Warum ein Fußballtorwart nur noch nach Gegnern hechten will

Robert Hoffmann war einst erfolgreicher Ruderer und steht nun im Tor der Kreisligafußballer aus Limbach-Oberfrohna. Ein Schnuppertraining bei den Chemnitz Crusaders hat eine neue Leidenschaft in ihm geweckt - trotz ganz fiesem Muskelkater.

Da stehen sie nun. Kerle wie Bäume neben Jungs, die noch grün hinter den Ohren sind. Sie stehen da und schauen schüchtern in die große Weite der Leichtathletikhalle. Während ein paar Hobbysportler an diesem Donnerstagabend im überdachten Oval ihre Runden drehen, scheinen einige der jungen Männer ihre Entscheidung zu überdenken. War es eine doofe Idee, heute hierherzukommen? Immerhin sieht der da neben mir aus, als könnte er mich mit einem Arm durch den kompletten Kugelstoßring schmeißen.

Robert Hoffmann hat solche Gedanken nicht. Er sieht ja auch selbst aus wie einer, dem man nicht unbedingt ein ernst gemeintes Schimpfwort an den Bart quatschen sollte. Der 27-Jährige ist fast zwei Meter hoch, Typ Kraftpaket. Und er ist völlig entspannt. "Mal sehen, was das heute hier wird", sagt er, während er sich für das Probetraining der Chemnitz Crusaders registrieren lässt. Es geht um American Football. Und deshalb heißt das Ganze hier auch nicht Probetraining, sondern Try-out. Hoffmann wollte schon seit zwei Jahren mal mitmachen, es hat aber irgendwie nie richtig geklappt. Heute ist es soweit. Er interessiert sich für die Position des Defensive End. Das sind diejenigen, die sich als Letzte in den Gegner schmeißen, der versucht, den Ball in die Endzone zu tragen. Das sind also diejenigen, die es krachen lassen.

Robert Hoffmann ist ein netter Typ. Fröhlich erzählt er, wie er schon in der 9. Klasse 1,97 Meter groß war und es als Torhüter von Brieske-Senftenberg in die Kreisauswahl und auch die brandenburgische Landesauswahl geschafft hat. In seiner Heimat wurde er später für das Rudern entdeckt, ging mit dieser Sportart aufs Internat. Seine Ausbildung zum Physiotherapeuten und Fitnesstrainer verschlug ihn nach Limbach-Oberfrohna, wo er heute lebt und lernt und bei der Spielgemeinschaft TV Oberfrohna II/Falke Rußdorf in der Kreisliga das Tor hütet. Noch. Denn schon bald könnte er die Sportart wechseln.

Nach der Einschreibung bekommt Robert Hoffmann ein Trikot der Crusaders verpasst und wird fotografiert. "Wir wollen die Jungs ja später mit Gesichtern und Nummern zuordnen können", sagt Ralph Dietrich. Er ist der Headcoach der American Footballer, die in der abgelaufenen Saison der Mitteldeutschen Oberliga Zweiter geworden sind. "Bei den Try-outs sind in den vergangenen Jahren immer wieder Leute hängen geblieben, die jetzt bei uns spielen", sagt Dietrich noch. Dann geht es auch schon los.

Neben 21 Männern, die sich für einen Platz im Team der Crusaders interessieren, nehmen auch vier junge Burschen an der Linie Aufstellung, die ein anderes Trikot übergestülpt bekommen haben. Sie wollen bei den Varlets mitmachen - das ist das Jugendteam der Crusaders. Erik zum Beispiel will dort hin. Mit zwölf Jahren ist er der Jüngste an diesem Tag. "Beim Fußball werde ich nicht mehr aufgestellt. Mal sehen, wie es hier läuft", sagt er schüchtern. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Das Probetraining beginnt.

Nach einer Aufwärmung werden Gruppen gebildet. Die einen verschwinden im Kraftraum, die anderen sprinten auf Zeit, wieder andere schmeißen sich auf einen imaginären Gegner aus Kunststoff. Auch Passen und Fangen sowie Offensivverhalten wird geübt. "Beim Defensivtraining wurde ich gefragt, ob ich das schon mal gemacht habe, weil es wohl ganz gut aussah", sagt Robert Hoffmann. "Ich nehme das mal als halbes Lob." Weitere Anmerkungen gibt es an diesem Donnerstag nicht. "Wer nach der Einheit immer noch bei uns mitmachen will, kann gern kommen", sagt Trainer Dietrich. "Ich gehe am Dienstag auf jeden Fall zum Training", sagt Robert Hoffmann am Freitag danach. "Also - wenn ich wieder normal laufen kann. Der Muskelkater in den Beinen ist schon höllisch."

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