133 Fehltage, aber gutes Abi

Hanna-Michéle Hermann gehört zu Deutschlands Biathlon-Hoffnungen. Doch nicht nur sportlich hat sie 2019 überzeugt.

Lößnitz.

Das Jahr 2019 wird Hanna-Michéle Hermann in mehrfacher Hinsicht nicht so schnell vergessen. Erst trumpfte sie Ende Januar im slowakischen Osrblie bei der Junioren-WM auf, erzielte dabei im Einzel unter 100 Starterinnen die beste Laufzeit und gewann mit der deutschen Staffel die Silbermedaille. Doch nach einem ordentlichen Herbst folgte am Jahresende der Einbruch. "Wir haben wohl zu viel gewollt", analysiert es mit etwas Abstand die seit einigen Tagen 20-Jährige.

An der Fröhlichkeit in ihrer Stimme ist zu erkennen, das sie das Tief überwunden hat. Deshalb aber ist sie nicht ausgezeichnet worden. Nein, Grundlage waren die Erfolge zu Jahresbeginn und auch die in der Schule. Denn nebenher musste das Mädchen aus dem Lößnitzer Ortsteil Grüna ihr Abitur meistern, kurz nach dem Weltmeisterschaftsstress sozusagen. "Mit einem Notendurchschnitt von 2,3 hat sie dies ganz ordentlich geschafft. Angesichts von 133 Ausfalltagen in der Abiturausbildung ist dies um so höher einzuschätzen", macht Jens Römling von der Erzgebirgssparkasse deutlich. "Die Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt die Eliteschulen mit einer Fördersumme von 7000 Euro an jedem der 43 Standorte in Deutschland. Seit 1997 ebnet sie auch damit jungen Talenten den Weg zu sportlichen Spitzenleistungen und qualifizierten Bildungsabschlüssen." Die Erzgebirgssparkasse hat 2019 laut Römling rund 730.000 Euro für die Sportförderung ausgegeben. "Rund 240 Vereine beziehungsweise Sportveranstalter haben davon auf unterschiedliche Weise profitiert."

Hanna-Michéle Hermann weiß dies zu schätzen, vielleicht besonders jetzt, da sie die Junioren-WM 2020 verpasst hat. "Nachdem es im Herbst gut lief, auch schießtechnisch, wurde es schlechter. Ich hatte drei Wochen Husten und Schnupfen, meine Waffe ist kaputt gegangen, ich habe viele Fahrkarten geschossen. Später war ich dann einfach platt", so die hübsche Blondine. Falsch dosierte Belastung? Möglicherweise, denn im Zwei-Wochen-Wechsel trainierte die Biathletin vom PSV Schwarzenberg mal an ihrem Heimatstützpunkt in Oberwiesenthal, mal in Ruhpolding. "An beiden Orten habe ich das stets intensiv gemacht - Vollgas, kaum Ruhe", blickt sie zurück.

Längst aber hat sie den Blick nach vorn gerichtet. Schule und Training muss nicht mehr in Einklang kommen, die Bundeswehrsportfördergruppe Frankenberg sorgt für gesicherte Grundverhältnisse. Und ab dieser Saison trainiert sie wieder ausschließlich am Fichtelberg. "Das ist mit dem Deutschen Ski-Verband so abgestimmt. Ich soll meinen Weg gehen", sagt die Schnellste ihres Alters im deutschen Biathlon. Mit Heiko Helbig im speziellen und mit Lars Hänel im läuferischen Bereich wird sie wie in den Jahren zuvor auf engagierte Trainer bauen können.

Zunächst aber darf sich Hanna-Michéle Hermann über die Ehrung freuen - und das ohne Einschränkungen. Denn Anfang 2019, als sie noch Schülerin war, hat sie im Komplex Schule/Sport überzeugt.


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