"Wir brauchen zwingend Spitzensport in Chemnitz"

Chem-Cats-Präsident Andreas Wagner über seine Ansätze, die aktuellen Probleme im Mannschaftssport zu lösen

Es gibt derzeit nur wenige gute Nachrichten aus den Vereinen der Stadt: Der CFC ist pleite. Die Boxer ziehen sich aus der 1. Bundesliga zurück, die Volleyballerinnen aus Liga drei. Die Zweitligabasketballer der Niners haben die anvisierten Playoffs ebenso verpasst wie die Eishockeyspieler der Crashers. Floorballer und Handballerinnen spielten oder spielen gegen den Abstieg. Einzig die Basketballerinnen der Chem-Cats haben es in die Playoffs geschafft. Doch auch deren Präsident macht sich aktuell große Sorgen, wie er im Gespräch mit Thomas Reibetanz betont.

Freie Presse: Herr Wagner, im Gegensatz zu fast allen anderen Vereinschefs könnten Sie sich zurücklehnen. Ihre Chem-Cats haben es in die Playoffs der Bundesliga geschafft und standen im Pokal-Finalturnier. Warum machen Sie sich dennoch Sorgen?

Andreas Wagner: Es ist die allgemeine Entwicklung im Chemnitzer Mannschaftssport, die mir große Sorgen bereitet. Nicht erst jetzt, wo es aus so vielen Vereinen schlechte Nachrichten gibt. Ich beobachte schon länger, dass es immer problematischer wird, den Spagat zwischen Nachwuchsförderung und erfolgreichem Leistungssport im Erwachsenenbereich zu schaffen.

Ist es denn aber nicht besser, sich auf den Nachwuchs zu konzentrieren statt einen teuren Ligabetrieb finanzieren zu müssen - so, wie es jetzt einige Clubs wollen?

Das eine geht ohne das andere nicht. Wir brauchen zwingend Spitzensport in Chemnitz. Wir haben, und das möchte ich betonen, in der Stadt sehr gute Voraussetzungen für den Mannschaftssport. Tolle Hallen, die Sportschulen, das neue Internat. Für die Entwicklung der Nachwuchses ist das gut. Aber was nützt das alles, wenn sich dann im Erwachsenenbereich keine Perspektiven bieten, um weiter in der Stadt zu bleiben?

Wie sich gerade zeigt, ist die Bundesliga aber zu teuer für so manchen Verein. Warum klappt es bei den Chem-Cats?

Weil unser Verein ehrenamtlich geführt wird. All unser Geld stecken wir in den Sport. In die Mannschaften und in unsere Trainer, die den Nachwuchs ausbilden. Nur so konnten wir in den vergangenen Jahren viele Eigengewächse einbauen. Dazu haben wir einen großen Pool an Sponsoren. Erst kürzlich haben sich 30 dieser Unternehmen zusammengetan, um uns einen neuen Kleinbus zu finanzieren. Das ist großartig. Nur so funktioniert das.

Und warum klappt das bei anderen Vereinen nicht?

Das weiß ich nicht. Und ich will mich auch nicht erdreisten, das zu bewerten. Nur eines ist derzeit festzustellen. Durch die Pleite des CFC und die Querelen dort in den vergangenen Jahren hat das Vertrauen der Wirtschaft in den Sport stark gelitten. Es wird dadurch nicht leichter, Unterstützer zu finden.

Was also kann getan werden?

Ich bin dafür, dass sich alle Vereine mit der Stadt an einen Tisch setzen. Es ist doch so: Wenn wir attraktiven Spitzensport in Chemnitz haben, ist das ein Aushängeschild für die Stadt. Wenn wir junge Leute, die hier in den Nachwuchsabteilungen ausgebildet wurden, an die Chemnitzer Vereine binden können, ist das Werbung für die Stadt. Das geht aber nur, wenn wir auch Spitzensport haben.

Also fordern Sie finanzielle Unterstützung von den öffentlichen Hand?

Ja. Und zwar gerecht verteilt für alle Vereine. Ich höre immer, dass es gut steht um die Stadtfinanzen. Dann muss es möglich sein, noch mehr in den Sport zu investieren. Als Zuschuss für die Absicherung eines Ligabetriebs auf hohem Niveau zum Beispiel.

Aber wo fängt man da an und wo hört man auf? Gibt es für solch eine Runde nicht zu viele Vereine und Interessen in der Stadt?

Ich denke nicht. Für eine Stadt mit 250.000 Einwohnern gibt es hier nicht zu viele Vereine. Und wer am Ende in welcher Art von einer solchen Förderung bekommen könnte - genau das gilt es ja zu besprechen. Ich würde mir wünschen, dass nicht erst weitere Chemnitzer Vereine von der überregionalen Bildfläche verschwinden, bis etwas geschieht.


Andreas Wagner

Der 57-Jährige stammt aus Milkau und arbeitet in seinem Heimatort

sowie in seinem Büro in Chemnitz als Versicherungsvertreter. Der Familienvater ist seit 2010 Präsident der Chem-Cats, seit 2008 leitet er den SV Union Milkau als Vorsitzender. Zudem engagiert sich Wagner politisch, vor zwei Jahren kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters von Erlau. Dort gewann er sogar den ersten, allerdings nicht mit der erforderlichen Mehrheit. Im zweiten Durchgang unterlag er dann. (tre)

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