Alle einig: Es gibt Wichtigeres als Fußball

Vereinsvertreter hoffen auf Besonnenheit der Leute im Umgang mit der Krise

Annaberg-Buchholz.

Bei den Fußballvereinen der Erzgebirgsregion gleichen sich die Aussagen zum aktuellen Geschehen weitgehend. Auch zum Trainingsalltag. Wie soll es auch anders sein, denn Plätze und Hallen sind gesperrt.

"Wir haben komplett eingestellt", sagt Willy Beckert, 1. Vorsitzender des VfB Annaberg. "Auch privat sollen die Spieler nur allein trainieren, nicht in der Gruppe." Gleiches bestimmt die Lage beim SV Auerhammer, wie Mike Martin versichert. "Das gilt vorerst bis 30. März", so der Trainer. Doch der Fußball stehe aktuell hinten an: "Viele Spieler haben andere Sorgen", sagt Martin, der als Lehrer selbst betroffen ist. Auch mit Blick auf das im Sommer anstehende Vereinsjubiläum sei vieles unklar. "Im Notfall feiern wir eben im nächsten Jahr das 101-Jährige", so der SVA-Trainer. "Den Humor sollten wir uns nicht nehmen lassen."

Eine Ausnahme stellt auch der SV Tirol nicht mehr dar, wie Steffen Richter beteuert. "Wir müssen uns anpassen, das ist klar", so der Trainer der Dittmannsdorfer. Er befürchtet eine deutlich längere Pause als bis Ostern. "Wir können es nicht ändern, damit leben müssen alle." Ähnlich liegen die Gedanken von Jan Heuschkel. "Ich vermute, die Serie ist gelaufen. Das Thema verschwindet nicht einfach", so der Trainer des Oelsnitzer FC.

Finanziell befürchten die meisten wenig Einbußen. "Es dürfte eine Nullrechnung werden", erklärt Willy Beckert. "Zwar haben wir keine Zuschauereinnahmen, aber auch keine Kosten." Ähnlich sieht es in Oelsnitz aus: "Vermutlich sparen wir sogar durch die Platzsperre. Wir haben so viele Mannschaften, da ist hier eigentlich immer Betrieb."

Etwas anders sieht es diesbezüglich in Sosa aus, wie Christian Unger erklärt. "Wir haben im Gegensatz zu den Großen der Liga nicht so viele Sponsoren", sagt der FSV-Trainer. Der Aufsteiger hat mit 222 Zuschauern pro Partie aber den höchsten Schnitt der Erzgebirgsliga und ist durchaus auf die Spieltagseinnahmen angewiesen. Allerdings seien darunter viele ältere Zuschauer. "Und die möchten wir wiedersehen. Wir wollen ja alle, dass es irgendwann normal weitergeht", so Unger.

Dass es Wichtigeres als Fußball gibt, diese Aussage fällt ständig. "Wir sind hier im Amateursport, keiner verdient Geld mit dem, was er macht", betont Beckert. "Wir spielen nur eine untergeordnete Rolle." Entscheidend sei, wie die Leute mit den Einschränkungen umgehen, so der VfB-Chef: "Sie sollten nicht durchdrehen, sondern besonnen agieren."


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