Warum eine U-20-Weltmeisterin den Sprung nach Chemnitz wagt

Eines der größten Talente im Sprintbereich trainiert seit Herbst im Sportforum: Corinna Schwab hat sich für den Umzug aus der bayerischen Heimat nach Sachsen entschieden. Ein Vereinswechsel kam für die 19-Jährige jedoch noch nicht infrage.

So wirklich viel hat sie von ihrer neuen Heimat noch nicht gesehen. Wie auch - Corinna Schwab war in den vergangenen Wochen vor allem damit beschäftigt, ihren Fuß wieder gesund zu bekommen, die neue Trainingsgruppe kennenzulernen, um die halbe Welt zu fliegen, das Weihnachtsfest in Bayern zu verbringen und sich an der neuen Uni zurechtzufinden. "Da blieb nicht viel Gelegenheit, mal durch die Chemnitzer Innenstadt zu bummeln", sagt die 19-Jährige. "Das wird aber auch noch."

Seit Oktober ist Corinna Schwab, eines der größten Sprinttalente der Republik, des Öfteren auf dem Gelände des Chemnitzer Sportforums anzutreffen. Die Schwandorferin hat sich der Trainingsgruppe von Sprint-Bundestrainer Jörg Möckel angeschlossen, zu der auch erfolgreiche Sportler wie Rebekka Haase, Marvin Schlegel oder Franziska Hofmann gehören. Viktoria Dönicke zählt ebenfalls dazu - mit ihr konnte Corinna Schwab ihren bisher größten Erfolg feiern. Im Juli 2018 wurden die zwei Läuferinnen gemeinsam mit Sophia Junk und Denise Uphoff über die 4 x 100 Meter Weltmeister in der Altersklasse U 20. "Das war umso überraschender, da ich eigentlich eine 400-Meter-Spezialistin bin", sagt Schwab.

Nur wenige Tage nach diesem Triumph schaffte Corinna Schwab über ihre Paradestrecke den ersten Erfolg bei den "Großen", als sie über die 400 Meter Dritte bei den Deutschen Meisterschaften wurde. Damit schaffte sie den Sprung zur Europameisterschaft in Berlin, wo sie die 4 x 400-Meter-Staffel ins Finale lief, dort aber nicht eingesetzt wurde. "Es war ein verrücktes Jahr 2018", sagt die Sprinterin. "Vor allem die Kulisse im Berliner Olympiastadion war unvergesslich."

Mit ihrem Wechsel nach Chemnitz will die junge Sportlerin nun den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen. "Hier ist alles professioneller", sagt Schwab, die nicht nur den Trainingsstandort gewechselt hat, sondern auch ihren Verein. Der neue Club heißt allerdings nicht LAC Erdgas Chemnitz, sondern LG Telis Finanz Regensburg. "Bis zum Sommer bin ich noch für meinen Heimatverein TV Amberg gestartet, der ist dann aber zu klein geworden. In Regensburg bekomme ich die Unterstützung, die ich brauche", sagt Schwab, die zum Perspektivkader des Deutschen Leichtathletikverbandes gehört. Ein kompletter Wechsel nach Chemnitz, also auch zum hiesigen Verein, kam allerdings nicht infrage. "Ich will meinen Wurzeln treu bleiben. Wenn ich bei internationalen Wettkämpfen starte, soll Regensburg als mein Verein genannt werden."

In Chemnitz fühle sie sich schon sehr wohl, sagt Schwab. "Da ich in Amberg einen Trainer aus Pirna hatte, verstehe ich auch den sächsischen Dialekt", fügt sie lachend hinzu. Die Entscheidung, zur Trainingsgruppe in Chemnitz zu stoßen, sei während der EM Anfang August gefallen - kurz vor den Vorfällen also, die das Image der Stadt nicht gerade positiv beeinflusst haben. "Von all dem Negativen, was man nach den Demos über Chemnitz geschrieben hat, habe ich hier nicht das Geringste mitbekommen", betont Corinna Schwab. "Ich hatte auch nie Bedenken, hierher zu wechseln. Ich bin hier, um Sport zu treiben und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Und das alles passt super."

Nach einem unglücklichen Start in der neuen Heimat - in einer der ersten Trainingseinheiten brach sie sich den Mittelfuß - sei sie nun voller Tatendrang für 2019. Nach einem Trainingslager in Südafrika im Dezember steht ab kommender Woche das nächste auf Teneriffa an - wieder keine Zeit also, um mal durch Chemnitz zu bummeln.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...