Wie der CFC-Torhüter tickt

Jakub Jakubov hat maßgeblichen Anteil an der klaren Tabellenführung der Himmelblauen, die am Sonntag in Bischofswerda spielen. Der 29-Jährige kassierte in der bisherigen Regionalligasaison erst elf Gegentreffer. Auf die Frage, wie viele davon haltbar waren, hat der gebürtige Slowake eine spezielle Antwort parat.

Wie heißt es unter Fußballern: Torhüter und Linksaußen sind die verrücktesten Typen, bei denen oftmals ein paar Schräubchen locker sind. Jakub Jakubov kennt diesen Spruch. Der 29-jährige gebürtige Slowake mit tschechischem Pass ist Torwart, hütet seit dieser Saison das Gehäuse des Chemnitzer FC. Und wie: Mit einer Vielzahl sehenswerter Paraden hat Jakubov wesentlichen Anteil an der klaren Tabellenführung der Himmelblauen, die am Sonntag ab 13.30 Uhr zum Punktspiel in Bischofswerda antreten müssen.

Aufgrund seiner Position stellt sich die Frage, welche Macken der 1,94 Meter große Schlussmann des CFC denn so hat. Jakubov zuckt mit den Schultern. "Da müssen Sie meine Kollegen oder Max fragen", sagt der Blondschopf. Mit "Max" ist Maximilian Glös, Pressesprecher des Regionalligisten, gemeint. Und der grübelt kurz. "Macken habe ich bei Jakub noch nicht entdeckt. Auf jeden Fall ist er auf dem Feld der mit Abstand Lauteste. Da ist man überrascht, dass er nach den Spielen noch ausreichend Stimme hat", bemerkt Glös. Auch mit dem Stichwort Aberglaube ist Jakubov nicht aus der Reserve zu locken. "Ich ziehe immer den linken Schuh zuerst an. Bei den Handschuhen ist es genauso, zuerst ist der linke dran. Doch das ist kein Aberglaube - es sind meine Abläufe", erklärt der Keeper mit einem verschmitzten Lächeln.

Jakubov kam im slowakischen Kosice zur Welt. Dass aus ihm mal ein Fußballer wird, war von vornherein klar. Allein schon wegen Großvater Jan, "der Spieler, Trainer und Schiedsrichter war", erzählt Jakubov. Mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Alexander wurde gekickt, was das Zeug hielt, wobei Jakub die Variante des Standfußballs bevorzugte. "Ich war als Kind klein und fett, wollte nicht laufen. Also bin ich ins Tor gegangen", beschreibt der heutige CFC-Profi seinen Karrierestart zwischen den Pfosten. In seiner Laufbahn als Torwart sollte er viel herumkommen. Nach anfänglichen Engagements bei Clubs seiner Geburtsstadt Kosice stand Jakubov später unter anderem beim FK Austria Wien, bei Dukla Prag und in Deutschland bei Viktoria Berlin und Budissa Bautzen unter Vertrag. Bevor er im Sommer 2018 nach Chemnitz kam, war er für den Berliner AK aufgelaufen - in dieser Saison der womöglich härteste Kontrahent der Himmelblauen im Kampf um Platz eins.

Was den fast 30-Jährigen besonders auszeichnet, ist neben ansprechenden sportlichen Leistungen seine Bescheidenheit. Das wird schnell klar, wenn man mit Jakub Jakubov über den bisherigen Saisonverlauf spricht. Ob er sich in der Form seines Lebens befindet, lautet eine der Fragen. "Wir haben ja noch nicht einmal die Hinrunde beendet. Da ist kein Fazit möglich, weder was die Mannschaft noch was einzelne Spieler betrifft", sagt Jakubov. Von der klaren Tabellenführung des CFC lässt er sich nicht blenden. "Wir sollten demütig und hochkonzentriert bleiben. Jeder Gegner in der Regionalliga ist gefährlich", unterstreicht der Wahl-Chemnitzer.

Das betreffe auch den nächsten Kontrahenten Bischofswerda, gegen den die Himmelblauen am vorigen Wochenende im Landespokal ihre liebe Mühe und Not hatten, mit Ach und Krach 2:1 gewannen. Die morgige Partie in Bischofswerda ist zudem das Punktspiel Nummer eins nach der ersten Saisonniederlage, dem 0:1 gegen Viktoria Berlin. Ist die Mannschaft jetzt ein wenig verunsichert? Der Torhüter verneint heftig. "Die Niederlage hat zunächst wehgetan. Wir waren sauer und enttäuscht, auch weil es zu Hause vor unseren Fans passiert ist. Doch wir haben dieses Spiel längst abgehakt", versichert Jakubov.

