Wie der Chemnitzer FC aus der Finanzkrise kommen kann

Auf der Suche nach Geldquellen wird beim Drittligisten auch ein Benefizspiel ins Auge gefasst. Es wäre nicht das erste Mal in der städtischen Fußball-Geschichte, dass ein Verein auf diese Weise vor dem Sturz ins Bodenlose bewahrt wird.

Als sich gestern der Mannschaftsbus des Chemnitzer FC in Bewegung setzte, fuhr ein leichtes Unbehagen mit. Auch wenn Spieler und Trainer beteuern, sich ausschließlich auf ihren sportlichen Job konzentrieren zu wollen, können sie die prekäre Finanzlage ihres Vereins nicht ganz ausblenden. "Die Situation ist natürlich ein Thema in der Mannschaft. Aber trotz des hohen Wellengangs wird sie versuchen, das Maximale herauszuholen", betonte Sportdirektor Stephan Beutel vor der heutigen Auswärtspartie bei Preußen Münster.

Mit Erfolgen auf dem Platz würde das Team dem Klub am allermeisten helfen, fügte Beutel hinzu. Allen Beteiligten sei bewusst, dass ein Aufstieg in die 2. Bundesliga mit den damit verbundenen Fernsehgeldern im oberen einstelligen Millionen- bereich die Lösung der finanziellen Probleme wäre. Allerdings dürfe man die Mannschaft damit nicht zu sehr unter Druck setzen. "Wir müssen verhindern, dass die Beine schwerer werden. Die Spieler brauchen eine gewisse Lockerheit, wenn wir weiter oben mitspielen wollen", sagte Beutel. Diesen Spagat zu schaffen, sei jetzt eine seiner vordergründigen Aufgaben.

Unterdessen wird beim Drittligisten an einem Sanierungskonzept gearbeitet. Zur Schließung des Finanzlochs der Himmelblauen sei auch ein Benefizspiel denkbar, ließ Vorstandsvorsitzender Mathias Hänel auf "Freie Presse"-Anfrage durchblicken. "Das ist ein interessanter Gedanke, wenn er sich denn realisieren lässt", sagte Hänel. Auch aus Sicht von Sportdirektor Beutel ist dies eine Idee, "die man auf keinen Fall ausschließen sollte". Konkret darüber gesprochen habe man im Verein noch nicht.

Den Charakter eines Benefizspiels könnte bereits die vor einigen Wochen vereinbarte Begegnung mit dem FC Schalke 04 am 14. Januar in der Community4you-Arena an der Gellertstraße bekommen. "Ich hoffe, dass dieses Spiel gegen einen hochattraktiven Gegner sehr gut besucht sein wird. Eine Woche vor dem Bundesliga-Start reisen die Schalker auf jeden Fall in Bestbesetzung an", unterstreicht Beutel. Unabhängig von der mittlerweile eingetretenen Krisensituation sei der Bundesligist dem CFC weit entgegengekommen und überlasse den Chemnitzern den Großteil der Einnahmen aus dieser Partie.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein städtischer Fußball-Verein auf diese Weise vor der Pleite bewahrt wird: 2003 war es dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen VfB Chemnitz gelungen, den FC Bayern München für eine Benefizpartie zu gewinnen. Mehr als 18.000 Zuschauer verfolgten damals die Begegnung im Sportforum. Mit den Einnahmen konnte die drohende Insolvenz des Vereins abgewendet werden.

Das Freundschaftsspiel gegen den deutschen Rekordmeister, der mit nahezu voller Kapelle anreiste, war auf ungewöhnliche Weise zustande gekommen. Zwei Kinder, Rick und Roy Furchner, hatten die Bayern um Hilfe gebeten, um ihren Verein zu retten. Die damals Elf- beziehungsweise Siebenjährigen fuhren im Dezember 2002 zum Training nach München. Ihr Hoffnungsträger hieß Michael Ballack, der seine Karriere beim VfB Chemnitz begonnen hatte und zu jener Zeit beim FC Bayern spielte. "Wir haben ihm eine Mappe mit Unterschriften aus dem Verein übergeben", erzählte Rick Furchner später. Ballack habe die Mappe mit in die Kabine genommen. "Als er eine gute halbe Stunde später mit dem Auto wegfuhr, lag sie auf dem Beifahrersitz. Da wuchs unsere Hoffnung, dass es klappen könnte", sagte Rick. Und das Unglaubliche geschah: Im Frühjahr 2003 ging beim VfB ein Brief mit der Zusage des FC Bayern ein. Der inzwischen verstorbene Frank Motzkus, zum damaligen Zeitpunkt Chemnitzer Bürger- meister und Präsident des VfB, sprach von einem Wunder - das vielleicht auch der CFC demnächst gut gebrauchen könnte.


Top-Klub als Helfer in der Not

Vor allem Rekordmeister FC Bayern München hat mit Benefizspielen mehreren Klubs auch in den neuen Bundesländern geholfen, sich wirtschaftlich zu sanieren. Die Bayern traten unter anderem bei Dynamo Dresden, Rot-Weiß Erfurt und Hansa Rostock an. Mit ihrem Auftritt in Rostock im Juli 2013 spülten die Bayern rund eine Million Euro in die Vereinskasse der zu jener Zeit finanziell schwer angeschlagenen Ostseestädter.

Aufgrund des prall gefüllten Terminkalenders der Spitzenklubs wird es allerdings immer schwieriger, namhafte Gegner zu verpflichten. Meist ist dies nur langfristig möglich. So hatte der FC Hansa Rostock die Zusage des FC Bayern für die Benefizpartie im Mai 2012 erhalten - 14 Monate vor dem Spieltermin. (ms)

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