"Vom perfekten Spiel sind wir noch weit entfernt"

Niners-Cheftrainer Rodrigo Pastore über die Erfolge seines Teams und ein persönliches Jubiläum, das ihm neu war

Rodrigo Pastore könnte rundum zufrieden sein. Seine Mannschaft hat binnen vier Tagen zwei Topspiele gewonnen und damit in der 2. Basketballliga die Tabellenführung übernommen. Warum der Cheftrainer der Niners dennoch keinen Grund für eine ausgelassene Party sieht, sagt er im Interview mit Thomas Reibetanz.

Freie Presse: Herr Pastore, die vergangenen Tage waren für Sie und Ihre Mannschaft sehr anstrengend, vom Spitzenspiel in Bremerhaven sind Sie erst mitten in der Nacht zu Montag wieder nach Hause gekommen. Haben Sie und Ihr Team die Tabellenführung dennoch gefeiert?

Rodrigo Pastore: Ja, aber nur fünf Minuten lang bei einem Stück Pizza. Es gibt aktuell noch keinen Grund, eine große Party zu feiern. Zum einen, weil ich das ohnehin nicht mache. Und zum anderen, weil ich viel mehr feiere, wie sich das Team entwickelt. Natürlich freue ich mich über die Siege gegen Heidelberg am Donnerstag und in Bremerhaven am Sonntag. Aber viel mehr freue ich mich darüber, wie die Mannschaft diese Siege geholt hat.

Die Fans sind von den jüngsten Auftritten komplett begeistert. Wie nah war das Team aus Ihrer Sicht am perfekten Spiel?

Davon sind wir noch weit entfernt. Wir haben noch viel zu verbessern - und das sollte auch immer unser Anspruch sein. An jedem Montag setzen wir Trainer uns zusammen, analysieren das letzte Spiel und bereiten die Trainingswoche vor. Da gab es auch nach den Siegen in den zwei Spitzenspielen einiges zu kritisieren.

Dabei sah es in der Offensive teilweise brillant aus, die Defensive stand so gut wie selten zuvor ...

Mit der Offensive bin ich derzeit tatsächlich zufrieden, auch wenn es dort noch Luft nach oben gibt. Wir müssen unsere Spiele besser zu Ende bringen. Die Verteidigung hat sich verbessert, ja. Aber dort machen wir noch immer Fehler. Ich sage mal, die Defensive war in den beiden Spielen akzeptabel.

Sie gönnen sich und dem Trainerteam auch nach der langen Rückreise am Sonntagabend keine Pause. Hatte denn wenigstens das Team am Montag frei?

Ja, es war trainingsfrei. Das brauchen die Jungs auch für ihre Körper und ihre Köpfe. Am späten Nachmittag haben wir aber ein freiwilliges Wurftraining angeboten. Dort kommen dann zum einen die Spieler, die uns danach gefragt haben. Und zum anderen wollen wir auch einige Jungs sehen, an deren Würfen wir arbeiten wollen.

Das Spiel in Bremerhaven war Ihr 150. als Niners-Cheftrainer. Haben Sie wenigstens darauf mal angestoßen?

Nein, denn ich habe es nicht einmal gewusst. Vor dem Spiel kam plötzlich der Schiedsrichter zu mir und hat mir gratuliert. Ich habe ihn nur gefragt: "Wozu denn bitte?" Ich bin niemand, der sich für solche Zahlen interessiert. Und das fordere ich auch von meiner Mannschaft. Wichtig ist das, was vor uns liegt - und nicht das, was mal war. Das Wichtigste überhaupt ist immer das nächste Spiel.

Gibt es denn rückblickend dennoch eines dieser 150 Spiele, an das Sie sich ganz besonders gern oder ungern erinnern?

Ich kann darauf wirklich keine Antwort finden. Als ich von dieser Zahl gehört habe, ist mir eigentlich nur eines eingefallen: Dass Jonas Richter der einzige Spieler ist, der mich in all den 150 Spielen bei den Niners ertragen hat. Das allein ist schon eine starke Leistung von ihm. (lacht)

Seinen Vertrag hat er gerade erst verlängert. Also scheint es ihm ja schon zu gefallen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.

Die Vertragsverlängerung von Jonas Richter macht mich und den ganzen Verein sehr stolz. Der Junge ist erst 22 Jahre alt, er hat riesiges Potenzial. Was er derzeit zeigt, ist schon sehr gut, aber es ist nur die Spitze des Eisberges. Ich bin mir sicher: Wer ihn in drei oder vier Jahren spielen sehen will, muss für ein Ticket viel Geld ausgeben. Und ich hoffe sehr, dass das hier in Chemnitz bei den Niners sein wird. Er ist ein Vorbild für alle Nachwuchsspieler, wie er neben dem Sport auch noch sein Studium schafft. Ich wünsche ihm und dem Verein, dass er fit bleibt.


Rodrigo Pastore

Der 47-Jährige kam 2015 als Cheftrainer zum Basketball-Zweitligisten

nach Chemnitz und führte die Niners auf Anhieb in die Play-offs. In der vergangenen Saison schaffte es der gebürtige Argentinier mit seinem Team bis ins Halbfinale und verpasste den Erstliga-Aufstieg nur knapp. Pastore war als Spieler unter anderem für Bayreuth, Bonn und Vereine in Italien und der Schweiz aktiv. Er wurde in der Spielzeit 2016/17 zum Trainer der Saison in Liga zwei gewählt. (tre)

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