Wie junge Basketballerinnen Idole im eigenen Verein finden

Die Chemcats sind vom Landessportbund Sachsen als Talentstützpunkt des Jahres geehrt worden. Mit der Auszeichnung verbindet der Verein die Hoffnung, mehr Mädchen für den Basketballsport begeistern zu können.

Chiara ist für ihre 13 Jahre nicht gerade groß gewachsen - die 1,70 Meter wird sie wohl auch nicht mehr erreichen. Und dennoch: Die große Leidenschaft des jungen Teenagers ist der Basketballsport - der Sport also, bei dem größere Spielerinnen absolut im Vorteil sind, weil sie den Ball leichter in den in drei Metern Höhe befestigten Korb werfen können. "Dass Chiara so klein ist, macht aber nichts", sagt Thomas Seltner. "Sie ist dafür eine Kämpfernatur, eine echte Beißerin. Und auch sie wird bei uns sicher ihren Weg gehen."

Seltner muss es wissen. In den vergangenen Jahren hat er beim Chemnitzer Frauenbasketballverein Chemcats schon viele Talente trainiert und geformt. Er gehört zu einem kleinen Team, das jetzt auf großer Bühne ausgezeichnet wurde: Zur Sportlergala des Sächsischen Landessportbundes sind die Chemcats als Talentstützpunkt des Jahres geehrt worden. "Der Basketball-Verein hat im Laufe der Zeit zahlreiche Jugend- und A-Nationalspielerinnen hervorgebracht und zeichnet sich durch eine hervorragende Nachwuchsarbeit aus", heißt es in der Begründung für die Verleihung des Preises, mit dem 2500 Euro Fördergelder verbunden sind.

"Die Auszeichnung kam überraschend und hat uns sehr gefreut", sagt Andreas Wagner, Präsident der Chemcats. "Sie ist Bestätigung für die langjährige gute Arbeit im ganzen Verein. Wir hoffen, dass wir dadurch noch mehr Mädels für unseren Sport begeistern können." 2009 habe man sich ein selbst geschriebenes Konzept auferlegt, nach dem alle Trainer handeln müssen, sagt Wagner. Inhalt sei unter anderem, dass in allen Mannschaften - von der Jugend bis zum Frauenbundesligateam - mit gleichen Inhalten und nach der gleichen Philosophie trainiert wird. Zudem mache das individuelle Training für die Talente einen wichtigen Punkt in der täglichen Arbeit mit den Mädchen und Frauen aus, betont Wagner. "Unsere Trainer müssen alle eine Lizenz vom Fachverband haben und stimmen sich regelmäßig über Trainingsinhalte ab. Nur so konnten wir Nationalspielerinnen hervorbringen und das Bundesligateam mit Mädels aus unserem Nachwuchs verstärken."

Eine, die aus dem eigenen Nachwuchs kommt und jetzt zu den Aushängeschildern des Bundesligateams gehört, ist Lucile Peroche. Die 20-Jährige stammt aus Dresden, wo sie zeitig mit dem Basketballsport begann, dann aber keinen Verein fand. Nach einem Probetraining landete sie bei den Chemcats, besuchte ab der achten Klasse das Sportgymnasium in Chemnitz und durchlief alle Nachwuchsteams. Mittlerweile gehört die Mathematikstudentin zu den Leistungsträgerinnen des Frauenbundesligateams und gilt als Vorbild für die jüngeren Spielerinnen im Verein. "Die Ausbildung in Chemnitz passt, weil hier Schule und Sport gut vereinbar sind, dazu haben wir gut ausgebildete Trainer", sagt die Basketballerin, die 2018 mit der deutschen U-20-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft am Start war - ebenso wie ihre Vereinsgefährtin Elea Gaba.

Mit diesen zwei Spielerinnen trainieren zu dürfen - das ist auch für Meike Ludwig etwas Besonderes. "Seit ich Basketball spiele, schaue ich besonders zu Lucile auf. Ich will mal das erreichen, was sie erreicht hat", sagt die 15-jährige Chemnitzerin. Für Trainer Thomas Seltner ist das ein weiterer entscheidender Punkt für gute Nachwuchsausbildung. Er sagt: "Nur wenn du im eigenen Club ein Frauenteam mit Topniveau hast, kannst du die Talente zusätzlich motivieren."

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