Weite Anreise zu einem ungewöhnlichen Turnier

Beim Racket-Marathon im Stadtparkcenter hat Sönke Kaatz seinen Titel verteidigt. Für den jungen Norddeutschen war der Wettbewerb in mehrfacher Hinsicht lohnenswert - was nichts mit Geld zu tun hatte.

Verbissen ging es nicht zu, gesunder Ehrgeiz war beim Racket-Marathon im Sportcenter am Stadtpark aber schon an der Tagesordnung. Auch bei Sönke Kaatz, der ab und an kurze Gefühlsausbrüche hatte. "Das gibt's doch nicht!", rief der 27-Jährige aus Buxtehude beispielsweise, als ihm während eines Badminton- Duells drei Stockfehler in Folge unterliefen. Am Ende des fast 15-stündigen ungewöhnlichen Turnier- marathons durfte er am Samstag kurz vor Mitternacht jedoch jubeln: Er hatte seinen Titel verteidigt.

Sönke Kaatz hat eine Vorliebe für Sportarten, die mit Schläger ausgeübt werden. Damit ist ihm der Racket-Marathon in Chemnitz praktisch auf den Leib geschneidert. Der Wettbewerb besteht schließlich aus den sechs Disziplinen Tennis, Squash, Crossminton, Badminton, Ricochet und Tischtennis - allesamt Sportarten, für die man einen Schläger (Racket) benötigt.

Für den jungen Norddeutschen gab es nur ein kleines Problem: "Ricochet ist schwierig für mich. Das ist ein Sport, der nur regional hier in der Gegend ausgetragen wird. Im Umkreis von 300 Kilometern kenne ich bei mir zu Hause keinen Verein, der diese Sportart anbietet", berichtete Kaatz. Zur Erklärung: Ricochet ist ein Rückschlagsport, der dem Squash ähnelt. Zwei Kontrahenten duellieren sich in einem geschlossenen Raum. Beide Aktive benutzen dasselbe Spielfeld. Ziel ist es, den Ball so zu schlagen, dass der Gegner ihn nicht mehr regelgerecht zurückspielen kann.

Beim Racket-Marathon in Chemnitz konnte der Mann aus Buxtehude allerdings auch seine Sahnedisziplin bestreiten: Crossminton. Kaatz hat in dieser Sportart schon groß abgeräumt, ist unter anderem Deutscher Meister und Vize-Europameister im Einzel sowie Weltmeister 2017 im Doppel mit dem Wolfsburger Robin Joop. "Crossminton wird mit einem Squash-ähnlichen Schläger, einem Badminton-ähnlichen Ball und auf einem Tennis-ähnlichen Feld gespielt, nur ohne Netz", erklärte der 27-Jährige. In dieser Randsportart wird das Spielgerät schon mal mit gut 300 km/h Richtung gegnerische Hälfte gepfeffert. Kaatz gehört zur deutschen Nationalmannschaft, mit der er kommendes Wochenende mit großen Hoffnungen in Prag beim Nations Cup antritt. "Wir zählen zu den Favoriten", sagte der Norddeutsche.

Dass er eine Woche zuvor zum zweiten Mal beim Chemnitzer Racket-Marathon antrat, hatte auch private Gründe. "Ich habe einen sehr guten Freund in Bautzen, den ich besuche und der hier ebenfalls mitspielt", erzählte Kaatz. Zur Finanzierung seiner Reise nach Sachsen konnte der Erfolg im Stadtparkcenter nicht beitragen. Bei der Frage, ob er eine Siegprämie mit dem veranstaltenden Chemnitzer Ricochet-Club ausgehandelt hat, schüttelte Kaatz den Kopf. "Es gibt keine Prämien. Das ist reines Hobby, und die Kosten müssen immer selbst getragen werden. Auch bei den Crossminton-Turnieren zahlen wir inklusive der Startgebühren alles selbst."

Lohnend sind die Wettbewerbe für den Aktiven aus Buxtehude, der beruflich in einem Gesundheits- und Rehastudio tätig ist, wegen des hohen Spaßfaktors aber dennoch. "Und man gewinnt europaweit Freunde. Die Sportler beim Crossminton sind wie eine große Familie", betonte der Nationalspieler.

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