch mit Alltagserlebnissen und seiner Meinung zum Tagesgeschehen um. Der 22-Jährige stellt täglich Fotos auf Instagram ein, dort heißt er nahbarer Basketballprofi. Dazu kommen Podcasts und zwei Videos auf Youtube pro Woche. "Als junger Spieler hatte ich so viele Fragen an die Profis, die mir damals keiner beantwortete", erklärt er. Genau diese Themen arbeite er nun ab. Es geht um Tipps fürs Training, die Ernährung, aber auch um die Brände in den Regenwäldern Südamerikas, die Figge bei Rucksack-Reisen in den vergangenen Jahren schon selbst besucht hat. "Das ist ein wichtiges Thema, und ich habe Reichweite", sagt er. Um den Klimawandel zu bekämpfen, habe er sich ein Ziel gesetzt, sagt Figge. "Ich will eine Million Bäume pflanzen." Nicht alle per Hand natürlich. "Ich will aus meinem Vermögen für die Pflanzung spenden."

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