Was ein gutes Mountainbike ausmacht

"Freie Presse"-Redakteur Thomas Reibetanz will 2020 beim Mountainbikerennen starten. Der Weg dahin wird dokumentiert. Teil 8: Tipps vom Experten.

Nachdem es in Teil 7 dieser Serie um mein Befinden und ganz eigene Ratschläge an Amateur-Radler ging, wird es nun professioneller. Immerhin ist das "Heavy 24" kein Kindergeburtstag. Selbst im Viererteam heißt ein 24-Stunden-Mountainbike-Marathon: Mensch und Maschine werden ordentlich beansprucht. Faktor Mensch ist dabei leicht zu beeinflussen: Man muss trainieren, um sich punktgenau auf einen solchen Wettkampf vorzubereiten. Beim Faktor Maschine allerdings muss sich der Fahrer auf die Technik verlassen können, die er unter sich hat. Und hier gibt es ganz entscheidende Unterschiede.

Der Experte: Worauf es bei einem guten Mountainbike ankommt, weiß Andreas Hoblik. Er führt gemeinsam mit seinem Bruder Volker ein Fahrradgeschäft in Brand-Erbisdorf. Beide haben in den vergangenen Jahren sehr viel mit dem Radsport zu tun gehabt. Volker ist bei Rennen gestartet, Andreas ist als Begleiter verschiedener Athleten dabei gewesen und war selbst als Amateur mit dem Mountainbike unterwegs. Bei der Transalp, einem der härtesten Amateur-Rennen Europas, fuhr Volker Hoblik in diesem Jahr als Service-Mitarbeiter der Firma Scott mit. Mit diesem Fahrradhersteller pflegen die Brand-Erbisdorfer schon seit vielen Jahren eine sehr enge Zusammenarbeit.

Das Wettkampfrad: Der Start dieser Serie verlief aus heutiger Sicht recht lustig. Es ging alles damit los, dass ich einen nachrüstbaren Akku testen durfte. Mit diesem Akku kann man, so der Hersteller, jedes Fahrrad zum E-Bike umbauen. Mir wurde ein einfaches Mountainbike zur Verfügung gestellt, mit dem ich Straßen und Waldwege erkundet habe, bis der Hintern schmerzte. Anschließend ging es auf ein E-Bike der Extraklasse. Voll gefedert, neuster Schrei. Das hat Spaß gemacht, im Sinne des Trainings war es aber eher kontraproduktiv, dass ich mich kaum anstrengen musste, um auch die steilsten Berge hinaufzukommen. Und so gab es für den nächsten Schritt von den Hobliks ein Testrad der Marke Scott. Weil es ein Testrad und eben nicht extra für mich bestellt war, passte die Rahmenhöhe nicht ganz. Dennoch schaffte ich damit mein erstes Mountainbike-Rennen überhaupt und kam beim Erzgebirgs-Bike-Marathon (EBM) in Seiffen glücklich ins Ziel.

Und dann kam Dieter. Dieter ist ein rotes Scott Spark RC 900. Dieter heißt es deshalb, weil ich meinen Fahrrädern schon immer Namen gegeben habe. Mein Rennrad heißt Horst. Männernamen sind es deshalb, weil ich Dieter und Horst gern auch mal anschreie, wenn der Berg zu steil wird und ich mich quälen muss. Das würde bei Frauennamen nicht funktionieren.

Aber zurück zu Dieter. Dass ich dieses Fahrrad seit einem Monat fahren und auch zum "Heavy" im kommenden Juni nutzen darf, erhöht den Spaßfaktor an diesem Projekt um ein Vielfaches. Denn dieses Rad ist besonders - das merkt man schon auf den ersten Metern. Bei steilen Bergen muss man in die Pedale treten - das ist klar. Nach fünf Monaten regelmäßigen Trainings fällt das mittlerweile auch leichter. Doch: Wie dieses Bike die Kraft überträgt, ist schon einzigartig. "Es ist in der Branche bekannt, dass Scott den Vortrieb besser hinbekommt als die Konkurrenz", sagt Andreas Hoblik. "Dabei spielt die Geometrie des Rahmens die entscheidende Rolle. Bei deren Rädern ist die so gut, dass man viel effizienter fährt. Man merkt regelmäßig, wie das Fahrrad loszieht, wenn man in die Pedale tritt." Aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen.

Mit einem Carbon-Rahmen, der samt angebauter Technik weniger als zwölf Kilogramm auf die Waage bringt, ist das Rad zudem sehr leicht. Die Dämpfung ist in drei Stufen einstellbar, man kann das Rad also auch "hart machen". Dazu kommen eine präzise Schaltung und sehr gute Scheibenbremsen. All das ist ein weiterer Antrieb, mich bis zum Wettkampf im kommenden Jahr richtig fit zu machen. Denn wie sieht es denn aus, wenn ein kleines dickes Pummelchen so ein Rad an den Start schiebt? Apropos ...

Der Trainingszustand: Nach Urlauben, Familienfeiern und Elternzeit ist nun wieder Arbeit angesagt - also auch Dienstweg. Das Wetter hat noch mitgespielt, es sind viele Trainingskilometer hinzugekommen. Dazu kommen Einheiten auf dieser wahnsinnig effektiven und ebenso gemeinen Rüttelplatte (Power Plate). Über den Winter ist nun das große Ziel, die Ernährung umzustellen und das Fitnessstudio in den vollen Terminkalender einzubauen. Dazu sollen Kilometer auf der "Rolle" geschrubbt werden - also auf einem fest installierten Fahrrad. Ob das funktioniert - ich werde berichten.


24 Stunden im Sattel rund um den Stausee Oberrabenstein

Das Heavy 24 ist ein jährlich stattfindendes Geländerennen für Mountainbikefahrer rund um den Stausee Oberrabenstein. Ziel für jeden Einzelstarter oder jedes Team ist es, innerhalb von 24 Stunden so viele knapp 10 Kilometer lange Runden wie möglich zu fahren. "Freie Presse"-Redakteur Thomas Reibetanz will in einem Viererteam antreten. Ende Juni fand das Rennen zum 13. Mal statt. Der Sieger im Einzelwettbewerb schaffte dabei 54, das beste Zweierteam 62, das beste Viererteam 66 Runden.

2020 findet das Heavy 24 vom 26. bis 28. Juni statt. Am 6. Oktober dieses Jahres gab es dabei bereits das "Rennen vor dem Rennen", denn die Anmeldungen konnten online vorgenommen werden. In allen Kategorien waren die 290 Startplätze binnen weniger Minuten vergeben - die 70 Plätze bei den Einzelstartern waren dabei in Rekordzeit von 2:37 Minuten voll. Bei den Mannschaften gibt es neben den bewährten Zweier-, Vierer- und Achterteams im nächsten Jahr erstmals auch Sechserteams. (tre)

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