Vom Weltmeister zum Boxen animiert

Nick Hänel gehört zu den hoffnungsvollen Talenten am Landesstützpunkt Chemnitz. Zum Faustkampf hat ihn einst einer der ganz Großen gebracht.

Olaf Leib hatte es so angekündigt. Als stark besetzt schätzte der Boxtrainer den Gast des diesjährigen Turniers um den Fritz-Bretschneider-Pokal, die Mannschaft des Landes Baden-Württemberg, ein. Der eine oder andere Kämpfer des Stützpunktes Chemnitz musste sich deswegen bei dem Wettkampf am Samstag auf der Kinoebene der Galerie Roter Turm seinem Gegner geschlagen geben.

Nicht so Nick Hänel. Der 15-Jährige vom Chemnitzer Stützpunkt traf mit Mirlind Qerkini auf einen Kontrahenten, der ein Jahr älter war und mit der Empfehlung zweier Landesmeistertitel anreiste. Die Kampfrichter votierten nach drei Runden regulärer Kampfzeit aber für den jüngeren Sachsen, der zudem am Ende des Turniertages als bester Kämpfer des Wettbewerbs ausgezeichnet wurde - zu Recht, wie sein Trainer Olaf Leib fand. "Sein Gegner hat etwas unfair geboxt, viel gehalten und gestoßen. Da muss man erst mal die Nerven behalten", lobte der Coach und ergänzte: "Nick hat Fortschritte gemacht und gezeigt, dass er bemüht ist, die Linie zu halten und locker aufzuboxen."

Hänel stammt aus dem Erzgebirge. Als Kind habe er für kurze Zeit Fußball gespielt. Dann, da war er sieben Jahre alt, landete er im Boxring - dank eines ganz Großen des Sports: "Meine Mutter kannte Markus Beyer. Er hat mir angeboten, mal mit zum Training zu kommen. Das Training hat mir sehr gefallen", erinnert sich Nick Hänel. Der im vergangenen Jahr verstorbene frühere WBC-Weltmeister Beyer hatte 2011 den Boxclub Erzgebirge neu gegründet und dort als Trainer gearbeitet. "Ich habe ihn als sehr aufgeschlossen und nett erlebt", sagt Hänel.

Der junge Erzgebirger ist vor einem Jahr an den Stützpunkt nach Chemnitz gewechselt, wo sich Leistungssport und Schule noch besser kombinieren ließen. Er besucht das Sportgymnasium und wohnt im Internat. Täglich ein oder zwei Trainingseinheiten stehen hier auf dem Programm, dazu am Wochenende Wettbewerbe. In die geht Hänel mit einem Hochgefühl. "Es ist toll, wenn man im Ring steht und das Adrenalin spürt." Im vergangenen Jahr gewann Hänel bei der Deutschen Meisterschaft seiner Altersklasse die Bronzemedaille. "Bei der nächsten Meisterschaft im März gehöre ich zum älteren Jahrgang. Da könnte noch mehr rausspringen", hofft er.

Hänel ist einer von rund 20 Boxern, die aktuell am Landesstützpunkt auf Leistungsniveau trainieren. Die Anzahl der Kämpfer sei stabil geblieben, sagt Leib. Allerdings habe man zu wenige Trainer, moniert er. Eine hauptamtliche Trainerstelle sei aus finanziellen Gründen weggefallen. Mit Mario Schulz gebe es nun nur noch einen bezahlten Coach. "Ich selbst mache derzeit ehrenamtlich mit", sagt Leib.

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