Vom Probespieler zum Publikumsliebling der Niners

Matt Scott kam nach Chemnitz, um bei den Zweitliga-Basketballern erstmals Profi-Luft zu schnuppern. Mittlerweile ist er aus dem Team des Tabellenführers nicht mehr wegzudenken.

Er fällt kaum auf. In den Statistiken der 2. Basketball-Bundesliga sind Werte wie Trefferquote oder Anzahl der Rebounds wichtig, auch Steals, also geklaute Bälle, spielen dort eine Rolle. Matt Scott ist in keiner dieser Kategorien außerordentlich gut. Auch auf dem Feld ist der US-Amerikaner keiner, der mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam macht. Dass er dennoch zu den Schlüsselspielern der Niners aus Chemnitz gehört, zeigt der Blick auf eine andere Statistik: Scott hat in den vergangenen zehn Spielen der laufenden Saison fast immer etwa 20 Minuten lang gespielt. Im Basketballsport heißt das: Er gehört zum absoluten Stammpersonal.

Dass er es so weit schaffen würde, konnte im vergangenen Sommer noch niemand ahnen - weder die Verantwortlichen beim aktuellen Tabellenführer der Zweiten Liga, noch Matt Scott selbst. Als Probespieler war er nach Chemnitz gekommen, hier sollte er erstmals in seiner Karriere Profi-Luft schnuppern. "Matt ist ein sehr talentierter Junge, der nach seiner Studienzeit nun den Sprung zum Profibasketballer wagt. Wir werden ihn uns in den kommenden Wochen genau anschauen und auch bei Testspielen zum Einsatz bringen", sagte Niners-Cheftrainer Rodrigo Pastore damals - im August 2018.

Heute sagt der Coach über seinen Neuzugang: "Er ist ein Spieler, dem man den Erfolg wünscht, weil er hart an sich gearbeitet hat und auch dann positiv geblieben ist, als er noch keine große Rolle in unserem Team gespielt hat. Matt hat auf seine Chance gewartet, und er hat sie genutzt." Dabei habe der 22-Jährige eine große Veränderung hinter sich, sagt Pastore. "Im Collegebasketball in seiner Heimat USA war Matt eher ein offensiv starker Spieler, der viele Punkte gemacht hat. Bei uns ist er auf der anderen Seite des Feldes zu einem ganz wichtigen Faktor für die Mannschaft geworden."

Scott gibt der guten Defensive der Niners etwas, was gegnerische Mannschaften zum Verzweifeln bringen kann: Er übt massiven Druck auf den Ballführenden aus, zwingt ihn zu ungenauen Würfen oder Fehlpässen. Der Lohn für diese Arbeit ist neben der persönlichen Einsatzzeit und der Tabellenführung mit der Mannschaft der erste Profivertrag. Bis September ist der US-Amerikaner an die Niners gebunden, gern möchte er länger bleiben. "So, wie die Saison aktuell läuft, möchte ich den Titel holen und mit Chemnitz aufsteigen", sagt Matt Scott. "Und dann noch länger hierbleiben. Denn ich fühle mich so richtig wohl im Verein."

Niners-Trainer Rodrigo Pastore hätte wohl nichts dagegen, wenn die Wünsche seines Neuzugangs in Erfüllung gingen. "Wenn Matt weiterhin so fokussiert an sich arbeitet, kann er eine große Zukunft im europäischen Basketball haben", sagt der Coach. "Ich würde es ihm und auch unserer Mannschaft wünschen." Neben dem Cheftrainer haben auch die Fans der Niners den 1,93-Meter-Mann aus Brooklyn/New York in ihr Herz geschlossen. Sie honorieren das intensive Spiel des Neuzugangs, indem sie seine Aktionen feiern und seinen Nachnamen besonders laut schreien - zumal ein donnerndes "Scott" ohnehin richtig gut zu den Trommelschlägen passt.

Nach zwei erfolgreichen Spielen in fremden Hallen können die Fans ihre Niners am Samstagabend endlich wieder in der "Hartmannhölle" begrüßen. Gegner sind ab 19 Uhr die Kirchheim Knights, aktueller Tabellenelfter der Liga. "Wir wollen weiter in der Erfolgsspur bleiben, in die wir zurückgefunden haben", sagt Matt Scott. "Wenn die kleine Krise, die wir mit den drei Niederlagen um den Jahreswechsel hatten, etwas Gutes hatte, dann, dass wir daraus gelernt haben. Wir spielen jetzt wieder den Basketball, den wir auch spielen wollen."

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