Warum ein Europameister in der Kreisoberliga kickt

Wenn am heutigen Freitag der Fußball-Kreisverband Chemnitz in Neukirchen die neue Saison eröffnet, wird ein bekannter Name auf dem Feld stehen. Nicht als Ehrengast - als Spieler.

Es geht wieder los. Mit dem Spiel der Kreisoberliga zwischen dem Vorjahresfünften SG Neukirchen/Erzgebirge und dem CSV Siegmar (Neunter der Vorsaison) eröffnet der Kreisverband Fußball Chemnitz am heutigen Freitagabend die neue Saison. In drei Ligen ermitteln bis zum kommenden Frühjahr 41 Teams ihre Meister sowie Ab- und Aufsteiger.

Eine Besonderheit gab es dabei in der Kreisliga. Durch den Rückzug des FC Arche und die Tatsache, dass aus der Landesklasse kein Absteiger in den Kreisverband Chemnitz kam, waren nur noch zwölf Teams übrig, wie es Staffelleiter Jürgen Landgraf erklärt. "Wir haben deshalb beschlossen, dass es zwei weitere Aufsteiger aus der 1. Kreisklasse gibt, wenn die Vereine das denn auch wollen", sagt er. Die Vereine wollten, und nun rücken neben den sportlichen Aufsteigern SG Adelsberg und VfL Chemnitz II auch Neukirchen II und Euba eine Liga nach oben.

Wer Blau-Weiß als Chemnitzer Stadtmeister folgt, wird in der Kreisoberliga entschieden. Auch hier ist Jürgen Landgraf als Staffelleiter verantwortlich, er tippt auf ein spannendes Titelrennen mit fünf Teams im engeren Favoritenkreis. "Ich denke, dass Eiche Reichenbrand und die zweite Mannschaft des VfB Fortuna gemeinsam mit den Rand-Chemnitzern aus Klaffenbach, Adorf und Neukirchen um den Titel spielen werden", sagt der langjährige Funktionär. Ein Team aus dem genannten Favoritenfeld muss zur Premiere zeigen, wie es mit dem Umbruch in der Sommerpause zurecht kommt: Die SG Neukirchen hat acht Abgänge zu beklagen, kann aber auch 13 neue Spieler präsentieren.

Neben sechs A-Junioren aus dem eigenen Nachwuchs sind das auch zwei Spieler mit klangvollen Namen. Der eine lautet Chukwunonso Henry Uzodinma. Der 25-Jährige stammt aus Nigeria und hat zuletzt für die dritte Mannschaft eines hoch interessanten Vereins gespielt: Unternehmer und Politiker Patrick Ifeanyi Ubah leistet sich nämlich seinen eigenen Fußballclub, der sogar so heißt wie er: FC Ifeanyi Ubah. Überregional berühmt wurde das Team, als es vor zwei Jahren gleich sechs brasilianische Kicker auf einmal in die nigerianische Liga holte. Derzeit ruht der Spielbetrieb in dem zentralafrikanischen Land allerdings, da es eine Führungskrise im nationalen Fußballverband gibt. Die beste Zeit also für Defensivmann Uzodinma, ein Studium in Deutschland aufzunehmen. "Er hat uns per E-Mail angeschrieben, ist zum Probetraining gekommen und es hat ihm gefallen", sagt Neukirchens Mannschaftsleiter Tom Tolkmitt.

Ein weiterer Neuzugang der Neukirchener hat sich in den vergangenen Jahren in und um Chemnitz mit vielen Toren einen Namen gemacht: Jörg Laskowski startete seine Karriere im Geburtsort Werdau, von wo er in die Nachwuchsabteilung des Chemnitzer FC wechselte. Von hier ging es zum BSC Freiberg, wo er in der Landesliga für Schlagzeilen sorgte und vom VfB Auerbach geholt wurde. Über die Stationen Fortuna Chemnitz, FSV Zwickau (wo er in 50 Oberliga-Spielen 14 Tore erzielte), Rapid Chemnitz und Lichtenstein ging es für den 34-Jährigen nun in diesem Sommer zu Kreisoberligist Neukirchen. "Weil ich hier in fünf Minuten von Zuhause auf dem Trainingsplatz bin", begründet Jörg Laskowski diesen sportlichen Abstieg.

"Ich habe Familie und Beruf, möchte den Fußball wirklich nur noch als Hobby betreiben", sagt der Wahl-Neukirchener, der bei der Chemnitzer Polizei arbeitet - und in dieser Funktion zuletzt große sportliche Erfolge feierte. Denn Laskowski gehört zum Kader der deutschen Polizei-Nationalmannschaft, die im Juni in Prag ihren Europameistertitel verteidigen konnte. Der Stürmer erzielte dabei zwei Tore, eines im Endspiel gegen die Auswahl Tschechiens. "Wir hatten dort eine richtig gute Mannschaft zusammen, die das Turnier sehr ernst genommen hat", sagt der Stürmer, der in Neukirchen nicht nur Mitläufer sein wird. Als Kapitän soll er der verlängerte Arm von Trainer Dirk Barsikow auf dem Platz sein. "Wenn wir alle Neuzugänge gut integrieren, können wir in der Liga eine gute Rolle spielen", sagt Laskowski. "Zunächst einmal gilt es aber, unseren eigenen Spielstil zu finden und zu verbessern." Am heutigen Abend hat sein Team die erste Gelegenheit dazu.

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