Warum die Niners dem MBC unterlagen

Basketball-Zweitligist BV Chemnitz hat das Spitzenspiel gegen Weißenfels mit 65:79 verloren. Während der Trainer seiner Mannschaft keinen Vorwurf machte, übte der Kapitän Kritik.

Langer Applaus, aufmunterndes Abklatschen bei der Ehrenrunde der Spieler nach der Partie: Die Fans des Basketball-Zweitligisten BV Chemnitz waren zwar enttäuscht vom Ergebnis, aber offenbar nicht von der Leistung der Chemnitzer Korbjäger. Die hatten dem Erstliga-Absteiger Mitteldeutscher BC einen harten Kampf geboten, letztlich aber verdient mit 65:79 (29:33) verloren.

"Sie waren heute einfach die bessere Mannschaft", sagte Niners-Akteur Chris Carter nach der Partie. Der Sommer-Neuzugang erzielte neun Punkte, sah aber zugleich einen noch wurfstärkeren Gegner. "Der MBC hat immer dann getroffen, wenn es wichtig war. Sie haben einige sehr gute Werfer."

In der Tat erzielten vier Weißenfelser zehn oder mehr Punkte, darunter Sergio Kerusch und Andrew Warren jeweils 19 Punkte. Das war aber nicht der einzige Grund für die Überlegenheit der Gäste. Der Spitzenreiter der zweiten Liga, mit sechs ausländischen Akteuren angereist, verteidigte sehr clever. Unter dem Korb hatten es die Chemnitzer extrem schwer, zum Wurf zu kommen. Vor allem Joe Lawson biss sich häufig an der Verteidigung um den Erstliga-erfahrenen Serben Djordje Pantelic fest. Der 2,04 Meter große und 113 Kilogramm schwere Center des MBC blockte allein vier Wurfversuche der Niners. Dazu kam, dass sich die Gastgeber mehr Ballverluste (16) als die Weißenfelser (12) erlaubten und deutlich weniger ihrer Zwei-Punkte-Würfe (35 zu 52 Prozent) trafen.

Konnte die Mannschaft von Rodrigo Pastore zu Beginn der Partie dennoch gut mithalten, lag sie zu Beginn des zweiten Viertels mit zehn Punkten zurück. Bis zur Halbzeitpause kämpften sich die Niners heran und gingen nach der Unterbrechung sogar kurzzeitig in Führung (34:33). Wer auf einen ähnlichen Lauf im zweiten Spielabschnitt wie in den vorangegangenen Partien gehofft hatte, wurde aber enttäuscht. Stattdessen zogen die Gäste zu Beginn des vierten Viertels davon und entschieden so die schnelle und aggressiv geführte Partie. Dabei profitierten sie auch davon, dass Chemnitz nicht mehr durchwechseln konnte: Jonas Richter und Malte Ziegenhagen waren nach ihrem jeweils fünften Foul für den Rest des Spiels gesperrt.

Trainer Rodrigo Pastore hielt sich auf der Pressekonferenz nach der Begegnung mit Kritik an seinen Spielern zurück. "Bei uns lief nicht alles rund, aber ich möchte meinen Spielern keinen Vorwurf machen, weil sie bis zum Schluss gekämpft und wirklich alles versucht haben. Der MBC war heute halt einfach eine Nummer zu groß für uns", sagte der Argentinier.

Dem wollte sich sein Kapitännicht anschließen. Michael Fleischmann lobte zwar ebenfalls die starke Verteidigung der Gäste, sagte aber: "Das war nicht der Grund für unsere Niederlage. Wir müssen uns schon an die eigene Nase fassen." Er und seine Teamkollegen hätten zu undiszipliniert agiert, meinte der 30-Jährige. "Außerdem ging dieses Mal kein Ruck durch die Mannschaft. Vielleicht haben wir uns zu sehr darauf konzentriert, keine Fehler zu machen", sagte Fleischmann, der mit 13 Punkten bester Chemnitzer Werfer war. Der MBC sei zwar abgeklärter als sein Team aufgetreten, so Fleischmann. Überragend hätten die Gäste aber auch nicht gespielt. "Das Spiel hat niemand gewonnen, sondern wir haben es verloren."

Lange über die Niederlage nachdenken werde man aber nicht, ist sich der Kapitän sicher. "Wir haben schließlich zwei schwere Partien vor der Nase." Am kommenden Wochenende treten die Niners, die nun Tabellenfünfter sind, gleich zwei Mal auswärts an: zuerst in Crailsheim, dann in Kirchheim. Die beiden Teams belegen die Ränge vier und zwei. Dann wird sich zeigen, ob sich das Team von Pastore von der zweiten Saisonniederlage erholt hat.


Riesenfahne und prominenter Besuch - Splitter zum Derby

Mit einer rund 290 Quadratmeter (12 mal 24 Meter) großen Blockfahne (Foto) haben die Fans der Niners für eine besondere Atmosphäre beim Ost-Derby gesorgt. Die Fahne, die eine Chemnitzer Stadtsilhouette zeigt, haben Mitglieder des Fanclubs Chemnitz Crew im vergangenen halben Jahr angefertigt. Rund 20 Helfer brachten 30 Liter Farbe auf den Stoff, der anschließend gebügelt wurde. Die Fahne wiegt rund 25 Kilogramm.

Rund 2300 Zuschauer besuchten die Partie. Unter ihnen waren mit unter anderem Anton Fink, Fabian Stenzel und Philip Türpitz auch mehrere Fußballer des Chemnitzer FC. MBC-Trainer Igor Jovovic sprach nach der Partie von einer "brillianten Atmosphäre" in der Hartmannhalle.

Der MBC ist kein guter Gegner für die Niners. Die Niederlage am Samstag war bereits die sechste in der siebten Begegnung mit den Weißenfelsern in der zweiten Liga. Chemnitz gewann nur das erste Spiel: Unter Trainer Jens Künze gelang am 1. Dezember 2007 ein 93:83-Sieg. (lumm)

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