60 Jahre Vollgas für den Motorsport

Pfingsten steht vor der Tür. Viele freuen sich, denn über den Pöhlberg legt sich Benzinduft. Dass dies so ist, dafür sorgt der AMC Annaberg. Und der feiert 2019 Geburtstag.

Annaberg-Buchholz.

Langstreckentrials, Skikjöring, Motocross, Bergrennen, Rallyes, Motoball, Enduro, Geschicklichkeits-, Orientierungs- und Rollerfahren, Pöhlbergpreise, Auto-, Motorrad-, Kart- und Fahrradwettbewerbe: Im Laufe der Jahre hat es im Annaberger Motorsport eine Menge Höhepunkte gegeben, Erfolge eingeschlossen. Wenn die Verantwortlichen des "Automobil- und Motorradclubs Annaberg-Buchholz e.V. im ADAC" ins Plaudern geraten, wird nicht gleich wieder Feierabend. Zu vielschichtig sind all die Erlebnisse, die es in den 60 Jahren des Bestehens gegeben hat.

Am 28. Februar 1959 wurde nach einer Einladung durch eine Initiativgruppe der Club ins Leben gerufen. Er gilt als offizieller Gründungstag. "Aus der Gründungsversammlung gingen 50 Mitglieder hervor", steht in der Festschrift zum 50. Geburtstag. Innerhalb von vier Monaten waren es 120 geworden. Und weil die Mitgliederzahl weiter stieg, wurde in Neudorf ein Stützpunkt etabliert, der bis 1990 unter der Leitung von Reinhart Päßler stand.

"Unsere größten Erfolge stammen aus den Anfangsjahren", sagt Joachim Martin. Er steht seit 1980, also seit nahezu 40 Jahren, an der Spitze des Clubs, der 1961 seinen ersten bedeutsamen Erfolg feiern konnte. "Klaus Hauschild wurde damals Meister im Geschicklichkeitsfahren. Es war die erste Deutsche Meisterschaft überhaupt. Und es gab für alle Motorräder zusammen nur eine Klasse", erinnert sich Martin. In jener Zeit mussten die Piloten beispielsweise über Wippen und durch Tore fahren, mit den Rädern über schmale Bretter balancieren und schnellstmöglich durch Slalomstangen kurven. Hauschild, der Annaberger, war bei den Titelkämpfen in Gera der Beste. Zuvor konnte er 1960 gemeinsam mit Christian Rechenberger und Ulrich Viehweger den Pokal im Langstreckentrial gewinnen. Dafür hatte die Zeitschrift "Illustrierter Motorsport" die Trophäe gestiftet. Die Folge des Sieges war, dass der MC Annaberg-Buchholz 1961 den Lauf für solche Dreier-Mannschaften ausrichten durfte. Tausende Zuschauer verfolgten, wie die Akrobaten auf den Zweirädern unter anderem eine Schlammdurchfahrt auf dem Pöhlberg, eine Flussdurchquerung in Sehma, eine Steilauffahrt am Bärenstein, eine Bergbauhalde in Neudorf, ein Kurvenlabyrinth am Scheibenberg und eine Geröllstrecke in Elterlein bezwangen. Ein Annaberger Trio mit Klaus Hauschild, Jürgen Reißmann und Ulrich Viehweger gewann hinter dem MC Oelsnitz Silber, wobei Viehweger als mit Abstand bester Einzelfahrer den dafür ausgelobten Silberbecher erhielt und nach Ende der Saison als Deutscher Meister mit Serienmotorrädern bis 200 Kubikzentimeter geehrt wurde. Wenig später saß auch Joachim Martin bereits bei Wettbewerben auf dem Zweirad. 1967 gewann er als 17-Jähriger den Jugendtouristikpokal im Orientierungssport. "Wir sind nach Karte und Kompass auf Straßen, Feld- und Waldwegen gefahren", erinnert er sich.

In jene Zeit, teils sogar noch vor die Clubgründung, fallen auch jene Aktivitäten, die immer für Raunen unter den Zuschauern sorgten. Skikjöring, das damals fast ausschließlich hinter Motorrädern gefahren wurde, gehörte zu den Magneten. In zahlreichen Orten gab es Rennen, 1962 sogar eine Bezirksmeisterschaft auf dem Kätplatz. "Roland Siegert/Otto Hanl konnten die Klasse bis 125 ccm gewinnen. Eine Legende aber war Manfred Roscher, der als Hänger bei allen Fahrern begehrt war. Er hat in dieser Disziplin besonders viele Siege und Podestplätze aufzuweisen", erzählt Martin. Absolute Zugpferde waren auch die Bergrennen, die es ab 1962 gab. Anfangs nur für Serien-, bald auch für Rennmotorräder und -wagen. 1976 berichtete die "Freie Presse", dass 25.000 Zuschauer die Strecke in Geyersdorf säumten, 1978 standen bereits 145 Motorrad- und 38 Autofahrer am Start. Überhaupt waren die 1960er- und 1970er-Jahre von einem Aufschwung des Motorsports auf allen Ebenen geprägt. Deshalb gewannen die Annaberger auch Rallyes, Bernd Grübler, Peter Schwarz und Horst Siegling hießen die erfolgreichsten Piloten in Trabis und Wartburgs. Vielen vor Augen sind auch diejenigen, die Spezialfahrzeuge steuerten. Dietmar Graupner etwa, der erst auf MZ über die Rennstrecken preschte, später mit einem Melkus-Rennwagen an den Startlinien stand. Noch heute kann dieses Modell von Zeit zu Zeit bewundert werden, wenn historische Fahrzeuge zu verschiedenen Wettbewerben an die Startlinie rollen.

Annabergs Motorsportler haben aber auch eine andere Facette gezeigt, nämlich die der Aufklärung. "Bei einer Verkehrsteilnehmerschulung hatten wir einmal mehr als 1000 Zuschauer. Dies war in Geyer am Stauweiher. Wir haben Gleise gebaut, Kutschen vom Dach rutschen lassen und 12 Leute in einen Trabi gepresst", erzählt Martin von einer der Episoden. Mehrfach wurde zudem mit und für den "Verkehrskompass", eine Sendung des DDR-Fernsehens, gedreht.

Es gab aber auch traurige Momente. Etwa, als im Juni 1991 die Strecke am Wolfsfelsen nahe Frohnau gekündigt wurde und sich die recht erfolgreiche Cross-Sektion dann auflöste. Jetzt pflegen die Motorsportler ihre Kontakte nach Weiden, helfen bei der Erzgebirgsrallye, organisieren Oldtimerfahrten. "Leider haben wir keine Jugendgruppe. Denn Motorsport ist heute zuallererst eine Frage des Geldes", bedauert Martin. Deshalb sitzen meist Ältere am Steuer, wenn die "Rollerbande" oder die Veteranensektion ausrücken. Diesbezüglich aber ziehen sie die Blicke ständig auf sich und sorgen bei Classic-Veranstaltungen für Aha-Effekte. Ein Pflänzchen für den Nachwuchs aber gibt es - den Kartsport. Er zeigt, dass Motorsport auch unter neuen Bedingungen einem stetigen Wandel unterliegt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...