In 16 Regionalligapartien musste er erst elfmal hinter sich greifen. Wie viele der Gegentreffer haltbar waren, vermag der Keeper nicht zu sagen. Stattdessen stellt er fest: "Grundsätzlich ist fast jedes Gegentor vermeidbar." Dafür müssten jedoch nicht nur der Torhüter und die Abwehrreihe sorgen - für die Defensive seien prinzipiell auch Mittelfeld und Angriff zuständig. Aus Sicht von Jakubov gibt es ins- gesamt gesehen nicht viel zu meckern. "Wir können mit der bisherigen Saison zufrieden sein. Jetzt heißt es, die restlichen drei Spiele bis Weihnachten genauso professionell anzugehen", betont der 29-Jährige.

In seiner derzeitigen Wahlheimat Chemnitz fühlt er sich trotz der unrühmlichen Ereignisse nach dem Stadtfest wohl. "Ich finde die Innenstadt schön. Allerdings bin ich selten unterwegs. Ich bleibe in der Freizeit lieber zu Hause und lege die Beine hoch", sagt Jakubov. Er schaut sich für sein Leben gern Serien an. "Online, denn einen Fernseher habe ich nicht", erzählt er. Den Hinweis, dass es in der City ein tschechisches Restaurant mit vielen Biersorten gibt, nimmt Jakubov äußerst gelassen zur Kenntnis. "Ich mag kein Bier. Bei einem Besuch auf dem Oktoberfest in München habe ich mal eins bestellt - es dauerte lange, bis ich ausgetrunken hatte", berichtet der Fußballprofi, der sich als Jugend- licher mehr als Slowake fühlte. "Ich bin dort aufgewachsen. Mittlerweile ist aber Prag mein Zuhause, und ich sehe mich eher als Tschechen", erklärt Jakubov, der beide Staats- bürgerschaften besitzt.


Zwei Spieler fallen aus

Bei der Dienstfahrt nach Bischofswerda werden zwei Profis des Chemnitzer FC am morgigen Sonntag ihre Spielkleidung zu Hause lassen. Tobias Müller, der im Pokalduell mit diesem Kontrahenten am vergangenen Samstag noch Schütze des 2:1-Siegtores war, hat sich eine starke Zerrung mit einem leichten Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und wird definitiv ausfallen. "Ich hoffe, dass er im letzten Heimspiel des Jahres gegen Babelsberg wieder einsatz- bereit ist. Jetzt muss er erst mal wieder auf die Beine kommen", sagte CFC-Cheftrainer David Bergner am Freitag. Zudem plagt sich Joannis Karsanidis mit einem Infekt herum und muss Bergner zufolge ebenfalls zuschauen. "Wir werden dennoch eine vernünftige Mannschaft aufs Feld schicken", versicherte der Coach der Himmelblauen, die als Tabellenführer zehn Punkte Vorsprung zum Berliner AK haben.

Wer die beiden Kicker in der Startelf vertreten wird, wollte Bergner nicht verraten. "Es gibt einige Optionen", sagte er und nannte unter anderen Jakob Gesien, Paul Milde und Timo Mauer. "Ich habe Vertrauen zu den Jungs. Jetzt werden sie rein- geschmissen und sollten funktionieren", bemerkte der 44-Jährige. Bischofswerda werde ebenso seine Lehren aus dem Pokalspiel vor einer Woche gezogen haben wie die Chemnitzer, ist Bergner überzeugt. "Ich denke, dass der Gegner vor allem versucht, uns mit schnellen Tempogegenstößen vor Probleme zu stellen. Das hat er schon während der Pokalpartie praktiziert", sagte der CFC-Trainer.

Nach ihrem Auftritt am morgigen Sonntag haben die Himmelblauen noch zwei Begegnungen zu bestreiten, bevor es in die Winterpause geht. Am 2. Dezember fährt das CFC-Team zum Rückrundenstart nach Fürstenwalde. Die letzte Partie im Kalenderjahr steigt am 8. Dezember ab 13.30 Uhr an der Gellertstraße gegen den SV Babelsberg. Eintrittskarten für dieses Heimspiel sind in den Shops der "Freien Presse" erhältlich. (kbe)

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