Wettkampfauftakt bei 15 Grad - und mit einem Ihle-Duell

Nico und Denny Ihle haben den Eröffnungswettbewerb der sächsischen Eisschnellläufer im Küchwald angeführt - und sich große Ziele gesetzt. Indes zeigte die Freiluftbahn, die 2020 saniert werden soll, ihre Tücken.

Zu Beginn sah es nach einer kleinen Überraschung aus. "Auf den ersten 100 Metern habe ich ihn gut abgekocht. Dann ist er vorbeigezogen", sagte Denny Ihle. Der, der ihm über 500 Meter doch noch den Sieg wegschnappte, war sein Bruder Nico. Die beiden eröffneten am Samstag mit ihrem Bruder-Duell die Wettkampfsaison auf der Eisschnelllaufbahn im Küchwald. Dort absolvierten rund 100 Sportlerinnen und Sportler von der Altersklasse 11 bis zu den Erwachsenen ihre ersten Rennen in Sachsen. Viele von ihnen feuerten das prominente Duo bei seinem Lauf an. Die Jüngeren nutzten die Gelegenheit, sich ein Autogramm zu holen.

"Es macht Spaß, in der Heimat zu laufen, dort, wo man das Eislaufen gelernt hat", meinte Denny Ihle. Er, sein Bruder und viele andere Eisläufer aus Sachsen, darunter Talente des gastgebenden Eisschnelllaufclubs Chemnitz (ECC), hatten sich in der Woche zuvor bei einem Trainingslager in Inzell vorbereitet - in einer Halle. Am Samstag ging es auf die Freiluftbahn - ein schwieriges Unterfangen. Denn statt wie in den Tagen zuvor um die null Grad zeigte das Thermometer nun milde 15 Grad an. "Das Eis war zu warm, man konnte nicht so gut gleiten", erklärte Denny Ihle. Die Zeiten von 37,13 Sekunden für ihn und 36,85 Sekunden für seinen Bruder waren auf den ersten Blick nicht überzeugend. "Sie waren aber auch nicht so schlecht, in einer Halle wären wir mit dem Lauf wohl zwei Sekunden schneller gewesen", sagte Nico Ihle.

Er und sein Bruder bereiten sich auf die Deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende in Inzell vor. Er wolle "vorne mitlaufen", sagte der 33-jährige Nico Ihle. Sein ein Jahr älterer Bruder sieht die Meisterschaften als "Sprungbrett zu den Weltcups", bei denen er antreten will. Nico Ihle, der 2017 Silber bei der Weltmeisterschaft gewann, peilt zudem eine gute Platzierung bei der WM in dieser Wintersaison an. Und er verriet, dass er noch lange nicht ans aufhören denkt, sich stattdessen große Ziele gesetzt hat: "Stand jetzt habe ich das Ziel, bei Olympia 2022 dabei zu sein."

Das dürfte viele in seiner Heimat freuen, für die er ein Vorbild ist. So wie Richard Schreiter vom ECC. Der 15-Jährige kam vor fünf Jahren über den Schulsport zum Verein, trainiert nun zweimal täglich, zuweilen im Beisein der Ihle-Brüder. "Da ist man manchmal etwas aufgeregt", sagte Schreiter. Im Februar 2018 hat er mit der Goldmedaille bei den Deutschen Meisterschaften in der Altersklasse 13 seinen größten Erfolg gefeiert. Dann folgte eine lange Durststrecke. "Ich habe die komplette vergangene Saison wegen einer Knie-Operation ausgesetzt", berichtete der Chemnitzer. Am Samstag schaffte er auf der Bahn im Küchwald sein Ziel, über 500 Meter unter 44 Sekunden zu bleiben, war über die doppelte Distanz aber langsamer als erhofft. Sein Trainer war dennoch zufrieden. "Für den Einstieg nach so langer Zeit war das gut", meinte Tony Seidenglanz.

Er zog ein positives Gesamtfazit des Wettkampftages, verwies aber auf die schwierigen Bedingungen. "In der zweiten Wettbewerbshälfte hat der Wind Laub auf die Kurven geweht. Das war schon ein bisschen grenzwertig", sagte Seidenglanz. Es habe einige Stürze gegeben, aber keine ernsthaften Verletzungen.

Auch in Anbetracht dieser Bedingungen setzt der 30-jährige Übungsleiter große Hoffnungen in den geplanten Umbau der 400-Meter-Bahn. Sie soll ab kommendem Jahr für rund 8,7 Millionen Euro komplett erneuert und zudem überdacht werden. Das sei dringend nötig, sagt Seidenglanz. Er betreut 16 Talente, Nachwuchssorgen gibt es nach seinen Aussagen nicht. "Mit 16, 17 Jahren müsste man die Sportler und Sportlerinnen aber eigentlich an einen Stützpunkt abgeben, wo es eine Halle gibt", erklärt der Landestrainer. Denn die biete konstant gute Trainingsmöglichkeiten. Mit einer modernen und überdachten Bahn könne man die Athleten hier halten und womöglich neue Läufer und Trainer nach Chemnitz lotsen. "Der Stützpunkt würde im nationalen Vergleich aufgewertet", so Seidenglanz. Die Eisschnelllaufausbildung in Sachsen werde nach dem Umbau wohl in Chemnitz konzentriert, sagt er. "Und vielleicht bekommt man ja sogar eine großen nationalen oder internationalen Wettkampf hier her." Nico Ihle hätte nichts dagegen. Auch er wartet auf den Bahnumbau. "So richtig glaube ich aber erst daran, wenn es losgeht."

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    cn3boj00
    06.11.2019

    Auf wundersame Weise ist mein Kommentar, der schon hier stand, verloren gegangen. Deshalb schreibe ich nie mehr direkt in das Formular. Nn versuche ich es mit einer Weiderholung.
    "So richtig glaube ich aber erst daran, wenn es losgeht" sagt Nico Ihle zum Bahnumbau, und spricht damit vielen aus dem Herzen. Der Umbau wurde 2016 in den Doppelhaushalt aufgenommen, passiert ist noch nichts. D.h. der Bau muss jedes mal neu durch den Stadtrat, und wer weiß ob dann noch Geld da ist? Angesichts der Verteuerungen überall muss ja irgendwo gespart werden. Vielleicht steckt man das Geld ja lieber in das Erfenschlager Bad, das wichtiger erscheint als Investitionen, die allen Chemnitzern zugute kommen? Der Eigentümer der Bahn, die Eissport- und Freizeit-GmbH hat wohl nur an den Einnahmen durchs öffentliche Eislaufen Interesse. Dass es hier auch um den Olympiastützpunkt geht, darum dass Sachsen all die Jahre der beste deutsche Nachwuchsverband beim Eisschnelllauf war, geht am H… vorbei. Wie sonst ist es zu erklären, dass den vielen jungen Sportlern, den Trainern und den zahlreichen Besuchern nicht mal eine Bockwurst zur Stärkung geboten wurde? Einen solch schlechten Service gibt es in ganz Deutschland übrigens nur auf der Chemnitzer Eisbahn.



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